Viele Tote in humanitÀrer Zone - Israel: Ziel Hamas-Zentrale
10.09.2024 - 15:37:37Die israelische Armee teilte mit, der Angriff habe wichtigen Hamas-Terroristen in einer in der Zone versteckten Kommandozentrale gegolten. Sie bestritt auch die hohe Totenzahl.
Aufnahmen von vor Ort zeigten einen riesigen Krater in der Erde und Menschen, die im sandigen Boden verzweifelt mit bloĂen HĂ€nden nach weiteren Opfern buddelten. Nach Angaben des Zivilschutzes im Gazastreifen, der von der islamistischen Hamas kontrolliert wird, wurden Zelte getroffen, in denen BinnenflĂŒchtlinge untergebracht sind. Israel hatte geflĂŒchtete Einwohner des Gazastreifens wiederholt dazu aufgerufen, sich in der humanitĂ€ren Zone Al-Muwasi in Sicherheit zu bringen.
Nach Darstellung des israelischen MilitĂ€rs wurden vor dem Angriff zahlreiche MaĂnahmen ergriffen, um das Risiko zu verringern, dass Zivilisten zu Schaden kommen.
Israel: Hamas-Kommandozentrale war Ziel des Angriffs
Der israelische MilitĂ€rsprecher Daniel Hagari teilte mit, Ziele des Angriffs seien unter anderem der Chef der Hamas-Luftkampfeinheit im Gazastreifen und der Leiter einer Hamas-SpĂ€habteilung gewesen. Sie seien direkt an dem Massaker am 7. Oktober beteiligt und in letzter Zeit dabei gewesen, TerroraktivitĂ€ten gegen Israel auszufĂŒhren.
Die Hamas hatte dagegen erklĂ€rt, Israels Behauptung, ihre KĂ€mpfer hĂ€tten sich in der humanitĂ€ren Zone aufgehalten, sei "eine eklatante LĂŒge".
Bei einem Ă€hnlichen Vorfall hatte Israels MilitĂ€r im Juli ein abgezĂ€untes Objekt in der humanitĂ€ren Zone zwischen Chan Junis und Al-Mawasi bombardiert, das nach israelischer Darstellung als Basis fĂŒr Hamas-Terroristen diente. Bei dem Angriff wurden demnach der MilitĂ€rchef der Hamas, Mohammed Deif, und der Kommandeur der Chan-Junis-Brigade der Hamas, Rafa Salama, getötet. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde kamen bei dem massiven Luftangriff damals 90 Menschen ums Leben.
Deif gilt als einer der Drahtzieher des Terrorangriffs der Hamas und anderer extremistischer Gruppen vom 7. Oktober des Vorjahres. Dabei wurden mehr als 1.200 Menschen in Israel getötet und etwa 250 weitere als Geiseln nach Gaza verschleppt. Das beispiellose Massaker wurde zum Auslöser des Kriegs. Seit Kriegsbeginn ist die Zahl der getöteten PalĂ€stinenser in Gaza nach Angaben der lokalen Behörden auf mehr als 41.000 gestiegen. Die Zahl unterscheidet nicht zwischen KĂ€mpfern und Zivilisten und lĂ€sst sich kaum ĂŒberprĂŒfen.
Angehörigen-Forum: Furchtbare UmstĂ€nde fĂŒr Geiseln
Nach israelischer ZĂ€hlung befinden sich noch 101 Menschen in der Gewalt der Hamas, wobei unklar ist, wie viele davon noch leben. Die EntfĂŒhrten werden nach Angaben ihrer Angehörigen unter grauenhaften Bedingungen festgehalten. Das Forum der Familienmitglieder der EntfĂŒhrten teilte mit, eine erste Untersuchung des Schicksals von sechs zuletzt getöteten Geiseln durch die Armee habe ergeben, dass die ermordeten Geiseln zuvor "in engen unterirdischen Tunneln mit wenig Luft festgehalten wurden". Sie hĂ€tten unter extremer MangelernĂ€hrung sowie Gewichtsverlust gelitten und "klare Zeichen langanhaltender körperlicher VernachlĂ€ssigung" aufgewiesen.
Die sechs Leichen waren nach MilitĂ€rangaben vor gut einer Woche in einem Tunnel im Gebiet Rafah im SĂŒden Gazas gefunden und nach Israel ĂŒberfĂŒhrt worden. Die Geiseln seien kurz zuvor von den Kidnappern gezielt getötet worden. Das Forum und forderte einen sofortigen Deal mit der Hamas ĂŒber ihre Freilassung.
Die indirekten Verhandlungen zu ihrer Freilassung, bei denen die USA, Ăgypten und Katar vermitteln, drehen sich jedoch seit Monaten im Kreis. Das im Raum stehende mehrstufige Abkommen wĂŒrde auch die Beendigung des Kriegs, den RĂŒckzug des israelischen MilitĂ€rs aus dem Gazastreifen und die Entlassung Tausender palĂ€stinensischer HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen einschlieĂen.
Kritiker werfen Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu vor, den Abschluss einer derartigen Vereinbarung mit ĂŒberzogenen Forderungen zu torpedieren. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, sagte dagegen, die Hamas stelle das gröĂte Hindernis bei den Verhandlungen dar. Der Hamas-FunktionĂ€r Isat al-Rischek teilte mit, Kirbys VorwĂŒrfe, die Hamas habe bei den Verhandlungen neue Forderungen erhoben, entbehrten jeglicher Basis.
US-Warnungen vor groĂem Krieg Israels mit Hisbollah
Israelische Medien zitierten unterdessen Warnungen eines namentlich nicht genannten US-Regierungsvertreters vor möglichen Folgen eines gröĂeren Kriegs zwischen Israel und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah. Der Preis wĂ€re fĂŒr beide Seiten sehr hoch, warnte er demnach. Es seien Tausende, vielleicht sogar Zehntausende Todesopfer sowie schwere Zerstörungen zu befĂŒrchten. AuĂerdem werde auch ein solcher Krieg letztlich mit einer Vereinbarung enden, die Ă€hnlich aussehen werde, wie das, "was wir jetzt versuchen, zu erreichen".
Seit Beginn des Gaza-Kriegs kommt es nahezu tÀglich zu militÀrischen Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah. Dabei wurden sowohl in Israel als auch im Libanon Menschen getötet, Zehntausende sind wegen der KÀmpfe aus dem Grenzgebiet geflohen.

