GESAMT-ROUNDUPRaketenfeuer, Kiew

GESAMT-ROUNDUP / Raketenfeuer auf Kiew: Viele Verletzte - HÀuser beschÀdigt

13.12.2023 - 16:09:53

Beim bisher folgenreichsten russischen Raketenangriff in diesem Jahr auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sind nach Angaben von RettungskrÀften 53 Menschen verletzt worden.

20 Verletzte, darunter 2 Kinder, wĂŒrden im Krankenhaus behandelt, teilte BĂŒrgermeister Vitali Klitschko auf Telegram mit. Die anderen Verletzten seien ambulant versorgt worden. Zwar wurden die Raketen laut Flugabwehr abgeschossen, allerdings trafen herabfallende TrĂŒmmer in der Millionenstadt GebĂ€ude, und es kam zu schweren SchĂ€den und BrĂ€nden. Auch in Odessa am Schwarzen Meer gab es SchĂ€den und Verletzte durch russische Drohnenangriffe.

"Russland hat einmal mehr bewiesen, dass es ein verabscheuungswĂŒrdiges Land ist, das nachts Raketen abfeuert und versucht, Wohngebiete, KindergĂ€rten und die Energieversorgung mitten im Winter zu treffen", sagte PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj. Er kĂŒndigte im sozialen Netzwerk X (vormals Twitter) eine weitere VerstĂ€rkung der Flugabwehr an. Er habe gerade erst mit US-PrĂ€sident Joe Biden ĂŒber eine Aufstockung der Flugabwehr gesprochen. Der ukrainische Staatschef hatte am Dienstag Washington besucht und war am Mittwoch in Oslo in Norwegen.

Folgenschwerster Angriff auf Kiew seit ĂŒber einen Jahr

Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, die Hauptstadt sei mit zehn ballistischen Raketen beschossen worden. Alle zehn seien durch die Flugabwehr abgefangen worden. Wahrscheinlich habe Russland umfunktionierte Raketen des Flugabwehrsystems S-400 eingesetzt, schrieb der Leiter des PrÀsidialamtes, Andryj Jermak, auf Telegram. Ziel des Angriffs sei die Infrastruktur in Kiew gewesen.

In einem der östlichen Stadtteile gab es nach Medienangaben einen Brand in einem neungeschossigen Hochhaus. In dessen Hof seien auch acht Autos ausgebrannt. Es gab eine Reihe weiterer BrÀnde, an vielen HÀusern barsten Fenster. Nach Klitschkos Angaben wurden auch ein Kinderkrankenhaus und eine Wasserversorgunganlage leicht beschÀdigt.

FĂŒr Kiew war es der folgenschwerste Angriff seit ĂŒber einem Jahr. Damals waren am 10. Oktober 2022 fĂŒnf Menschen getötet worden, am 17. Oktober 2022 vier Menschen.

Bei dem nĂ€chtlichen Luftangriff auf die Ukraine wurden nach MilitĂ€rangaben auch zehn anfliegende russische Kampfdrohnen abgeschossen. Die Ukraine wehrt seit ĂŒber 21 Monaten eine russische Invasion ab. Die ukrainische Flugabwehr ist inzwischen mit westlicher Hilfe massiv verstĂ€rkt worden.

GrĂ¶ĂŸter ukrainischer Mobilfunkanbieter zweiten Tag außer Betrieb

In der Ukraine war das Mobilfunknetz des grĂ¶ĂŸten Anbieters Kyivstar mehr als 24 Stunden nach einem beispiellosen Hackerangriff weiter außer Betrieb. Der Geheimdienst SBU teilte mit, dass Cyberexperten der Behörde dem Unternehmen bei der Behebung der SchĂ€den helfen. Die Wiederaufnahme der Dienste werde im Laufe des Mittwochs erwartet.

Der SBU teilte mit, dass sich russische Hacker zu dem Sabotageakt bekannt hĂ€tten. Der Geheimdienst sprach abfĂ€llig von einer "Pseudohackergruppe", ordnete sie aber Russlands MilitĂ€rgeheimdienst GRU zu. Staatsmedien in Moskau berichteten breit ĂŒber den "beispiellosen Ausfall" des mobilen Internets. Kyivstar ist mit nach eigenen Angaben gut 24 Millionen Abonnenten der grĂ¶ĂŸte ukrainische Mobilfunkanbieter.

Appell vor EU-Gipfel: Von der Leyen wirbt fĂŒr Ukraine-BeschlĂŒsse

Russland ĂŒberzog das Land mit den neuen Angriffen nicht nur im Zuge der Auslandsreise Selenskyjs, sondern auch mit Blick auf eine Entscheidung der EU ĂŒber die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit dem Land. EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) warnten vor nachlassendem Engagement bei der UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine. Dass Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin seine Kriegsziele in dem Land bislang nicht erreicht habe, bedeute nicht automatisch, dass die Ukraine siegen werde, sagte die Deutsche vor dem EuropĂ€ischen Parlament in Straßburg.

Von der Leyen Ă€ußerte sich im Europaparlament einen Tag vor dem Beginn des letzten regulĂ€ren EU-Gipfels dieses Jahres, bei dem es unter anderem um die weitere finanzielle UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine und die EU-Beitrittsperspektive des Landes gehen soll. Konkret warb sie unter anderem dafĂŒr, wie von ihr im November empfohlen den Start von EU-Beitrittsverhandlungen zu beschließen.

Ampel-Koalition sichert der Ukraine weitere umfassende Hilfen zu

Derweil sicherten die Spitzen der Ampel-Koalition nach ihrer Haushaltseinigung der von Russland angegriffenen Ukraine weitere und umfassende Hilfen zu. Diese UnterstĂŒtzung werde aus dem Regelhaushalt gestemmt, "so wie wir es geplant haben und vor allem so lange wie nötig", sagte Scholz in Berlin. "Dazu zĂ€hlen acht Milliarden Euro fĂŒr Waffenlieferung, Finanzhilfen fĂŒr den ukrainischen Haushalt - direkt oder ĂŒber die EuropĂ€ische Union - und voraussichtlich ĂŒber sechs Milliarden Euro zur UnterstĂŒtzung ukrainischer FlĂŒchtlinge hier in Deutschland", sagte der Kanzler.

"Putin ist nach wie vor fest entschlossen, die Ukraine militĂ€risch in die Knie zu zwingen", sagte Scholz in einer RegierungserklĂ€rung im Bundestag. Der russische PrĂ€sident setze darauf, dass die internationale UnterstĂŒtzung der Ukraine nachlasse.

Der Kanzler verwies darauf, wie US-PrĂ€sident Biden in seinem Land um die Bewilligung neuer Gelder zur UnterstĂŒtzung der Ukraine ringe. Auch in der EU bestehe noch kein Einvernehmen darĂŒber, wie der Haushalt der Ukraine auch in den kommenden Jahren mit insgesamt 50 Milliarden Euro stabilisiert werden könne. Scholz wies darauf hin: "Vor allem Ungarn hat noch nicht zugestimmt."

Norwegen unterstĂŒtzt Ukraine mit weiteren 250 Millionen Euro

Im Ringen um neue Finanzmittel vor dem nahenden Winter blieb der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj bei einem Besuch in Washington weitgehend erfolglos. Auf seiner nĂ€chsten Station in Oslo lief es dagegen besser. Das skandinavische Land unterstĂŒtzt die Ukraine mit weiteren drei Milliarden Kronen (rund 250 Millionen Euro), wie die norwegische Regierung mitteilte. Das Geld ist demnach dafĂŒr gedacht, die zivile Infrastruktur im Winter aufrechtzuerhalten.

DĂ€nemark will die Ukraine mit neuer umfassender MilitĂ€rhilfe unterstĂŒtzen. Dem dĂ€nischen Parlament werde am Donnerstag ein neues militĂ€risches Spendenpaket vorgelegt, das einen Umfang von fast einer Milliarde Euro habe, sagte MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen.

Selenskyj war am Mittwochmorgen ĂŒberraschend in Oslo gelandet und hatte dort an einem zweiten nordisch-ukrainischen Gipfel teilgenommen. Die Spitzen der NordlĂ€nder DĂ€nemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island beteuerten auf der Pressekonferenz einmal mehr ihre anhaltende UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine. Es sei nicht die Zeit fĂŒr KriegsmĂŒdigkeit, wĂ€hrend mutige ukrainische Soldaten jeden Tag kĂ€mpften, sagte Frederiksen in Oslo.

Zuvor hatte Selenskyj in der US-Hauptstadt Washington eindringlich um weitere UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine gebeten. US-PrĂ€sident Joe Biden dĂ€mpfte bei dem Besuch die Aussichten auf eine schnelle Bewilligung weiterer US-MilitĂ€rhilfen. Die Freigabe neuer Mittel aus Washington wird derzeit von einem Streit im US-Parlament blockiert.

@ dpa.de