So viele Firmenpleiten wie seit zehn Jahren nicht
26.06.2025 - 10:43:02Das wÀren 9,4 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2024.
Zwar hat sich der Zuwachs deutlich abgeschwĂ€cht - der Wert des ersten Halbjahres 2024 lag um 28,5 Prozent ĂŒber dem Vorjahreszeitraum -, dennoch erreicht die Zahl der Unternehmensinsolvenzen den höchsten Stand seit 2015. Damals zĂ€hlte Creditreform von Januar bis Ende Juni 11.530 Firmenpleiten.
"Unternehmen kÀmpfen mit schwacher Nachfrage, steigenden Kosten und anhaltender Unsicherheit", erklÀrt der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. "Besonders die finanziellen Reserven schwinden, Kredite werden teils nicht mehr verlÀngert und immer mehr Betriebe geraten in ernsthafte Schwierigkeiten."
Besonders viele Pleiten in der Dienstleistungsbranche
Einen deutlichen Anstieg der Firmenpleiten registriert die Auskunftei im ersten Halbjahr im verarbeitenden Gewerbe (plus 17,5 Prozent auf 940 FĂ€lle) und im Handel (plus 13,8 Prozent auf 2.220 FĂ€lle). Der Industrie machen unter anderem gestiegene Rohstoff- und Energiekosten zu schaffen, der Einzelhandel spĂŒrt die KaufzurĂŒckhaltung vieler Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts der Dauerkrisen sowie die Online-Konkurrenz.
Der gröĂte Anteil der Insolvenzen entfĂ€llt mit knapp 7.000 FĂ€llen auf den Dienstleistungsbereich, zu dem etwa die Gastronomie zĂ€hlt.
Die SchĂ€den durch Firmenpleiten im ersten Halbjahr 2025 summierten sich auf geschĂ€tzte 33,4 Milliarden Euro - nach 29,7 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Gestiegen ist infolge von GroĂinsolvenzen auch die Zahl der bedrohten Jobs: 141.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind betroffen, im ersten Halbjahr 2024 waren es noch 133.000.
Auch Verbraucherinsolvenzen steigen deutlich
Auch Privathaushalte geraten mehr in finanzielle Not: Die Verbraucherinsolvenzen kletterten um 6,6 Prozent auf 37.700 FÀlle im ersten Halbjahr. "Das anhaltend hohe Insolvenzgeschehen löst zunehmend Kettenreaktionen aus. Seit drei Jahren steigen die Fallzahlen bei Privatpersonen kontinuierlich", ordnet Hantzsch ein. "Die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten sowie Arbeitsplatzverluste, insbesondere in der Industrie, setzen viele Haushalte massiv unter Druck."
Experten erwarten fĂŒr das Gesamtjahr steigende Pleitezahlen
FĂŒr das erste Quartal 2025 meldeten die Amtsgerichte nach endgĂŒltigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes 5.891 beantragte Unternehmensinsolvenzen und damit 13,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Diverse Auskunfteien rechnen fĂŒr das Gesamtjahr mit mehr Firmenpleiten als 2024. Im vergangenen Jahr war amtlichen Zahlen zufolge mit 21.812 FĂ€llen ein Höchststand seit dem Jahr 2015 registriert worden. Der Anstieg war erwartet worden, nachdem die staatliche UnterstĂŒtzung aus der Corona-Pandemie ausgelaufen war. Zudem belasten hohe Energiepreise, BĂŒrokratie und politische Unsicherheit die Unternehmen.
Die jĂŒngsten Zahlen der Wiesbadener Statistiker machen zumindest Hoffnung, dass die Pleitewelle gebrochen sein könnte: Erstmals seit MĂ€rz 2023 gab es in einem Monat weniger angemeldete Insolvenzverfahren als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt anhand vorlĂ€ufiger Daten fĂŒr den Mai mitteilte.

