AuslÀndische Firmen investieren laut Studie so wenig wie lange nicht
14.03.2024 - 16:10:13Das geht aus einer Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Höhe der Direktinvestitionen aus dem Ausland lag 2023 demnach bei etwa 22 Milliarden Euro, weniger war es zuletzt vor zehn Jahren. Zum Vergleich: 2018 und 2020 waren durch Investitionen auslÀndischer Firmen noch jeweils rund 140 Milliarden Euro nach Deutschland geflossen.
"Die Politik macht es fĂŒr Unternehmen alles andere als attraktiv, in Deutschland zu investieren", sagte IW-Ăkonom Christian Rusche. Ein Grund dafĂŒr sei, dass Förderprogramme - wie fĂŒr Elektroautos oder energieeffizientes Bauen - kurzfristig gestoppt wĂŒrden. Die Politik mĂŒsse die Investitionsbedingungen drastisch verbessern, andernfalls "könnte sich die Deindustrialisierung stark beschleunigen".
Das dritte Jahr in Folge haben auslĂ€ndische Unternehmen hierzulande damit deutlich weniger investiert als deutsche Firmen im Ausland. Obwohl sich die Situation bei den Energiekosten nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre wieder etwas entspannt haben, seien die Netto-AbflĂŒsse aus Deutschland mit 94 Milliarden Euro weiterhin hoch. Seit 1971 sei lediglich 2021 und 2022 mehr Geld abgeflossen. Die HĂ€ufung in den vergangenen Jahren zeige, dass es sich jeweils nicht nur um EinzelfĂ€lle oder Nachholeffekte gehandelt habe, sondern eine tiefergehende Entwicklung vermutet werden könne, so Rusche. Dies sei "ein Warnsignal".
Investitionen in EU stark gestiegen
Dem IW zufolge sind die Direktinvestitionen derzeit weltweit rĂŒcklĂ€ufig, nicht jedoch in der EU. Allein in den ersten neun Monaten 2023 seien die ZuflĂŒsse um 120 Prozent gestiegen, auch aus Deutschland. 90 der insgesamt 116 Milliarden Euro, die deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr ins Ausland investiert haben, sind danach in andere EU-LĂ€nder geflossen. Am meisten davon ging in die Benelux-Staaten und nach Frankreich.
Unternehmen aus Deutschland investierten laut IW zuletzt lieber in der EU, innerhalb der deutschen Grenzen hingegen kaum. "Wenn sie es doch taten, handelte es sich oft um kleinere ZukĂ€ufe oder Projekte - ein Hinweis auf die ungĂŒnstigen Standortbedingungen im globalen Wettbewerb", so Rusche. Die Bundesregierung habe den Handlungsbedarf erkannt. Nun mĂŒssten Taten folgen, "damit die AttraktivitĂ€t des Standorts Deutschland nicht weiter erodiert. Dazu gehört auch, dass verlĂ€ssliche, politische Rahmenbedingungen geschaffen werden mĂŒssen, die fĂŒr Planungs- und damit Investitionssicherheit sorgen".
Internationale Investoren geben dem Standort Deutschland aktuell keine besonders guten Noten. Wie aus einer Umfrage der WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft KPMG hervorgeht, liegt die Bundesrepublik nur noch im Mittelfeld. "Alle Standortfaktoren verschlechtern sich mit zunehmender Dynamik", hieĂ es im Bericht. Als gröĂte Investitionshindernisse wurden ĂŒberbordende BĂŒrokratie (61 Prozent) und hohe Energiekosten (57 Prozent) genannt.

