Cyberangriff, Terabyte

Berliner Cyberangriff: 5,8 Terabyte Behördendaten im Darknet

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das BSI rekonstruiert den Berliner Cyberangriff: Rhysida veröffentlichte 5,8 Terabyte, während Behörden die Folgen des Leaks prüfen.

Berlin-Datenleck: BSI erklärt Angriff über gefälschte Captchas
Ein modernes, minimalistisches Bürogebäude in Berlin bei bewölktem Dämmerlicht. Illustration mit AI erstellt.

Nach dem großflächigen Cyberangriff auf das Berliner Landesnetz hat die Ransomware-Gruppe Rhysida Anfang September knapp 5,8 Terabyte an Daten im Darknet veröffentlicht.

Während der Berliner Senat die systematische Analyse der 1,44 Millionen Dateien vorbereitet, liefert das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nun konkrete Erkenntnisse zum technischen Hergang. Demnach erfolgte der Einbruch über eine sogenannte Terminalfix-Kampagne, bei der manipulierte Abfragen zum Einsatz kamen.

Technische Hintergründe und das Vorgehen der Angreifer

Nach Einschätzung des BSI wurde der Zugang zum internen Netzwerk vermutlich über einen externen Fernzugang (VPN) realisiert. Dabei nutzten die Täter gefälschte Captcha-Abfragen, um bestehende Sicherheitsbarrieren zu überwinden. Der eigentliche Angriff fand bereits im Zeitraum zwischen dem 7. August und dem 12. August 2026 statt, wurde jedoch erst am 14. August bemerkt.

Die verantwortliche Gruppierung Rhysida, die seit 2021 aktiv ist und als primär finanziell motiviert gilt, hatte für die Entschlüsselung der Daten eine Lösegeldforderung in Höhe von 30 BTC gestellt, was einem Gegenwert von etwa 2 Millionen Euro entspricht. Da der Berliner Senat die Zahlung verweigerte, publizierten die Angreifer das Material am 4. September 2026 vollständig im Darknet.

Umfang des Datenlecks und betroffene Verwaltungen

Der Datenabfluss betrifft primär zwei große Senatsverwaltungen: jene für Stadtentwicklung und Bauen sowie jene für Mobilität und Verkehr. Das veröffentlichte Material mit einer Größe von 5,7 bis 5,8 Terabyte umfasst hochsensible Informationen. Hierzu zählen interne Passwörter, Zugangsdaten sowie Personalakten, die Angaben zu 5.000 bis 12.000 Personen enthalten sollen. Auch Kopien von Pässen und Ausweisen befinden sich unter den Dateien.

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Besonders kritisch wird der Abfluss von Dokumenten bewertet, die die kritische Infrastruktur (KRITIS) der Hauptstadt betreffen. Die Datensätze enthalten Unterlagen zu Wasser- und Stromversorgungsanlagen, Umspannwerken sowie Sicherheitsdetails zu Berliner Gefängnissen.

Digital-Staatssekretär Hauer erklärte hierzu, dass bisher keine Daten mit nationaler Sicherheitsrelevanz identifiziert wurden, sondern lediglich Verschlusssachen mit dem Grad „Nur für den Dienstgebrauch“ (VS-NfD). Auch die Polizeipräsidentin betonte, dass weder Privatadressen noch Staatsschutz-Vorgänge abgeflossen seien.

Kritik an Sicherheitsvorkehrungen und politische Reaktionen

Trotz der offiziellen Einordnung mehrt sich die Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen des Landes Berlin. IT-Experten werfen der Verwaltung grobe Fahrlässigkeit vor, da Geheimschutz-Vorgaben nicht eingehalten worden seien.

Zudem war bereits seit Februar 2026 bekannt, dass die notwendige SINA-Infrastruktur zur sicheren Übertragung von Daten fehlte. Ein Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC) kritisierte zudem erhebliche Transparenzdefizite und wies darauf hin, dass Zugänge nach ersten Vorab-Veröffentlichungen nicht unmittelbar gesperrt worden seien.

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Auf politischer Ebene forderte die FDP bereits den Rücktritt des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner sowie der Innensenatorin Iris Spranger. Vertreter der Linken und Grünen verlangen eine parlamentarische Debatte über den Vorfall, den Grünen-Politiker Konstantin von Notz als „Daten-Super-GAU“ bezeichnete. Die Ermittlungen werden gemeinsam vom Bundeskriminalamt (BKA), dem BSI und dem Landeskriminalamt (LKA) geführt.

Maßnahmen für Bürger und weitere Schritte

Aufgrund der bevorstehenden Wahl in Berlin am 20. September 2026 warnt das BSI vor einer erhöhten Bedrohungslage. Es bestehe das Risiko von Identitätsdiebstahl und einer gezielten Phishing-Welle. Bürger, die Bauanträge gestellt haben oder in Bußgeldverfahren involviert sind, sollten ihre Kontoauszüge auf Unregelmäßigkeiten prüfen. Der Senat hat angekündigt, Betroffene per Brief oder E-Mail zu informieren, sobald diese identifiziert sind.

Die Aufarbeitung der Datenmengen wird voraussichtlich noch Wochen in Anspruch nehmen. Der Senat plant hierfür eine KI-basierte Analyse der geleakten Dateien. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Bauen hat zudem ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärft, was in den kommenden Tagen zu Einschränkungen bei digitalen Fachverfahren führen kann.

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