Befristungen bis 48 Monate: DGB ruft zu Kundgebungen am 26. September
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 16:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
September zu Kundgebungen in 15 GroĂstĂ€dten auf. Unter dem Motto âHart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.â richtet sich der Protest gegen die Reformagenda der schwarz-roten Koalition unter Kanzler Friedrich Merz. In Berlin, Hamburg und MĂŒnchen werden die gröĂten Demonstrationen erwartet.
Streit um befristete Jobs
Das zentrale Konfliktfeld: die geplante Ausweitung sachgrundloser Befristungen. Die im Juli vorgestellte 34-Punkte-Reformagenda âfĂŒr Aufschwung und BeschĂ€ftigungâ sieht vor, dass ArbeitsverhĂ€ltnisse kĂŒnftig bis zu 48 Monate befristet werden können â mit bis zu sechs VerlĂ€ngerungen. Bisher lag die Grenze bei zwei Jahren und maximal drei VerlĂ€ngerungen.
Die Kritik ist heftig. GrĂŒnen-Politikerin Ricarda Lang spricht von âpolitisch organisierter Zukunftsangstâ. Linken-Chef Luigi Pantisano warnt, das Paket mache ArbeitsverhĂ€ltnisse zu âWegwerfartikelnâ. Die Bundesregierung verteidigt die PlĂ€ne als notwendigen Schritt zur Senkung der Arbeitskosten im globalen Wettbewerb.
Krankschreibung: Attestpflicht ab dem ersten Tag
Auch im Gesundheitswesen stehen tiefe Einschnitte an. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) brachte am 10. Juli das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz durch Bundestag und Bundesrat. Die Reform sieht unter anderem Teilkrankengeld und Teilkrankschreibungen fĂŒr lĂ€nger Erkrankte vor. Zudem sollen ZuschlĂ€ge auf psychotherapeutische Leistungen gestrichen werden.
Besonders umstritten: die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und die EinfĂŒhrung einer Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag. Ărztevertreter warnen vor ĂŒberfĂŒllten Wartezimmern und erhöhtem Ansteckungsrisiko. Ein Mediziner aus Waldeck-Frankenberg rechnet mit 10 bis 15 zusĂ€tzlichen Patienten pro Praxis und Tag.
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Die DAK-Daten fĂŒr das erste Halbjahr 2026 zeigen einen leichten RĂŒckgang des Krankenstandes auf 9,6 Fehltage pro Kopf (Vorjahreszeitraum: 9,9 Tage). Psychische Erkrankungen waren erstmals die Hauptursache fĂŒr ArbeitsunfĂ€higkeit.
Rente: Höheres Eintrittsalter, weniger AbschlÀge
Die geplante Rentenreform sieht eine Erhöhung des Renteneintrittsalters sowie die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren vor. DGB-Chefin Yasmin Fahimi warnt vor einem âsystematischen Abbau des Sozialstaatesâ.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamts untermauern die Kritik. Im April 2025 verdienten rund 39 Prozent der VollzeitbeschÀftigten bundesweit weniger als 3.700 Euro brutto. In Ostdeutschland lag dieser Anteil bei 54 Prozent. Um eine Rente oberhalb der ArmutsgefÀhrdungsgrenze von 1.446 Euro zu erreichen, sind jedoch mindestens 3.771 Euro Monatsbrutto nötig.
SchÀrfere Sanktionen in der Grundsicherung
Seit dem 1. Juli gelten verschĂ€rfte Regeln: Bei dreimaligem VersĂ€umen von Terminen im Jobcenter können Leistungen komplett gestrichen werden â inklusive der Kosten fĂŒr Unterkunft. Bisher waren KĂŒrzungen auf zehn Prozent fĂŒr einen Monat begrenzt.
Weitere Einschnitte sind geplant:
- Der Unterhaltsvorschuss fĂŒr Alleinerziehende soll ab dem 15. Lebensjahr entfallen.
- Das Elterngeld soll auf 12 Monate verkĂŒrzt werden.
- KĂŒrzungen sind bei Wohngeld, Jugend- und Behindertenhilfe sowie bei Krankenkassenleistungen vorgesehen.
Neben den KĂŒrzungen im Sozialsystem droht durch die geplante Abschaffung des Sonderstatus fĂŒr Minijobs eine enorme Kostensteigerung fĂŒr Arbeitgeber. Sichern Sie sich jetzt die kostenlose Mustervorlage fĂŒr Minijob-VertrĂ€ge, um rechtlich auf dem neuesten Stand zu bleiben. Kostenlose Mustervorlage fĂŒr Minijob-ArbeitsvertrĂ€ge herunterladen
Eine Rentenkommission empfiehlt zudem die Abschaffung des Sonderstatus von Minijobs. GeringfĂŒgig BeschĂ€ftigte mĂŒssten dann voll in die Renten-, Pflege- und Krankenversicherung einzahlen. ArbeitgeberverbĂ€nde und Gastronomen warnen vor drastischen Kostensteigerungen und Personalmangel. Der Bundestag tritt am 7. September wieder zusammen â dann beginnt die heiĂe phase der Debatte.
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