Innenminister, Sicherung

Innenminister dringt auf verstĂ€rkte Sicherung der EU-Außengrenzen

25.12.2023 - 15:39:51

Brandenburgs Innenminister Michael StĂŒgen (CDU) hĂ€lt nach dem EU-Asylkompromiss eine stĂ€rkere Sicherung der Außengrenzen der EuropĂ€ischen Union fĂŒr geboten.

"Wenn die EU-Außengrenzen so löchrig bleiben und wir zusĂ€tzlich Menschen aus den Grenzverfahren aufnehmen mĂŒssen, haben wir eine Verschlechterung", sagte StĂŒbgen, der ab Januar Vorsitzender der Innenministerkonferenz (IMK) ist, der Deutschen Presse-Agentur. "Das muss einhergehen mit einer verstĂ€rkten Sicherung der Außengrenzen gegen die Schleppermafia."

Die EU-Staaten und das Europaparlament hatten sich auf einheitliche Verfahren an den europĂ€ischen Außengrenzen geeinigt. Geplant ist ein deutlich hĂ€rterer Umgang mit Menschen aus LĂ€ndern, die als relativ sicher gelten. Die Verteilung von FlĂŒchtlingen auf die EU-Staaten wird neu geregelt. Wenn die LĂ€nder keine FlĂŒchtlinge aufnehmen wollen, sollen sie zum Beispiel mit Geld UnterstĂŒtzung leisten. Das Europaparlament und die EU-Staaten mĂŒssen noch endgĂŒltig zustimmen.

"Das Verfahren an den europĂ€ischen Außengrenzen fĂŒr offensichtlich unbegrĂŒndete AsylantrĂ€ge halte ich fĂŒr notwendig", sagte StĂŒbgen. "Die Außengrenzlager mĂŒssen aber erstmal aufgebaut werden und humanitĂ€r angemessen sein." Den geplanten SolidaritĂ€tsmechanismus zur Verteilung der FlĂŒchtlinge hĂ€lt er fĂŒr einen "ersten richtigen Schritt". Anders sei keine Einigung hinzubekommen. "Es wĂ€re viel sinnvoller, FlĂŒchtlinge direkt aus Krisenregionen ĂŒber Aufnahmeprogramme aufzunehmen", sagte er.

Der CDU-Politiker hatte sich monatelang fĂŒr feste Kontrollen an der Grenze zu Polen eingesetzt. Dann ordnete Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sie Mitte Oktober an den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz an und verlĂ€ngerte die Maßnahme, um SchleusungskriminalitĂ€t stĂ€rker zu bekĂ€mpfen und irregulĂ€re Migration zu begrenzen. Die Zahl unerlaubt eingereister FlĂŒchtlinge ging danach deutlich zurĂŒck. Grenzkontrollen sind im Schengen-Raum eigentlich nicht vorgesehen.

Der Minister strebt an, dass es keine Grenzkontrollen mehr gibt: "Sie sind als Sofortmaßnahme sehr wirkungsvoll. Ich möchte die Grenzkontrollen aber sobald wie möglich wieder abschaffen, weil es eine Ausnahmesituation ist", sagte StĂŒbgen. "Sie dĂŒrfen nach Schengen-Kodex jeweils nur zunĂ€chst fĂŒr ein halbes Jahr notifiziert werden. Wir brauchen dieses halbe Jahr mindestens, möglicherweise lĂ€nger. Unser Ziel muss sein, dass wir innerhalb der EuropĂ€ischen Union keine Grenzkontrollen haben." DafĂŒr mĂŒssten aber die EU-Außengrenzen sicher sein.

Der CDU-Politiker wertete den Kompromiss der Ampel-Fraktionen im Bundestag zu erleichterten Abschiebungen positiv. "Erleichterte Abschiebungen geben unseren Behörden mehr Möglichkeiten, die RĂŒckfĂŒhrung effizienter zu organisieren", sagte StĂŒbgen. "Es ist nach wie vor so, dass mehr als die HĂ€lfte aller RĂŒckfĂŒhrungen scheitern."

Brandenburg hat nach seinen Angaben in den vergangenen 24 Monaten etwa 60 000 FlĂŒchtlinge aufgenommen, im Land lebten derzeit nur rund 4500 vollziehbar ausreisepflichtige AuslĂ€nder. "RĂŒckfĂŒhrungen sind wichtig, aber nicht wirklich die Lösung der großen Herausforderungen", sagte StĂŒbgen. "Freiwillige RĂŒckkehr hat bei uns absoluten Vorrang, wir liegen dabei doppelt so hoch wie bei Abschiebungen. Die Lösung muss aber in erster Linie darin liegen, dass der Zugang begrenzt wird."

@ dpa.de