Baywa r.e.: Bau von Ăkostromanlagen dauert immer noch Jahre
24.03.2024 - 04:53:21Ungeachtet aller politischen AbsichtserklĂ€rungen zur Energiewende bleibt der Bau neuer Wind- und Solarkraftwerke nach Angaben eines der fĂŒhrenden Unternehmen der Branche ein mĂŒhsamer Prozess von jahrelanger Dauer - allerdings nicht nur in Deutschland.
«Die erwartete Geschwindigkeit beim Ausbau der erneuerbaren Energien passt mit der RealitÀt leider noch nicht zusammen», sagte Michael Kohn, Leiter der weltweiten Projektfinanzierung der Baywa r.e.
«Bei Solaranlagen vergehen von der Planung bis zum Bau oft bis zu fĂŒnf Jahre. Windanlagen sind komplexer in der Genehmigung. Da kann es noch lĂ€nger dauern.» Der Manager betonte jedoch, dass das auch fĂŒr andere LĂ€nder gilt: «Nicht nur in Deutschland, sondern in vielen MĂ€rkten.» Das MĂŒnchner Unternehmen plant und baut mit weltweit 5400 Mitarbeitern international Wind- und Solarparks.
Ausbau muss schnller gehen
Die Bundesregierung will 80 Prozent des deutschen Stromverbrauchs bis 2030 aus erneuerbaren Energien decken. Dass der Ausbau schneller voranschreiten mĂŒsste, um dieses Ziel zu erreichen, ist in der Branche Konsens - ebenso, dass die BĂŒrokratie zu den Hemmschuhen zĂ€hlt.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, der Verband kommunaler Unternehmen und die Unternehmensberatung Deloitte hatten im Herbst geschĂ€tzt, dass sich die jĂ€hrlichen Investitionen in die Energiewende bis 2030 im Vergleich zu 2022 knapp verfĂŒnffachen mĂŒssten: von 22 Milliarden auf 100 Milliarden Euro.
Abgesehen vom Kapitalbedarf wĂŒrde das auch Mehrarbeit fĂŒr die Behörden bedeuten. Doch diese sind nach EinschĂ€tzung der Baywa r.e. schon beim derzeitigen Tempo an der KapazitĂ€tsgrenze: «Das lĂ€sst sich nicht von jetzt auf gleich beschleunigen und am Ausbaubedarf ausrichten, unter anderem wegen Mangels an Personal in den Ămtern, die die Genehmigungen bearbeiten», sagte Kohn.
Verfahren oft unkalkulierbar
In Deutschland machten zudem WidersprĂŒche und Klagen die Verfahren schwerer und zeitlich wie inhaltlich unkalkulierbarer. Widerspruchs- und Klagemöglichkeiten seien sehr wichtig, aber «sollten sich nach unserer Auffassung auf die wichtigen und schĂŒtzenswerten Bereiche beschrĂ€nken», sagte Kohn. «Wir sehen Klagen von Anwohnern, die legitime Anliegen haben, etwa was Schall und Schattenwurf einer Windanlage betrifft.»
Diese Bedenken wĂŒrden am besten vorher im Dialog beziehungsweise im Rahmen des Genehmigungsverfahrens ausgerĂ€umt. «Es ist aber oft so, dass hĂ€ufig um der Klage willen geklagt wird, auch wenn es keine Erfolgsaussichten gibt. Eine Klage bedeutet meist eine Verzögerung von bis zu mehreren Jahren.»
NĂ€chstes groĂes Hemmnis sei in vielen MĂ€rkten der Netzanschluss. «Da entsteht hĂ€ufig ein Flaschenhals bei der VerfĂŒgbarkeit von NetzanschlusskapazitĂ€ten. Teilweise werden Anschlusspunkte zugewiesen, die viel zu weit weg sind vom eigentlichen Projekt.»
Einfachere Finanzierung
Die Finanzierung neuer Ăkostromanlagen aber ist nach Kohns Worten in Deutschland in der Regel jedoch weniger aufwĂ€ndig als im Ausland: «Anstelle eines umfangreichen externen Beratungsbedarfs â unter anderem rechtlich, steuerlich, technisch, versicherungsrechtlich â wie im internationalen Umfeld recht ĂŒblich, erfolgt die ProjektprĂŒfung in Deutschland in aller Regel innerhalb der Bank ohne zu Hilfenahme externer Berater», sagte der Finanzierungsfachmann. «Damit werden schon mal sehr zeitkritische und inhaltlich oft komplexe Arbeitspakete verkĂŒrzt.»
Die Baywa r.e. ist aus dem ĂkostromgeschĂ€ft des ursprĂŒnglich im Agrarhandel tĂ€tigen Baywa-Konzerns hervorgegangen und erwirtschaftete 2022 knapp 6,5 Milliarden Euro Umsatz. Die Zahlen fĂŒr 2023 wird der Mutterkonzern Ende der Woche veröffentlichen. «Im Moment haben wir es als Branche mit durchaus angespannten Marktparametern zu tun, nach wie vor hohe Inflationsraten, hohe Zinsen, hohe Investitionskosten und die eine oder andere Unsicherheit in den Lieferketten», sagte Kohn. Banken und andere Investoren seien jedoch weiter investitionsfreudig. «Insgesamt ist die Branche in Deutschland weiter auf Wachstumskurs, und wir gehen aufgrund unserer gut gefĂŒllten Projektpipeline sehr zuversichtlich in die Zukunft.»


