Ringen um Neuwahltermin im Februar oder MĂ€rz
11.11.2024 - 20:02:13Der potenzielle Zeitraum verengt sich nun auf Februar oder MĂ€rz. Eine schnellstmögliche Neuwahl bereits im Januar ist inzwischen vom Tisch: DafĂŒr hĂ€tte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) - wie von der Union ursprĂŒnglich verlangt - im Bundestag die Vertrauensfrage bereits an diesem Mittwoch stellen und dies 48 Stunden vorher beantragen mĂŒssen. Diese Frist ist bereits abgelaufen.
Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz strebt nun eine vorgezogene Bundestagswahl im Februar an. In der Sitzung des CDU/CSU-Fraktionsvorstands nannte der Fraktions- und CDU-Parteichef den 16. oder 23. Februar als gut zu erreichen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Die "Rheinische Post" (Dienstag) schreibt, Merz habe dort erklÀrt, der zunÀchst von ihm ins Spiel gebrachte Wahltermin 19. Januar sei zu ambitioniert.
Die SPD dĂŒrfte ein Interesse daran haben, erst nach der Hamburg-Wahl zu wĂ€hlen, weil sie sich von ihrer Hochburg RĂŒckenwind fĂŒr den Bund versprechen könnte. Hamburg wĂ€hlt seine BĂŒrgerschaft am 2. MĂ€rz.
Scholz hat Terminfrage an Fraktionschefs weitergereicht
Scholz wollte die Vertrauensfrage ursprĂŒnglich am 15. Januar stellen, um eine Neuwahl Ende MĂ€rz herbeizufĂŒhren. Nach starkem öffentlichen Druck hatte er sich am Sonntag in der ARD-Sendung "Caren Miosga" bereit gezeigt, die Vertrauensfrage noch vor Weihnachten zu stellen - wenn die Fraktionschefs von SPD und CDU/CSU, Rolf MĂŒtzenich und Friedrich Merz, dazu eine Ăbereinkunft erzielen.
Die Spitze der Unionsfraktion pocht darauf, dass Scholz die Vertrauensfrage noch im laufenden Jahr stellt. "Die SPD ist am Zug, mit konkreten VorschlĂ€gen (zum Zeitplan) auf die Union zuzukommen", hieĂ es aus der Fraktion. "Wenn dieses Datum festgelegt wurde, können GesprĂ€che ĂŒber etwaige noch zwingend zu behandelnde Themen im Bundestag begonnen werden."
Mit Blick auf Gesetzesvorhaben der amtierenden rot-grĂŒnen Minderheitsregierung betonte Merz nach Informationen der "Rheinischen Post" im Fraktionsvorstand erneut, zuerst mĂŒsse Scholz die Vertrauensfrage stellen. Seine Regierung habe keine Verfahrensmehrheit mehr. "Es kommt nur noch auf die Tagesordnung, was wir gemeinsam vorher besprochen haben", zitiert ihn das Blatt nach Teilnehmerangaben.
FDP ebenfalls fĂŒr schnelle Neuwahl
Wie die Union dringt auch die aus der Ampel-Koalition ausgeschiedene FDP auf einen möglichst frĂŒhen Wahltermin. "Das Wichtigste ist, dass das Land bald in der Lage ist, eine Richtungsentscheidung zu treffen", sagte FDP-GeneralsekretĂ€r Bijan Djir-Sarai nach der PrĂ€sidiumssitzung seiner Partei. Vor einer Entscheidung ĂŒber den Wahltermin will sich die FDP nicht auf eine UnterstĂŒtzung noch nicht abgeschlossener Reformprojekte festlegen.
FDP-Fraktionschef Christian DĂŒrr warnte vor den wirtschaftlichen Folgen einer Verzögerung. "Geht es nach Olaf Scholz, hĂ€tten wir erst im Sommer nĂ€chsten Jahres eine neue arbeitsfĂ€hige Regierung", sagte er der dpa. "Das Vakuum, in das Olaf Scholz das Land manövriert hat, kostet uns jeden Tag Jobs und Wohlstand."
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) wies Warnungen der FDP vor einer "HĂ€ngepartie" zurĂŒck. "Da ist die FDP wirklich eine Blitzmerkerpartei", sagte er in Berlin. Sie habe eine HĂ€ngepartie am vergangenen Mittwoch vermeiden können. An dem Tag war die Koalition zerbrochen.
Kritik an Bundeswahlleiterin
Bundeswahlleiterin Ruth Brand untermauerte nach einer Beratung mit den Landeswahlleitungen ihre Empfehlung, einen Neuwahltermin nicht zu frĂŒh anzusetzen. "Um Herausforderungen bei der Wahlorganisation, die sich aus den Fristen bei einer Neuwahl ergeben, bestmöglich zu begegnen, sollte dabei der (im Grundgesetz festgelegte) Zeitraum von 60 Tagen zwischen der Auflösung des Bundestages bis zur Neuwahl ausgeschöpft werden", riet sie in einer Mitteilung. Die Wahlleitungen wirkten bereits jetzt bei den zustĂ€ndigen Stellen in Bund, LĂ€ndern und Gemeinden darauf hin, alle auch ohne Wahltermin schon gangbaren organisatorischen Schritte zu ergreifen.
An diesem Dienstag wird Brand im WahlprĂŒfungsausschuss des Bundestags erwartet, der in einer Sondersitzung ĂŒber einen Neuwahltermin beraten will.
Brand war bei der Union in die Kritik geraten, nachdem sie in einem Brief an den Kanzler vor "unabwĂ€gbaren Risiken" durch eine allzu frĂŒhe Wahl gewarnt hatte. CDU/CSU-ParlamentsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Patrick Schnieder (CDU) sagte der dpa, er erwarte von ihr, dass sie "sich nicht vor den parteipolitischen Karren des Bundeskanzlers spannen lĂ€sst".
Regierungssprecher Steffen Hebestreit wies den Vorwurf Scholz als absurd zurĂŒck. Er verstehe das Ziel der Opposition, möglichst schnell zur Neuwahl zu kommen. "Und trotzdem muss es eben eine ordentliche Wahl sein. Und da sollte man nicht zu viele Hinweise ignorieren auf dem Weg dorthin", sagte er.
Steinmeier verschiebt Reise
Wegen der unklaren Lage verschiebt BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier eine fĂŒr kommende Woche geplante Reise nach Saudi-Arabien. Er wolle Zeit haben, um in Berlin GesprĂ€che mit den politisch Verantwortlichen fĂŒhren zu können, hieĂ es aus dem BundesprĂ€sidialamt. Zuerst hatte der "Spiegel" darĂŒber berichtet.
Steinmeier kommt eine zentrale Rolle zu: Wenn Scholz bei der Vertrauensfrage im Bundestag wie erwartet keine Mehrheit erhÀlt, kann der BundesprÀsident innerhalb von 21 Tagen das Parlament auflösen und die Neuwahl ansetzen. GewÀhlt werden muss dann innerhalb von 60 Tagen.
Parteien berichten von neuen Mitgliedern
GeneralsekretÀr Djir-Sarai berichtete, nach dem Bruch der Ampel hÀtten die Liberalen etwa 1.300 Neueintritte von Mitgliedern verzeichnet. Bis zum Wochenende habe es rund 80 Austritte gegeben. Die Zahl der FDP-Mitglieder war zuletzt auf rund 70.000 gesunken. Die SPD registrierte nach Angaben von GeneralsekretÀr Matthias Miersch seit dem Ampel-Crash am vergangenen Mittwoch online mehr als 1.000 Parteieintritte.

