Betriebssicherheit, Brandschutzstandards

Betriebssicherheit: Neue Brandschutzstandards halten 33 Minuten bei 900 Grad

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 23:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hersteller präsentieren Innovationen für Brandschutz, Wartungsfreiheit und Zertifizierung von PV-Komponenten und USV-Systemen.

Energiewende: Neue Produkte und Standards für elektrische Betriebssicherheit
Professionell installierte elektrische Schaltanlagen und Komponenten in einem modernen Schaltschrank. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Energiewende stellt immer höhere Anforderungen an die elektrische Betriebssicherheit. Mehrere Hersteller haben diese Woche neue Produkte und Zertifizierungsstandards vorgestellt, die Brandschutz, Wartungsfreiheit und technische Konformität in den Fokus rücken.

Hager überarbeitet Sicherungslastschaltleisten

Am 24. Juli präsentierte Hager eine neue Baureihe von NH-Sicherungslastschaltleisten. Die Serie fv+ für 185-mm-Sammelschienensysteme ersetzt das bisherige Portfolio und deckt die Baugrößen NH00 bis NH3 ab.

Im Vordergrund standen Sicherheitsaspekte. Eine berührungslose Entnahme der Sicherungen und ein Stoppmechanismus für den Schaltdeckel sollen Verletzungen verhindern. Eine parallele Schaltmechanik reduziert zudem die Lichtbogenenergie beim Schaltvorgang. Für das Gehäuse setzt der Hersteller ab Baugröße NH00 auf mindestens 11 Prozent recycelten Kunststoff.

Neue Komponenten für Industrieautomation

Schurter hat neue DIP-Schalter der Serie DMSD vorgestellt. Die Komponenten mit 2,54-mm-Raster sind für bis zu 2.000 Schaltzyklen ausgelegt – gedacht für die Konfiguration von Geräten in der Industrie- und Gebäudeautomation.

ONCCY bringt mit dem EATS3 einen automatischen Phasenfolgeumschalter für Ströme bis zu 100 Ampere. Das Gerät für die DIN-Schienen-Montage bietet einstellbare Über- und Unterspannungsschwellen sowie wählbare Prioritäten für die Umschaltung zwischen zwei Eingängen.

Brandschutz: 33 Minuten gegen 900 Grad

Der Funktionserhalt im Brandfall bleibt ein zentrales Thema. Dehn SE und Celsion Brandschutzsysteme haben eine geprüfte E30-Lösung für den Überspannungsschutz entwickelt.

Bei Realbrandversuchen an der MPA Stuttgart hielt die Kombination aus Überspannungsschutzgeräten und einem speziellen Brandschutzgehäuse über 33 Minuten Temperaturen von mehr als 900 Grad Celsius stand. Ziel: Sicherheitsrelevante Anlagen wie Brandmelde- oder Sprachalarmanlagen müssen mindestens 30 Minuten funktionsfähig bleiben.

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Wartungsfreie USV mit Supercaps

Bicker Elektronik bringt ein neues System für die unterbrechungsfreie Stromversorgung im DC-Bereich. Die DC-USV nutzt elektrochemische Doppelschichtkondensatoren (EDLC), die bis zu 500.000 Ladezyklen ermöglichen – und damit als wartungsfrei gelten.

Das System ist für einen Temperaturbereich von -20 bis +65 Grad Celsius spezifiziert und verfügt über Schnittstellen zur Echtzeit-Überwachung.

Neue Zertifizierungen für PV-Komponenten

TÜV Rheinland und Sungrow haben quantitative Standards für Photovoltaik-Komponenten definiert. Die Richtlinien 2 PfG 3325 und 2 PfG 3328 Teil 2 bewerten die Lebensdauer von IGBT-Komponenten sowie kompletten Wechselrichtern unter realitätsnahen Bedingungen.

Erste Zertifizierungen wurden bereits für spezifische String-Wechselrichter und Speichersysteme erteilt. Die Datenbasis stammt aus weltweiten PV-Kraftwerken.

Parallel dazu hat die EEBUS Initiative ein Zertifizierungsverfahren für Geräte gestartet, die den Anforderungen des § 14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) entsprechen. Betroffen ist vor allem die steuerbare Integration von Verbrauchseinrichtungen ins Stromnetz.

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Elektroautos als mobile Stromspeicher: Sicherheitsmängel

Die Nutzung von Elektrofahrzeugen als mobile Stromspeicher (Vehicle-to-Load, V2L) rückt ebenfalls in den Fokus. Der ADAC untersuchte Modelle von BMW, BYD, Kia, MG, Renault und XPeng.

Die Systeme zeigten eine hohe Kurzschlusssicherheit. Allerdings gab es Mängel bei der mechanischen Verriegelung von Adaptern und der Bedienung bei Regen. Die dauerhafte Leistungsabgabe lag bei den getesteten Modellen meist bei bis zu 3,7 Kilowatt.

In Hochvolt-Systemen gewinnen HVIL-Steckverbinder (High Voltage Interlock Loop) an Bedeutung. Fachleute betonen die Notwendigkeit geringer Übergangswiderstände, hoher Isolationswerte und mechanischer Robustheit – besonders gegen Vibrationen und Stöße in anspruchsvollen Umgebungen.

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