ROUNDUP, Ampel-Fraktionschefs

Ampel-Fraktionschefs laden BauernverbÀnde zu GesprÀch ein

11.01.2024 - 11:33:51

BERLIN - Die Vorsitzenden der drei Ampel-Fraktionen im Bundestag haben angesichts der anhaltenden Bauern-Proteste die Spitzen der LandwirtschaftsverbĂ€nde fĂŒr Montag zu einem GesprĂ€ch eingeladen.

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BERLIN (dpa-AFX) - Die Vorsitzenden der drei Ampel-Fraktionen im Bundestag haben angesichts der anhaltenden Bauern-Proteste die Spitzen der LandwirtschaftsverbĂ€nde fĂŒr Montag zu einem GesprĂ€ch eingeladen. Ein entsprechendes Schreiben verschickten die Fraktionschefs Rolf MĂŒtzenich (SPD), Britta Haßelmann (GrĂŒne) und Christian DĂŒrr (FDP) bereits am Mittwochnachmittag an die VerbĂ€nde.

"Bei den aktuellen Demonstrationen wird deutlich, dass es Ihrem Berufsstand jedoch nicht nur um finanzielle Belastungen geht, sondern auch um fehlende Planungssicherheit und wirtschaftliche Perspektiven fĂŒr die landwirtschaftlichen Betriebe", heißt es in der Einladung, die der Deutschen-Presse-Agentur vorliegt. "Uns ist es wichtig, zu diesen Fragen mit Vertreterinnen und Vertretern der Landwirtschaft in direktem Dialog zu bleiben."

Verbandsspitzen sollen ohne Begleitung zum Termin kommen

Die Ampel-Regierung hat mit ihren PlĂ€nen fĂŒr den Abbau der SteuervergĂŒnstigungen fĂŒr Agrardiesel einen Proteststurm der Bauern ausgelöst, der auch durch ZugestĂ€ndnisse der Regierung nicht gestoppt werden konnte. Derzeit lĂ€uft eine Aktionswoche, deren Höhepunkt am kommenden Montag eine Großdemonstration in Berlin sein soll.

FĂŒr diesen Tag haben nun die Ampel-Fraktionschefs insgesamt acht VerbĂ€nde zum GesprĂ€ch eingeladen. Die VorstĂ€nde werden in dem Einladungsschreiben vorsorglich aufgerufen, alleine zu dem Treffen zu kommen: "Um einen vertrauensvollen Austausch in entsprechender GesprĂ€chsatmosphĂ€re einrichten zu können, bitten wir Sie von Begleitungen zu diesem Termin abzusehen."

Positive Reaktion auf GesprÀchsangebot

Die Arbeitsgemeinschaft bĂ€uerliche Landwirtschaft (AbL) begrĂŒĂŸte in einer ersten Reaktion die Initiative der Ampel. Ihr Vorsitzender Martin Schulz rief die Regierung und die Fraktionsspitzen dazu auf, "das Ruder in der Agrarpolitik endlich herumzureißen".

Der Bauernverband gibt sich mit der von der Regierung vorgenommene EntschĂ€rfung der SubventionskĂŒrzungen weiterhin nicht zufrieden. PrĂ€sident Joachim Rukwied setzt auf das noch bevorstehende parlamentarische Verfahren, das in der nĂ€chsten Woche beginnt. "Jetzt ist es an der Bundesregierung und an den Fraktionen im Deutschen Bundestag, diese Proteste zu beenden", sagte er der dpa. "Ein fauler Kompromiss, wie er derzeit auf dem Tisch liegt, kann keine Lösung sein - denn der wird keinen Traktor von der Straße holen." Die Fraktionen mĂŒssten nun intensiv darĂŒber beraten, "wie die WettbewerbsfĂ€higkeit der Landwirtschaft erhalten bleiben kann und wie die Proteste beendet werden können".

Scholz wird in Cottbus von protestierenden Bauern empfangen

Am Donnerstag gingen die Aktionen der Bauern zunÀchst unvermindert weiter. In Cottbus war Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) unmittelbar davon betroffen. Beim Besuch eines neuen Bahnwerks wurde er in der brandenburgischen Stadt mit lautem Protest von demonstrierenden Bauern empfangen. Die Polizei leitete eine Traktorenkolonne an dem Werk vorbei. Die Halle des Bahnwerks war abgesperrt, die Bauern kamen mit den Traktoren nicht heran.

Scholz hatte bereits am Mittwoch angekĂŒndigt, am Rande der Werks-Eröffnung mit Brandenburgs LandesbauernprĂ€sident Henrik Wendorff sprechen zu wollen. Anschließend nimmt er an der Klausurtagung der SPD-Fraktion in Berlin teil.

Die Bundesregierung plant, die seit mehr als 70 Jahren bestehende SteuervergĂŒnstigung beim Agrardiesel nicht mehr auf einen Schlag abzuschaffen, sondern schrittweise ĂŒber drei Jahre auslaufen zu lassen. Eine vorgesehene Streichung der Kfz-Steuerbefreiung fĂŒr Landwirte hat die Koalition bereits ganz zurĂŒckgenommen. Der Bauernverband hat die bisherigen Korrekturen als nicht ausreichend bezeichnet. Der Bundestag muss den PlĂ€nen noch zustimmen.

Esken macht Bauern keine Hoffnung

Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken machte den Bauern am Donnerstag keine Hoffnung darauf, dass sich die Ampel-Koalition noch bewegen wird. "Wir haben uns jetzt darauf verstĂ€ndigt, diese Subvention beim Agrardiesel Schritt fĂŒr Schritt abzuschmelzen - da sollten wir auch bei bleiben", sagte Esken im RTL/ntv-"FrĂŒhstart". Es gehe darum, klimaschĂ€dliche Subventionen abzubauen. Dies gelte unter dem Eindruck des Haushalts, es sei aber auch ein generelles Ziel der Ampel-Koalition.

Esken rief die Landwirte zur MĂ€ĂŸigung bei den Protesten auf. Diese seien im Rahmen des Demonstrationsrechts zwar in Ordnung. "Im gleichen Moment muss man sich immer fragen, ob man mit seinen Aktionen eigentlich noch die Sympathie der Bevölkerung erreichen kann, wenn man so nervt, dass eben die Schulen, die Betriebe nicht mehr erreicht werden können", sagte die SPD-Chefin. Zudem könnten die Proteste eine Gefahr fĂŒr die Arbeit von Rettungs- oder Pflegediensten sein. "Ich glaube, die Bauern kommen am Ende selbst zu der Bewertung, dass man es nicht ĂŒbertreiben darf."

@ dpa.de