Auto-Ersatzteile verteuern sich seit 2016 um mehr als 80 Prozent
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 12:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWSGDV sieht Kostenanstieg bei Ersatzteilen
- Der GDV meldet von August 2025 bis August 2026 einen Anstieg der Ersatzteilpreise um mehr als 4 Prozent.
- Seit 2016 verteuerten sich einzelne Teile wie hintere Seitenwände, Vordertüren und Kofferraumklappen nahezu um das Doppelte.
- Eine EU-Reform soll Ersatzteile unter bestimmten Bedingungen vom Designschutz ausnehmen.
Die Preise für Auto-Ersatzteile sind nach einer Erhebung der Versicherungswirtschaft erneut deutlich gestiegen.
Ersatzteile steigen stärker als Inflation
Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft legten die Preise zwischen August 2025 und August 2026 um mehr als 4 Prozent zu. Seit 2016 erhöhten sie sich im Durchschnitt um mehr als 80 Prozent.
Bei einzelnen sichtbaren Karosserieteilen wie hinteren Seitenwänden, Vordertüren und Kofferraumklappen hätten sich die Preise nahezu verdoppelt. Damit entwickelten sich Ersatzteile deutlich schneller als die allgemeine Inflation.
GDV vergleicht 20 Ersatzteile
Der Verband untersuchte nach eigenen Angaben die Preisentwicklung von 20 verschiedenen Ersatzteilen. Bei allen Teilen habe der jährliche Anstieg im Zehnjahrestrend über der Inflationsrate gelegen.
Während die Inflationsrate in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt 2,8 Prozent pro Jahr betragen habe, seien die Ersatzteilpreise im Schnitt um 5,9 Prozent pro Jahr gestiegen, sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.
Designschutz begrenzt Wettbewerb
Als einen Grund für die Entwicklung nennt der GDV den Designschutz. Er schützt das äußere Erscheinungsbild eines Produkts vor Nachahmung und umfasst bei Fahrzeugen auch sichtbare Ersatzteile wie Türen, Kotflügel oder Außenspiegel.
Unabhängige Hersteller durften deshalb keine optisch identischen Teile produzieren. Nach Darstellung des Verbands konnte dies die Auswahl begrenzen und Ersatzteile verteuern. Höhere Preise führen dem GDV zufolge zu teureren Reparaturen und damit zu höheren Schadenkosten.
EU plant Ausnahme für Reparaturteile
Eine geplante Reform des Designrechts soll eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umsetzen und den Wettbewerb stärken. Die EU-Staaten und das Europäische Parlament hatten sich im Dezember 2023 darauf geeinigt, Ersatzteile vom Designschutz auszunehmen.
Die Ausnahme gilt unter bestimmten Bedingungen: Die Teile müssen ausschließlich für Reparaturzwecke konzipiert sein und genau wie das Original aussehen. Genannt wurden als Beispiele eine beschädigte Tür oder ein kaputtes Licht.
Warum sichtbare Teile besonders teuer sind
Der Kostenanstieg bei Ersatzteilen trifft vor allem Bauteile, die nach einem Unfall häufig ausgetauscht werden: Türen, Kotflügel, Seitenwände, Außenspiegel und Kofferraumklappen. Bei ihnen geht es nicht nur um technische Funktion, sondern auch um die exakte Gestaltung der Fahrzeugkarosserie. Der Designschutz kann deshalb den Marktzugang unabhängiger Anbieter begrenzen, wenn Nachbauten dem Original optisch entsprechen müssen.
Reparaturkosten und Versicherungsbeiträge
Für Autofahrer schlagen höhere Teilepreise meist nicht isoliert zu Buche. Steigen die Kosten nach einem Schaden, erhöhen sich auch die Aufwendungen von Werkstätten und Versicherern. Das kann sich langfristig in höheren Prämien oder höheren Eigenbeteiligungen niederschlagen. Besonders relevant ist die Entwicklung für ältere Fahrzeuge, bei denen ein Karosserieschaden schneller einen großen Anteil am Fahrzeugwert erreicht.
Was die Reform ändern könnte
Die geplante Öffnung setzt an einem klar abgegrenzten Fall an: Sichtbare Ersatzteile sollen für Reparaturen verfügbar werden, ohne den Designschutz für das komplette Fahrzeug aufzuheben. Voraussetzung bleibt, dass das Teil ausschließlich zur Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbilds dient und dem Original entspricht. Ob der Wettbewerb dadurch spürbar wächst, hängt unter anderem davon ab, wie schnell nationale Regeln angepasst werden, welche Anbieter Ersatzteile produzieren und ob die Einsparungen bei Werkstätten und Kunden ankommen.

