Batteriebrände, Aktionswoche

Batteriebrände: Österreich startet Aktionswoche gegen falsch entsorgte Akkus

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die österreichweite Initiative informiert über Brandgefahren durch falsch entsorgte Akkus und empfiehlt die Abgabe an Sammelstellen.

Österreich startet Aktionswoche gegen Brände durch falsch entsorgte Akkus
Ein leeres, sauberes Fließband in einer hochmodernen industriellen Sortieranlage für Abfälle. Illustration mit AI erstellt.

In Österreich hat am 12. Oktober 2026 eine einwöchige bundesweite Aktionswoche gegen Batteriebrände begonnen. Die Informationskampagne läuft bis Samstag und widmet sich den Gefahren falsch entsorgter Energiespeicher sowie den Risiken eines unkontrollierten thermischen Durchgehens, dem sogenannten Thermal Runaway.

Die Aufklärungsinitiative ist Teil der österreichweiten Kampagne „Her mit Leer“, die von der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle gemeinsam mit Partnern, Gemeinden und Entsorgungsbetrieben organisiert wird. Begleitend findet eine Verlosung von Einkaufsgutscheinen statt.

Regionale Initiativen gegen Fehlwürfe im Restmüll

Im Bundesland Niederösterreich setzen die regionalen Umweltverbände vom 12. bis 17. Oktober auf die Aktionswoche „Sei kein Zündler“. Bei den teilnehmenden Sammelstellen werden über einen Gewinnspiel-QR-Code Einkaufsgutscheine im Gesamtwert von 6.500 Euro verlost.

Hintergrund der verstärkten Aufklärung sind erhebliche Fehlmengen in den Abfallströmen: Laut der Restmüllanalyse 2025 landen in Niederösterreich jährlich pro Kopf rund 1,6 Kilo Elektroaltgeräte, Batterien und Akkus im Restmüll.

Werden lithiumbasierte Energiespeicher über den Hausmüll entsorgt, drohen schwere Zwischenfälle. Bei der Beförderung, Verdichtung oder mechanischen Behandlung können Kurzschlüsse und Hitzeentwicklung Brände in Müllfahrzeugen und Sortieranlagen auslösen.

Besonders gefährdet sind Alltagsgegenstände wie Kopfhörer, elektrische Zahnbürsten, Powerbanks, Spielzeug und E-Zigaretten, deren Akkus bei Beschädigung unkontrolliert überhitzen, während umliegende Materialien wie Papier und Kunststoff das Feuer rasch anfachen.

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Ursachen für Brände und technischer Hintergrund

Bei Lithium-Polymer-Akkus geht die Brandgefahr nicht primär vom Lithium selbst aus, sondern von den brennbaren Lösungsmitteln im Elektrolyt. Wird eine Zelle angestochen oder zerquetscht, entsteht ein lokaler Kurzschluss.

Das Elektrolyt verdampft, das austretende Gas entzündet sich, und es kommt zum thermischen Durchgehen. Dabei handelt es sich um eine Kettenreaktion mit extrem schnellem Temperaturanstieg, starker Rauchentwicklung und Ausgasung, die sich mechanisch kaum noch stoppen lässt.

Untersuchungen zeigen, dass das Entladen der Energiespeicher auf unter 25 Prozent das Brandrisiko drastisch senkt. Bei einem Testversuch mit einem iPhone-12-Pro-Max-Akku bei 25 Prozent Ladung entstanden bei Beschädigung zwar Funken, Rauch und eine Temperatur von etwa 120 Grad Celsius, jedoch keine offene Flamme.

Größere Lithium-Polymer-Akkus, etwa zwei Zellen in einem 12,9-Zoll iPad Pro, verfügen jedoch auch bei 25 Prozent Ladestand noch über ausreichend Restenergie für eine Entzündung und sollten vor einer Demontage auf 0 Prozent entladen werden.

Bei einer Anzeige von 0 Prozent trennt das Batteriemanagementsystem den Stromkreis in der Regel bei rund 3,3 Volt, wobei noch etwa 10 bis 15 Prozent Restladung in den Zellen verbleiben.

Fachleute weisen zudem darauf hin, dass Lithium-Ionen-Akkus selbst nach jahrelanger Lagerung Restenergie speichern können. Laut Prof. Maximilian Fichtner führt eine Tiefentladung zu dauerhaften Veränderungen an Elektroden und Schutzschichten. Bei NMC-Akkus können Zersetzungsreaktionen Gase freisetzen, die die Zelle aufblähen lassen.

Ein aufgeblähter Akku sei zwar nicht unmittelbar entflammbar, aber ein klares Warnsignal für interne Schäden. Gefährlich sei vor allem der Versuch, tiefentladene oder verformte Akkus wieder aufzuladen, da interne Kurzschlüsse eine starke Erhitzung provozieren können.

Grundsätzlich gelten Lithium-Ionen-Batterien bei ordnungsgemäßer Handhabung als sicher, wie Sanne Van den Broeck, Brandpräventionsexpertin der Brandweer Zone Kempen, betont.

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Die Zahl der Vorfälle sei zwar in den vergangenen Jahren gestiegen, dies müsse jedoch ins Verhältnis zur massiven Zunahme genutzter Geräte gesetzt werden. Kritische Risikofaktoren bestünden vor allem bei E-Bikes und E-Scootern durch mechanische Beschädigungen nach Stürzen, minderwertige Ersatzakkus und ungeeignete Ladegeräte.

Empfehlungen für eine sichere Entsorgung

Um Zwischenfälle zu vermeiden, empfehlen die Initiatoren der Kampagne, Batterien und Akkus im Haushalt getrennt vorzusammeln und im Handel oder bei kommunalen Abgabestellen abzugeben. In Wien stehen hierfür beispielsweise städtische Problemstoff-Sammelstellen, mobile Sammlungen sowie Markt-Sammelstellen kostenlos bereit.

Geräte mit fest verbautem Energiespeicher sollten stets als Ganzes abgegeben werden. Bei bereits beschädigten, verformten oder aufgeblähten Akkus wird dringend dazu geraten, diese nicht unbeaufsichtigt einzuwerfen, sondern direkt an das geschulte Personal der Sammelstellen zu übergeben.

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