Kfz-Gewerbe, Individuelle

Kfz-Gewerbe: Individuelle MobilitÀt darf nicht zum Luxus werden / Aktuelle Umfrage Wachstumshoffnungen / E-MobilitÀt braucht Impulse / Rekord bei AusbildungsvertrÀgen / Kostenlose Meisterausbildung gefordert

19.02.2025 - 11:26:25

Berlin - "Die individuelle MobilitĂ€t darf nicht zum Luxus werden." Diese klare Botschaft hat ZDK-PrĂ€sident Arne Joswig kurz vor der Bundestagswahl an die Politik gerichtet. Bei der Vorlage der Jahresbilanz 2024 der rund 36.000 AutohĂ€user und Kfz-WerkstĂ€tten hat er Anreizprogramme fĂŒr den Hochlauf der E-MobilitĂ€t und fĂŒr alternative Kraftstoffe angemahnt.

"Wenn die Klimaziele eingehalten werden sollen und die E-MobilitĂ€t nicht vorankommt, wird der CO2-Preis bis zum Jahr 2030 explodieren. Bei dann möglichen rund 2,50 Euro pro Liter Kraftstoff können sich viele Menschen das Autofahren kaum leisten. Die Politik muss deshalb Lösungen entwickeln, die MobilitĂ€t fĂŒr alle Schichten der Gesellschaft erschwinglich halten, ohne die Klimaziele aus den Augen zu verlieren," fordert Joswig auf der heutigen ZDK-Jahrespressekonferenz in Berlin. Der SchlĂŒssel zu einer nachhaltigen IndividualmobilitĂ€t liegt nicht in der Verteuerung oder gar Abschaffung des Autos, sondern in der Förderung klimafreundlicher Technologien wie E-MobilitĂ€t, Wasserstoffantriebe und synthetische Kraftstoffe, so Joswig. Hier mĂŒsse der Staat mit gezielten Förderprogrammen und einem konsequenten Ausbau der Lade- und Tankinfrastruktur aktiv werden, statt den Autofahrern immer neue finanzielle HĂŒrden aufzubĂŒrden.

Jahresbilanz des Kfz-Gewerbes zwiespÀltig

Die wirtschaftliche Entwicklung im Kraftfahrzeuggewerbe beschreibt Joswig als "zwiespĂ€ltig". So sei der Umsatz ĂŒber alle drei GeschĂ€ftsbereiche - Neuwagen, Gebrauchtwagen und Service - im vergangenen Jahr zwar um 5,6% auf 218,9 Mrd. Euro gewachsen. Dazu haben jedoch hauptsĂ€chlich der Handel mit Gebrauchtwagen sowie das Service- und ReparaturgeschĂ€ft beigetragen. Der Verkauf von Neufahrzeugen stagnierte mit leicht negativer Tendenz (minus 1%) im Vergleich zum Jahr 2023, die UmsĂ€tze im Markenhandel gingen um minus 2% auf 65,3 Mrd. Euro zurĂŒck. Das entspricht 1,58 Mio. Pkw und damit etwas mehr als der HĂ€lfte (55,8%) der insgesamt 2,82 Mio. Pkw-Neuzulassungen. Die GrĂŒnde: Leicht gesunkener durchschnittlicher Neuwagenpreis (minus 2,5%), dazu ein rĂŒcklĂ€ufiger Privatmarkt (minus 2,1%) und nicht zuletzt der Einbruch des Verkaufs von rein batterieelektrisch betriebenen Pkw (minus 27,4%). Im Gebrauchtwagen-Gesamtmarkt wechselten rund 6,5 Mio. Pkw die Besitzer, das waren 7% mehr als im Jahr 2024. Davon wurden 2,7 Mio. Pkw ĂŒber den Markenhandel verkauft, der Umsatz stieg hier um 22% auf 71 Mrd. Euro. Mit rund 2,2 Mio. Besitzumschreibungen (plus 7,4%) erzielte der freie Pkw-Handel einen Umsatz von 30 Mrd. Euro und damit 8% weniger als im Jahr 2024. Im GeschĂ€ftsfeld Service und Reparatur verzeichneten die AutohĂ€user und WerkstĂ€tten im Jahr 2024 erneut ein krĂ€ftiges Umsatzwachstum von 7,4% auf rund 36 Mrd. Euro im Vergleich zu 2023. Die GrĂŒnde: Weiter wachsender Fahrzeugbestand, das hohe Pkw-Durchschnittsalter von 10,3 Jahren, auch deshalb mehr durchgefĂŒhrte Wartungen und Reparaturen bei gestiegenen Kosten.

Aktuelle Umfrage* gibt wenig Hoffnung auf Wachstum - E-MobilitÀt braucht Impulse

FĂŒr das laufende Jahr ist die Erwartung im Kfz-Gewerbe eher pessimistisch. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage, die der ZDK von Ende Januar bis Anfang Februar bei 690 Kfz-Betrieben durchgefĂŒhrt hat. Bei den Umsatzerwartungen fĂŒr 2025 sind 57% der Unternehmen weniger zuversichtlich als vor einem Jahr, und nur 11% sind optimistischer. Rund ein Drittel der Betriebe bewertet die Erwartungen insgesamt als "gleich".

Impulse benötigt die E-MobilitĂ€t. Drei Viertel (76%) der befragten HĂ€ndler beurteilen die Bestellungen von rein batterieelektrischen Fahrzeugen durch Privatkunden als "eher schlechter" bzw. "schlechter" gegenĂŒber dem Vorjahr. Bei Plug-in-Hybriden trifft diese Aussage fĂŒr 61% der HĂ€ndler zu. "Die Politik hat im letzten Jahr tatenlos zugesehen, wie Monat fĂŒr Monat die Neuzulassungen fĂŒr Elektrofahrzeuge in den Keller gingen", so ZDK-VizeprĂ€sident Thomas Peckruhn, Sprecher des Fabrikatshandels. "Die Anstrengungen zum Hochlauf der E-MobilitĂ€t mĂŒssen sich jetzt verdoppeln." Zu den wichtigsten Instrumenten nennen die befragten HĂ€ndler Strompreissenkungen, eine staatliche KaufprĂ€mie und verbesserte Sonderabschreibungen fĂŒr gewerbliche Fahrzeuge.

Rekordzahl bei neuen AusbildungsvertrÀgen - Meisterausbildung muss kostenlos sein

Die Zahl der neu abgeschlossenen AusbildungsvertrĂ€ge im Kfz-Gewerbe hat im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht. Im Ausbildungsberuf "Kfz-Mechatroniker/in" wurden 25.221 neue AusbildungsvertrĂ€ge abgeschlossen, eine Steigerung um 7,2% gegenĂŒber dem Vorjahr. "Junge Menschen sehen im Kfz-Handwerk und den Ausbildungsberufen der Automobilbranche ihre Zukunft", so Bundesinnungsmeister Detlef Peter GrĂŒn. "Wer den nĂ€chsten Schritt gehen will, muss allerdings fĂŒr einen Meisterkurs rund 15.000 Euro bezahlen. Ein Studium hingegen ist kostenlos. Hier muss die Politik endlich handeln, um eine Gleichheit zwischen akademischer und handwerklicher Weiterbildung zu ermöglichen."

Anzahl der Betriebe und Mitarbeiter relativ stabil

Die Anzahl der Kfz-Betriebe ist im vergangenen Jahr geringfĂŒgig um 140 Betriebe (minus 0,4%) auf 36.030 Betriebe zurĂŒckgegangen. Die Zahl der fabrikatsgebundenen Betriebe schrumpfte um 70 Betriebe (minus 0,5%) auf 14.050, die Zahl der nicht fabrikatsgebundenen Betriebe ging um 70 Betriebe (minus 0,3%) auf 21.980 zurĂŒck. Erfasst sind alle organisationsfĂ€higen Betriebe ab einer jĂ€hrlichen UmsatzgrĂ¶ĂŸe von 100.000 Euro aufwĂ€rts. Die Anzahl der BeschĂ€ftigten sank minimal um 0,5% auf 428.000 Menschen (Vorjahr 430.000).

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