Ausbildungskrise: 23.359 Stellen unbesetzt, 25.844 Bewerber ohne Platz
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Schließtechnikspezialist Assa Abloy hat die Automatisierung seiner Produktionslogistik am Standort Berlin umgesetzt. Wie das Unternehmen Ende August 2026 mitteilte, sieht die Geschäftsführung in der Modernisierung der internen Warenströme einen wesentlichen Schritt zur Steigerung der Effizienz und Standortsicherung.
COO Bernd Hausler definierte dabei einen klaren Kriterienkatalog für den Erfolg des Projekts, bei dem neben technischer Präzision vor allem die organisatorische Begleitung im Vordergrund stand.
Strukturierte Umstellung und Einbindung der Arbeitnehmer
Nach Angaben von Bernd Hausler bildeten eine saubere Datengrundlage sowie stabile Ausgangsprozesse das Fundament für die Umstellung. Um die Komplexität der Automatisierung beherrschbar zu halten, habe sich das Unternehmen für eine schrittweise Einführung entschieden. Ein bewusst eingeplanter Zeitpuffer sollte zudem sicherstellen, dass unvorhergesehene Herausforderungen den laufenden Betrieb nicht gefährden.
Ein zentraler Aspekt der Transformation war die soziale Komponente. Hausler betonte, dass die frühzeitige Einbindung des Betriebsrats maßgeblich zur Akzeptanz der neuen Systeme beigetragen habe. Dieser kooperative Ansatz gilt in der Industrie als wesentlicher Faktor, um Ängste vor Arbeitsplatzverlusten durch Automatisierung abzubauen und die Belegschaft aktiv in die Gestaltung neuer Arbeitsumfelder einzubeziehen.
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Massive Investitionen im industriellen Sektor
Die Bestrebungen zur Modernisierung und Kapazitätserweiterung spiegeln sich auch bei anderen großen Industrieakteuren wider. So wurde zeitgleich bekannt, dass der Rüstungskonzern Rheinmetall gemeinsam mit dem Land Hessen rund 260 Millionen Euro in den Defence Hub Nordhessen investiert.
An den Standorten Kassel und Kassel-Calden soll unter anderem ein Drohnenkompetenzzentrum für 8 Millionen Euro entstehen. Die Logistikfläche dieses Vorhabens umfasst 30.000 m².
Im Zuge dieser Expansion plant Rheinmetall einen massiven Personalaufbau. Das Werk in Kassel soll von 2.200 auf 3.000 Beschäftigte wachsen, während in Calden bis zu 200 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Insgesamt entstehen durch das Vorhaben 1.000 zusätzliche Stellen. Bis zum Jahr 2029 beabsichtigt der Konzern, seine weltweite Belegschaft auf 70.000 Mitarbeiter zu verdoppeln.
Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt
Trotz solcher Großinvestitionen steht die deutsche Industrie vor erheblichen strukturellen Problemen bei der Fachkräftesicherung. Aktuelle Daten aus Nordrhein-Westfalen zeigen eine angespannte Lage: Dort sind derzeit 23.359 Ausbildungsstellen unbesetzt, während 25.844 Bewerber noch eine Lehrstelle suchen.
Während das Handwerk eine stabile Entwicklung verzeichnet, baut die Industrie in der Region Plätze ab; die Gesamtzahl der betrieblichen Stellen sank um 6,4 %.
Auch im Kreis Ludwigsburg ist ein deutlicher Rückgang zu beobachten. Zum 1. September 2026 wurden dort 1.269 neue Ausbildungsverträge registriert, was einem Minus von 15,8 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Besonders hart traf es die Metallindustrie mit einem Rückgang von 19 %. Im Bereich der Werkzeugmechaniker hat sich die Zahl der Neuverträge sogar halbiert.
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Fokus auf Qualität und psychische Belastung
Neben der reinen Anzahl der Stellen rückt die Qualität der Ausbildung in den Fokus. Der DGB-Ausbildungsreport 2026 zeichnet ein kritisches Bild der aktuellen Situation. Demnach geben 50,6 % der Auszubildenden an, psychisch belastet zu sein. Zudem erklärten 65,3 % der Befragten, dass sie von ihrer Vergütung nur schlecht leben können. Die allgemeine Zufriedenheit ist im Vergleich zu früheren Jahren gesunken.
Unternehmen wie Condor Technik versuchen, diesem Trend mit eigenen Investitionen in die Qualifizierung entgegenzuwirken. In Mörfelden-Walldorf eröffnete das Unternehmen Ende August ein neues Technik-Training-Center mit 1.000 m² Fläche. Dort sollen jährlich bis zu 15 Auszubildende geschult werden. Der erste Jahrgang umfasst 12 Fluggerätmechaniker, wobei das Angebot ab 2027 um die Bereiche Fertigungstechnik und Elektronik erweitert werden soll.
