Stichwahl entscheidet ĂŒber neuen PrĂ€sidenten
19.05.2025 - 06:35:03In der Nacht veröffentlichte Prognosen sahen den liberalkonservativen Kandidaten Rafal Trzaskowski aus dem Regierungslager von Donald Tusk knapp vorn mit 31,1 Prozent der Stimmen. Karol Nawrocki von der nationalkonservativen PiS erhielt demnach 29,1 Prozent. Da keiner der beiden die erforderliche absolute Mehrheit erzielte, ist am 1. Juni eine Stichwahl nötig.
Dritter wurde Slawomir Mentzen von der rechtsextremen Konfederacja mit 14,8 Prozent. Auf dem vierten Platz landete der ebenfalls rechtsextreme Grzegorz Braun mit 6,3 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag Prognosen zufolge bei 66,8 Prozent. Hochrechnungen wie in Deutschland sind in Polen nicht ĂŒblich. Das amtliche Endergebnis wird frĂŒhestens heute Abend erwartet.
Harter Wahlkampf erwartet
Die Abstimmung gilt als Richtungswahl fĂŒr das EU- und Nato-Land Polen. Kommentatoren in Warschau erwarten in den kommenden zwei Wochen eine harte Auseinandersetzung zwischen der regierenden liberalkonservativen BĂŒrgerplattform (PO) und der PiS, den beiden gröĂten Parteien, die das politische Leben des Landes seit 20 Jahren dominieren. "Das Spiel um alles hat gerade erst begonnen. Ein harter Kampf um jede Stimme. Diese zwei Wochen werden ĂŒber die Zukunft unserer Heimat entscheiden", schrieb der proeuropĂ€ische Regierungschef Donald Tusk auf X.
Tusk braucht einen Sieg seines Kandidaten Trzaskowski, um Reformprojekte voranzubringen. Der bisherige PrÀsident Andrzej Duda, der aus den Reihen der PiS stammt, hatte diese mit seinem Veto gebremst.
Knapp 29 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, einen Nachfolger fĂŒr den aus dem Amt scheidenden Duda zu wĂ€hlen. Angesichts des knappen Rennens wird es groĂe Bedeutung haben, fĂŒr wen sich die WĂ€hler des Rechtsextremen Mentzen in der zweiten Runde entscheiden. Der 38-jĂ€hrige Unternehmer kĂŒndigte am Wahlabend an, er wolle seinen AnhĂ€ngern bei der Entscheidung helfen. Details werde er aber nicht am Wahlabend, sondern "in KĂŒrze" bekanntgeben.
Trzaskowski sagte am Wahlabend: "Ich garantiere eine gute Zusammenarbeit mit der Regierung, denn unser Land braucht Ruhe und keine Konflikte." Nawrocki sagte vor AnhÀngern in seiner Heimatstadt Danzig, er wolle verhindern, dass in Polen eine Partei das Machtmonopol erhalte. "Wir sind hier und wir werden gewinnen."
Staatsoberhaupt hat Einfluss auf die AuĂenpolitik
In Polen amtiert der PrĂ€sident fĂŒnf Jahre. Das Staatsoberhaupt hat mehr Befugnisse als der BundesprĂ€sident in Deutschland. Er reprĂ€sentiert das Land nicht nur nach auĂen, sondern hat auch Einfluss auf die AuĂenpolitik, ernennt den Regierungschef sowie das Kabinett und ist im Kriegsfall Oberkommandierender der polnischen StreitkrĂ€fte.

