Deutschland, Agrar

Özdemir sichert Bauern VerlĂ€sslichkeit zu

29.06.2023 - 14:38:50

Beim Bauerntag stellt sich die Politik demonstrativ vor die Landwirte, die mit Klimawandel, höheren Anforderungen an das Tierwohl und verĂ€nderten ErnĂ€hrungsgewohnheiten klar kommen mĂŒssen.

Bundesagrarminister Cem Özdemir hat den Landwirten VerlĂ€sslichkeit und eine begleitende Finanzierung bei der Umstellung zu mehr Klima- und Tierschutz zugesichert. Es gelte, VerĂ€nderungen auf den Weg zu bringen, um Lebensgrundlagen und Wirtschaftlichkeit zu bewahren, sagte der GrĂŒnen-Politiker beim Deutschen Bauerntag in MĂŒnster. «Aber doch bitte nicht mit dem Fallbeil.»

Es gehe nur Schritt fĂŒr Schritt sowie mit Planungssicherheit und guten Kompromissen. Die Tierhaltung könne nur krisenfest sein, wenn sie in Zukunft stĂ€rker klima- und tiergerecht sei und wenn gleichzeitig die Landwirtinnen und Landwirte eine wirtschaftliche Perspektive haben.

Die Haltungskennzeichnung soll kommen

Zur Wahrheit gehöre, dass man nötige VerĂ€nderungen schon vor einigen Jahren unter leichteren UmstĂ€nden hĂ€tte machen können, sagte Özdemir mit Blick auf unionsgefĂŒhrte Bundesregierungen. Nun werde der Umbau der Tierhaltung mit dem vom Bundestag beschlossenen Gesetz fĂŒr eine verpflichtende Haltungskennzeichnung endlich angepackt. Der Minister bekrĂ€ftigte, dass diese nach dem geplanten Start zunĂ€chst mit Schweinefleisch zĂŒgig ausgeweitet werden soll. Er kĂ€mpfe auch in der Koalition dafĂŒr, dass «so viele Mittel wie möglich» bereitgestellt wĂŒrden, um Bauern bei Mehrkosten fĂŒr bessere Haltung zu unterstĂŒtzen. «Jeder Cent, der da angelegt ist, ist gut angelegtes Geld.»

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hob in einer Videobotschaft die Bedeutung der Landwirtschaft hervor. Die Landwirte seien es, die die Bevölkerung verlĂ€sslich mit Lebensmitteln versorgten. FĂŒr die Bundesregierung sei klar, dass Landwirte von ihrer Arbeit leben können mĂŒssten. Auch Nordrhein-Westfalens MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst (CDU) stellte sich in seiner Rede demonstrativ vor die Landwirte und forderte, Probleme beim FlĂ€chenfraß, GewĂ€sserschutz, Tierwohl und ErnĂ€hrungssicherheit im Dialog mit der Politik anzugehen.

Kein Kulturkampf bei der ErnÀhrung

Özdemir sagte, im vergangenen Jahrzehnt habe die Tierhaltung «einen brutalen Strukturbruch» erlebt. Zwischen 2010 und 2020 habe sich die Zahl der schweinehaltenden Betriebe auf 32 000 fast halbiert. Er arbeite seit seinem Amtsantritt dafĂŒr, den Tierhaltern wieder eine Perspektive zu geben. «Wer Freund der Bauern und Freund der Tiere ist, der stĂ€rkt mir beim Umbau den RĂŒcken.» Özdemir hob den ersten Schritt eines Tierhaltungslogos hervor, das vom Bundestag beschlossen wurde. «Mit der Kennzeichnung schaffen wir die Voraussetzung, die Leistung der Bauern fĂŒr mehr Tierwohl sichtbar zu machen.»

Özdemir Ă€ußerte sich besorgt ĂŒber eine vielfach aufgeheizte Stimmung etwa bei ErnĂ€hrungsthemen. Momentan habe er den Eindruck, dass eigentlich lösbare Meinungsverschiedenheiten oft das Potenzial hĂ€tten, «zum Kulturkampf hochgejazzt zu werden». Er warne vor «dieser Polarisierung, auf der kein Segen liegt», sagte Özdemir auch mit Blick auf Debatten ĂŒber angebliche Fleischverbote. Von ihm aus könne jeder so viel Fleisch essen, wie er wolle: «Morgens, mittags, abends ausschließlich Fleisch. Das darf jeder. Ob es einem zwingend immer gut bekommt, das steht auf einem anderen Salatblatt.»

WertschÀtzung der Landwirtschaft wird betont

In den Verhandlungen zum Bundeshaushalt sei es gelungen, dass vorgesehene KĂŒrzungen bei der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und KĂŒstenschutz (GAK) «um die HĂ€lfte reduziert werden konnten», sagte Özdemir weiter. Damit werden Maßnahmen zur Entwicklung lĂ€ndlicher Gebiete gefördert. Er verlangte zugleich: «Es muss jetzt langsam mal ein Ende damit haben, dass die KĂŒrzungen vor allem immer den lĂ€ndlichen Raum treffen.» Wenn man Zusammenhalt stĂ€rken und verhindern wolle, dass Themen wie Land und Stadt oder Zugewanderte und Einheimische von Radikalen zugespitzt wĂŒrden, brauche es mehr Lobby fĂŒr lĂ€ndliche RĂ€ume in der Politik.

WĂŒst betonte, bei der WertschĂ€tzung fĂŒr die Landwirtschaft seien sich immer alle einig. «Aber es geht um die Preise im Handel. Deshalb mĂŒssen wir die Landwirte mit Wettbewerbs- und Kartellrecht unterstĂŒtzen, damit die Preise stimmen», sagte er. Beim Thema Tierwohl warnte der Chef einer schwarz-grĂŒnen Landesregierung vor Scheinlösungen. Wenn frische FrĂŒhstĂŒckseier aus guter Haltung kommen, bei der Weiterverarbeitung in der Industrie die Eier aber aus dem Ausland und dort aus enger KĂ€fighaltung stammen, sei das nicht gut. Er forderte gleiche europaweite Wettbewerbsbedingungen.

Im nÀchsten Jahr ist Cottbus in der Lausitz der Austragungsort des Deutschen Bauerntages. Das gab der Landesbauernverband Brandenburg bekannt.

@ dpa.de