Trump trifft Xi - Darum geht es in Peking
14.05.2026 - 05:00:20 | dpa.deDie extrem angespannten Handelsbeziehungen zwischen China und den USA sind im Fokus des Treffens zwischen PrĂ€sident Donald Trump und Staats- und Parteichef Xi Jinping. Was die beiden gröĂten Volkswirtschaften verhandeln, betrifft auch den Welthandel. WorĂŒber beide Seiten streiten und was Trump und Xi wollen:
Was ist der Stand der Dinge im HandelsverhĂ€ltnis?Â
Im April vor einem Jahr hatte die Eskalation im Zollstreit den Handel zwischen China und den USA einbrechen lassen. Durch Trumps Einigung mit Xi im sĂŒdkoreanischen Busan Ende Oktober pausieren die hohen ZusatzaufschlĂ€ge. Der Aufschub gilt bis November.Â
Je nach Produkt sind die Zölle unterschiedlich hoch. Gerichtsentscheidungen in den USA Ă€nderten diese zusĂ€tzlich. Laut dem US-Kongress lagen die US-Importzölle auf chinesische Waren Stand 20. Februar durchschnittlich bei 34 Prozent, jene der Chinesen fĂŒr US-Importe bei 31 Prozent.Â
Belastet ist das VerhĂ€ltnis auĂerdem durch Exportkontrollen. Das Busan-Treffen verhinderte zwar die EinfĂŒhrung zusĂ€tzlicher Exportkontrollen Chinas auf weitere seltene Erden und technologisches Wissen dafĂŒr. Peking lĂ€sst aber wichtige Rohstoffe wie seltene Erden weiterhin nur gegen langwierige Genehmigungen ausfĂŒhren. Die USA halten ihrerseits wichtige Technologie zurĂŒck, etwa Computerchips zur Entwicklung von KĂŒnstlicher Intelligenz (KI).Â
Was sind die Streitpunkte?
Kurz gesagt gehört zu den Hauptstreitpunkten neben Zöllen und seltenen Erden auch KI. Beide LÀnder liefern sich ein Wettrennen um die Vorreiterschaft in der Zukunftstechnologie. Chinas Konkurrenzdruck auf die USA steigt. Die GesprÀche könnten sich deshalb auch um mögliche KommunikationskanÀle drehen, falls Gefahren durch neue KI-Modelle auftauchen.
Die Zölle bleiben fĂŒr Trump ein wichtiges Druckmittel. Allerdings haben die Chinesen mit ihren Exportkontrollen auf seltene Erden einen wichtigen Hebel, um Washington in BedrĂ€ngnis zu bringen, weil die Rohstoffe in der RĂŒstung und vielen anderen Industrien essenziell sind. GroĂe Ergebnisse erwarten Experten nicht. «Ich glaube, es wird vor allem darum gehen, den brĂŒchigen Status quo aufrechtzuerhalten», sagte der US-amerikanische China-Experte Jonathan Czin.Â
Was will Trump?
Er will Erfolge kommunizieren. Zuhause steht der US-PrĂ€sident wegen des Iran-Kriegs sogar im eigenen Lager stark unter Druck. Der Iran-Krieg, den viele Kritiker beendet sehen wollen, ĂŒberstrahlt derzeit alle anderen Themen.
Hinzu kommt, dass Trumps aggressive Zollpolitik, die auch China zu spĂŒren bekommt, seit dem DĂ€mpfer vom Obersten Gerichtshof der USA ungeordneter verlĂ€uft und keine klare Linie erkennbar ist. Eigentlich sind die Zölle Trumps Steckenpferd seiner zweiten Amtszeit gewesen. Handelsabkommen mit China wĂŒrden Trump helfen, gegen diese entstandene Unordnung anzugehen.
Was will Xi?Â
FĂŒr Xi wĂ€re der Gipfel nach EinschĂ€tzung von Experten schon dann ein Erfolg, wenn er ohne offenen Streit endet. Ein groĂer Durchbruch ist dafĂŒr nicht nötig. Entscheidend wĂ€re, dass Trump danach nicht wieder mit neuen Zöllen oder TechnologiebeschrĂ€nkungen nachlegt.Â
Peking könnte Trump etwa zusĂ€tzliche KĂ€ufe von Agrarprodukten oder Boeing-Flugzeugen anbieten. FĂŒr China wĂ€re der Preis ĂŒberschaubar, weil es vieles davon ohnehin braucht. Der Gewinn wĂ€re dagegen groĂ: Ruhe im VerhĂ€ltnis zu den USA, Zeit fĂŒr technologische UnabhĂ€ngigkeit und die Möglichkeit, sich in der Welt als verantwortungsvolle Macht darzustellen.Â
Aus Sicht von Xi gehe es darum, «einen Deal zu finden, der China nicht zu viel kostet und sicherstellt, dass China von den USA als gleichrangig behandelt wird, und der China letztlich Zeit verschafft», sagt Jacob Gunter vom Berliner China-Institut Merics.
Warum bleibt das VerhĂ€ltnis schwierig?Â
Das VerhĂ€ltnis bleibt schwierig, weil ein Gipfel die Grundkonflikte kaum lösen kann. Die USA wollen ihr Handelsdefizit mit China verringern, besseren Zugang zum chinesischen Markt bekommen und zugleich Chinas technologischen Aufstieg begrenzen. Dabei geht es auch um Fragen, die sich nur schwer verhandeln lassen - etwa darum, wer bei KI und anderen SchlĂŒsseltechnologien kĂŒnftig fĂŒhrt. Die USA beanspruchen diese Rolle fĂŒr sich, China ebenso.Â
Peking wiederum will sein Wirtschaftsmodell nicht grundsĂ€tzlich Ă€ndern. Starke Industriepolitik, staatliche Steuerung und hohe Investitionen in Technologie sind Kernpfeiler der Politik unter Xi. Um das Handelsdefizit strukturell zu verringern, mĂŒsste China «im Grunde all die VerĂ€nderungen zurĂŒckdrehen, die Xi Jinping am Wirtschaftsmodell des Landes vorgenommen hat», sagt China-Experte Gunter.
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