Produktion/Absatz, Konjunktur

In Bundesregierung bahnt sich Streit um EU-Atomkraft-Kurs an

23.05.2025 - 16:59:57

BERLIN - Die Bundesregierung ringt um eine gemeinsame Haltung in der Frage, ob Atomkraft auf EU-Ebene als nachhaltig eingestuft werden soll.

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BERLIN (dpa-AFX) - Die Bundesregierung ringt um eine gemeinsame Haltung in der Frage, ob Atomkraft auf EU-Ebene als nachhaltig eingestuft werden soll. "Dazu laufen GesprÀche auf europÀischer Ebene mit unseren europÀischen Partnern, mit der EuropÀischen Kommission und auch innerhalb der Bundesregierung", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin.

Zuvor hatte Bundesumweltminister Carsten Schneider erklĂ€rt, Deutschland lehne diese Einstufung weiterhin ab. "Äußerungen von einzelnen Mitgliedern der Bundesregierung, es gĂ€be hier eine neue Offenheit, sind Privatmeinungen", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Eine Positionierung der Bundesregierung gibt es nicht und wird es mit der SPD auch kĂŒnftig nicht geben."

Deutsch-französisches Papier wÀre Kurswechsel

In einem zum Antrittsbesuch des frisch gewĂ€hlten Kanzlers Friedrich Merz (CDU) in Paris am 7. Mai veröffentlichten gemeinsamen Papier der Regierungen in Paris und Berlin heißt es, man werde einen deutsch-französischen Neustart in der Energiepolitik durchfĂŒhren, "der auf KlimaneutralitĂ€t, WettbewerbsfĂ€higkeit und SouverĂ€nitĂ€t beruht".

Das bedeute etwa, die Gleichbehandlung auf EU-Ebene aller emissionsarmer Energien sicherzustellen. Auch Kernenergie, die in Frankreich eine wichtige Rolle spielt, gilt als emissionsarm. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte dazu am Donnerstag in BrĂŒssel gesagt, man mĂŒsse technologieoffen sein.

Frankreichs PrÀsident Emmanuel Macron stellte es beim gemeinsamen Auftritt mit Merz Anfang des Monats so dar: "Um unsere EnergiesouverÀnitÀt unter Wahrung der nationalen Entscheidungen zu gewÀhrleisten, rufen wir dazu auf, auf europÀischer Ebene alle Diskriminierungen von kohlenstoffarmen Energien, sowohl nuklearen als auch erneuerbaren, zu beenden."

Schneider: Atomkraft birgt unkalkulierbare Risiken

Schneider sagte hingegen, Deutschland habe sich aus guten GrĂŒnden fĂŒr ein Energiesystem ohne Atomkraft entschieden. "Die Atomkraft ist deutlich teurer als die erneuerbaren Alternativen, bei deren Ausbau Deutschland bereits weit vorangekommen ist und die auch wirtschaftlich ein erfolgreicher Standortfaktor sind. Atomkraft bringt unkalkulierbare Risiken mit sich - mit Blick auf UnfĂ€lle und die Verbreitung radioaktiven Materials. Ich kann eine solche Technologie nicht ernsthaft als nachhaltig bezeichnen."

Die Finanzierung von Atomanlagen aus EU-Mitteln lehne Deutschland ab, sagte Schneider. "Das gilt auch fĂŒr Versuche, Atomstrom mit nachhaltiger Stromerzeugung aus erneuerbaren Energie gleichzusetzen." Man respektiere aber die Entscheidung anderer EU-Staaten, Atomenergie zu nutzen, solange von diesen Anlagen keine GefĂ€hrdungen fĂŒr die deutsche Bevölkerung ausgingen.

GrĂŒne warnen vor Risiken

GrĂŒnen-Chef Felix Banaszak sagte der dpa, Reiche wolle "die teure und gefĂ€hrliche Atomkraft als klimafreundlich" verkaufen. "Atomkraft als nachhaltige Investitionen zu bezeichnen, ist ökologisch, finanziell und sozial unverantwortlich, schĂ€digt die Energiewende und untergrĂ€bt die europĂ€ischen Klimaziele." In Europa mĂŒssten erneuerbare Energien nach vorn gestellt werden.

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