Betriebliche, Krankenversicherung

Betriebliche Krankenversicherung: 54 Prozent sehen Vorteil bei Mitarbeiterbindung

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Personelle Engpässe fördern betriebliche Zusatzleistungen; 20 Prozent bieten eine Krankenversicherung, 45 Prozent eine arbeitgeberfinanzierte Altersvorsorge.
Heller, moderner Büroraum mit großen Fenstern und Blick ins Grüne, symbolisch für ein gesundes Arbeitsumfeld. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts personeller Engpässe und anstehender Reformen im Gesundheitssystem setzen Arbeitgeber in Deutschland verstärkt auf gesundheitsbezogene Zusatzleistungen.

Wie aus einer Befragung der AXA unter 500 Unternehmen mit 10 bis 1.000 Beschäftigten hervorgeht, über die das Fachportal versicherungsbote.de am 27. Oktober 2026 berichtete, stufen 54 Prozent der Betriebe die betriebliche Krankenversicherung (bKV) als wirksames Instrument zur Mitarbeiterbindung ein.

Zudem rechnen 53 Prozent der befragten Betriebe damit, dass die Bedeutung der bKV infolge künftiger Reformen in der gesetzlichen Krankenversicherung weiter steigen wird.

Wachsender Zuspruch trotz bestehender Informationslücken

Der Anteil der Firmen, die eine betriebliche Krankenversicherung bereitstellen, liegt laut der AXA-Untersuchung aktuell bei 20 Prozent. Dies entspricht einem Zuwachs von fünf Prozentpunkten im Vergleich zum Erhebungsjahr 2022. Gleichzeitig besteht im Mittelstand weiterhin Informationsbedarf: 36 Prozent der befragten Arbeitgeber gaben an, noch nie von der bKV gehört zu haben.

Bei den Betrieben, die bislang keinen solchen Schutz anbieten, zeigen sich jedoch Potenziale. So können sich 48 Prozent von ihnen eine Einführung vorstellen, während 2 Prozent diesen Schritt bereits fest eingeplant haben.

Bei den genutzten Budgettarifen entscheiden sich 56 Prozent der anbietenden Unternehmen für Beträge zwischen 21 und 35 Euro pro Monat und Mitarbeiter. Ein Budget von 36 bis 50 Euro nutzen 29 Prozent, während 9 Prozent auf Tarife zwischen 10 und 20 Euro und 5 Prozent auf monatliche Aufwendungen von mehr als 50 Euro setzen.

Hinsichtlich der Leistungsbausteine dominieren zahnmedizinische Absicherungen mit 73 Prozent, gefolgt von Sehhilfen mit 56 Prozent. Vorsorgeleistungen machen 48 Prozent aus, stationäre Leistungen 45 Prozent und das Krankentagegeld 34 Prozent.

Personalprobleme und steigende Fehlzeiten belasten Betriebe

Als wesentlicher Antreiber für das Interesse an betrieblichen Zusatzleistungen erweist sich der angespannte Arbeitsmarkt. In der AXA-Erhebung gaben 85 Prozent der Unternehmen an, unter zunehmenden Personalproblemen zu leiden – ein Plus von 15 Prozentpunkten gegenüber 2022. Die größten Belastungen stellen dabei die Personalkosten mit 77 Prozent sowie der Fachkräftemangel mit 66 Prozent dar.

Dahinter folgen Schwierigkeiten bei der Nachwuchsrekrutierung mit 59 Prozent und der Krankenstand mit 57 Prozent. Entsprechend messen 88 Prozent der Firmen betrieblichen Benefits eine wichtige oder sehr wichtige Rolle bei; bei Unternehmen ab 250 Beschäftigten liegt dieser Wert sogar bei 94 Prozent.

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Diese Entwicklung deckt sich mit übergeordneten Branchendaten: Nach Berechnungen der Allianz fehlen hierzulande bis 2035 rund 3,5 Millionen Fachkräfte, während die Ausfalltage durch Arbeitsunfähigkeit seit 2021 auf durchschnittlich 24 Tage pro Mitarbeiter kletterten.

Stellenwert im Rahmen umfassender Vorsorgekonzepte

Neben der Absicherung im Krankheitsfall bleibt die Altersvorsorge ein zentraler Baustein der betrieblichen Bindungspolitik. Laut der AXA-Studie bewerten 62 Prozent der Unternehmen die betriebliche Altersversorgung (bAV) als wirksames Mittel zur Bindung von Beschäftigten. 60 Prozent gehen davon aus, dass Reformen im Rentensystem die Relevanz der bAV künftig erhöhen werden.

Aktuell bieten 45 Prozent der Unternehmen eine arbeitgeberfinanzierte Altersvorsorge an. Bei Betrieben ab 250 Beschäftigten sind es 55 Prozent, während kleinere Firmen mit bis zu 49 Mitarbeitern und mittelgroße Betriebe jeweils auf eine Quote von 42 Prozent kommen.

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Als Durchführungswege bei bAV-Anbietern dominieren Direktversicherungen mit 80 Prozent, gefolgt von Pensionskassen mit 28 Prozent, Unterstützungskassen mit 12 Prozent, Pensionsfonds mit 11 Prozent und direkten Pensionszusagen mit 5 Prozent.

Bei den Unternehmen ohne bAV zeigen sich 31 Prozent offen für eine künftige Implementierung, 4 Prozent planen diese bereits fest ein. Fachleute betonen dabei zunehmend, Angebote wie bKV und bAV in ganzheitliche Fürsorgesysteme einzubetten, statt auf isolierte Einzellösungen zurückzugreifen.

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