BrĂ€nde bei Bauernprotesten in BrĂŒssel
01.02.2024 - 15:18:57Am Rande eines EU-Sondergipfels in BrĂŒssel haben Landwirte teils gewaltsam gegen Umweltauflagen und ein Handelsabkommen protestiert.
Wegen Aktionen um das Europaparlament war die Institution teilweise abgeriegelt worden. Vor den GebĂ€uden wurden GegenstĂ€nde in Brand gesetzt, die Polizei schĂŒtzte den Haupteingang mit Stacheldraht und Einheiten in Schutzmontur, wie auf Fotos zu sehen war. Den Tagungsort der Staats- und Regierungschefs war weitrĂ€umig von der Polizei abgeschirmt worden.
Derzeit protestieren BĂ€uerinnen und Bauern in mehreren EU-Staaten. Unter anderem sehen sie sich durch Umweltauflagen der EuropĂ€ischen Union unverhĂ€ltnismĂ€Ăig stark eingeschrĂ€nkt. Auch das Handelsabkommen Mercosur steht in der Kritik. Die EU stellt Landwirten jedes Jahr Dutzende Milliarden Euro an Subventionen zur VerfĂŒgung. Damit diese ausgezahlt werden, mĂŒssen sie sich auch an gewisse Vorgaben halten.
An den Protesten in BrĂŒssel beteiligten sich Landwirte mit rund 1300 Traktoren, wie die Polizei mitteilte. In einigen FĂ€llen sei es zu Auseinandersetzungen gekommen, wobei GegenstĂ€nde geworfen und TrĂ€nengas eingesetzt worden sei. Auf einem Video, das die Proteste zeigen soll, ist zu sehen, wie ein Brandsatz in Richtung Polizisten geschmissen wird. Eine BestĂ€tigung der Polizei, ob das Video authentisch ist, gab es zunĂ€chst nicht.
Bei dem EU-Gipfel standen vor allem neue Hilfen fĂŒr die Ukraine auf der Agenda. Belgiens Premier Alexander De Croo machte sich vor Beginn des Gipfels dafĂŒr stark, im Kreis der Staats- und Regierungschefs auch ĂŒber die Bauernproteste zu sprechen. Bei den GesprĂ€chen stellte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen BĂ€uerinnen und Bauern BĂŒrokratieabbau in Aussicht. «Die Sorgen, die sie haben, sind teilweise berechtigt», sagte er. Es mĂŒsse sichergestellt werden, dass Landwirte Partner im Kampf gegen den Klimawandel seien.
Vorsicht bei Bauernprotest in BrĂŒssel
Wegen der Proteste vor dem Parlament wurden Mitarbeitende von der Verwaltung zur Vorsicht gebeten. «Es wird dringend empfohlen, sich den Demonstrationen nicht zu nÀhern und keine Fotos zu machen.» Einige EingÀnge seien geschlossen, damit Demonstranten nicht in das GebÀude eindringen könnten. EU-ParlamentsprÀsidentin Roberta Metsola sagte: «Wir sollten uns nicht darauf konzentrieren, denjenigen, die protestieren, die Schuld zu geben, sondern vielmehr sagen, dass wir Ihnen zuhören.» Als Parlament sei man der Meinung, dass die Stimme von niemandem ignoriert werden sollte.
Die EU-Kommission war den Bauern noch am Mittwoch entgegengekommen und hatte eine Ausnahme vorgeschlagen. RĂŒckwirkend zum 1. Januar soll die Vorgabe ausgesetzt werden, dass vier Prozent des Ackerlandes brachliegen oder unproduktiv genutzt werden mĂŒssen. Durch die Vorgabe soll eigentlich die Umwelt geschĂŒtzt werden. Hecken, in denen Vögel brĂŒten können, gelten etwa als unproduktive Nutzung. Damit BĂ€uerinnen und Bauern von der vorgeschlagenen Ausnahme profitieren können, sollen sie im Gegenzug auf sieben Prozent ihrer AckerflĂ€chen stickstoffbindende Pflanzen wie Linsen oder Erbsen beziehungsweise ZwischenfrĂŒchte anbauen.


