Befristung, Regierung

Befristung auf 48 Monate: Regierung verschÀrft Arbeitsrecht deutlich

06.07.2026 - 18:04:26 | boerse-global.de

Das 34-Punkte-Reformpaket der Regierung sieht lĂ€ngere Befristungen und eine Attestpflicht vor. Gewerkschaften und Experten ĂŒben scharfe Kritik an den PlĂ€nen.

Bundesregierung: Reformpaket stĂ¶ĂŸt auf heftige Kritik von Gewerkschaften
Befristung - Eine Gruppe von Arbeitnehmern und Gewerkschaftsvertretern steht entschlossen zusammen, im Hintergrund ein RegierungsgebĂ€ude. Die Stimmung ist ernst. 06.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter kritisieren vor allem VerschĂ€rfungen bei Befristungen, neue Regeln fĂŒr Krankschreibungen und KĂŒrzungen im Sozialbereich.

VerschÀrfung bei Befristungen und Krankmeldungen

Anfang Juli stellte die Regierung das Paket vor. Es sieht unter anderem eine Ausweitung der sachgrundlosen Befristung auf bis zu 48 Monate vor. Gewerkschaften bezeichnen das als deutliche Belastung fĂŒr BeschĂ€ftigte.

Parallel plant die Regierung eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag. Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden. Kanzler Friedrich Merz begrĂŒndete die PlĂ€ne am 5. Juli auf einem Parteitag in Nordrhein-Westfalen mit dem hohen Krankenstand in Deutschland. Er kĂŒndigte zudem einen Aktionsplan gegen den Missbrauch von Sozialleistungen an.

Der stellvertretende CDA-Vorsitzende Christian BĂ€umler warnte am 6. Juli vor unnötigen HĂŒrden fĂŒr Arbeitnehmer. Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung rechnet mit rund 30 Millionen zusĂ€tzlichen Arztbesuchen pro Jahr.

Haushalt 2027: Verteilung der PrioritÀten umstritten

Flankierend sorgt der Kabinettsbeschluss zum Bundeshaushalt 2027 fĂŒr Diskussionen. DGB-Vize Stefan Körzell kritisierte die geplanten KĂŒrzungen bei Sozialleistungen und die Streichungen im Klima- und Transformationsfonds.

Der Haushalt sieht Rekordinvestitionen von 117,5 Milliarden Euro vor. Gleichzeitig fließen 160 Milliarden Euro in die Verteidigung – rund 25 Prozent der Gesamtausgaben. Laut Körzell könnten bis 2030 rund 40 Prozent des Budgets allein fĂŒr Verteidigung und Zinszahlungen draufgehen.

WĂ€hrend Superreiche durch das Ausbleiben einer Vermögensteuer entlastet wĂŒrden, sĂ€hen sich Durchschnittsverdiener einer Steuerentlastung von rund 600 Euro gegenĂŒber. Die Gewerkschaften fordern eine Kurskorrektur: Das Paket gehe einseitig zulasten der Arbeitnehmer und begĂŒnstige Arbeitgeber durch BĂŒrokratieabbau.

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Experten bezweifeln Wirksamkeit der Krankenstands-Regelungen

Auch Krankenkassen und Wissenschaft kritisieren das Paket. AOK-Vorstand Carola Reimann bezeichnete die PlĂ€ne zur Krankschreibung am 6. Juli als Symbolpolitik. Nicht die telefonische Krankschreibung, sondern die elektronische ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung (eAU) sei fĂŒr eine genauere Erfassung der Fehlzeiten verantwortlich.

OECD-Vergleichswerte aus dem Jahr 2022 zeigen Deutschland mit 24,9 Krankheitstagen auf hohem Niveau. Die Zahlen sind jedoch aufgrund unterschiedlicher Erfassungssysteme nur eingeschrÀnkt vergleichbar.

Der Ökonom Daniel Graeber vom DIW erklĂ€rte am 5. Juli: Eine Attestpflicht ab dem ersten Tag senke den Krankenstand statistisch nicht. Sie könne die Zahl der Fehltage sogar erhöhen. Daten der Barmer zeigen zudem: Die telefonische Krankschreibung macht lediglich 0,8 bis 1,2 Prozent aller FĂ€lle aus. Langzeiterkrankungen von mehr als sechs Wochen verursachten hingegen 2024 rund 40 Prozent aller Fehltage.

DAK-Chef Andreas Storm schlĂ€gt als Alternative eine Teilkrankschreibung nach skandinavischem Vorbild vor. Finanzminister Lars Klingbeil verteidigte die Neuregelungen am 6. Juli als praktikabel. Tarifpartner könnten von den Vorgaben abweichen. Gesundheitsministerin Warken prĂŒft derzeit die EinfĂŒhrung der Teilkrankschreibungen.

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Warnungen vor Personalmangel im Gesundheitswesen

ZusĂ€tzliche Kritik kommt von der Gewerkschaft Verdi. Vorstandsmitglied Sylvia BĂŒhler warnte am 5. Juli vor geplanten KĂŒrzungen beim Krankenhauspersonal. Die mögliche Abschaffung der Personalbemessung PPR 2.0 und die bis 2028 vorgesehene Deckelung der Pflegebudgets gefĂ€hrdeten die Patientenversorgung. Der Bundestag soll noch diese Woche ĂŒber entsprechende GesetzesĂ€nderungen entscheiden.

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