Breque dos Apps: Brasilien untersucht StreikbrecherprÀmien bei Keeta
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn Brasilien kam es am 1. September 2026 zu einem landesweiten Streik von Lieferfahrern, die unter dem Motto âBreque dos Appsâ fĂŒr grundlegende Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen demonstrierten. Die Protestbewegung richtet sich gegen die VergĂŒtungspraktiken und die intransparente Kontenverwaltung der groĂen Lieferplattformen im Land.
Kernforderungen nach MindestsÀtzen und Transparenz
Die am Streik beteiligten Kuriere fordern eine strukturelle Anpassung der Bezahlung. Zu den zentralen Forderungen gehört eine Mindestpauschale von R$ 10 fĂŒr Lieferungen bis zu einer Distanz von 4 Kilometern. FĂŒr jeden zusĂ€tzlich zurĂŒckgelegten Kilometer verlangen die Fahrer eine VergĂŒtung von R$ 2,50.
Neben den rein finanziellen Aspekten steht die Plattform iFood besonders in der Kritik. Die Streikenden fordern die Einstellung des Programms â+Entregasâ. Zudem fordern die Fahrer mehr Transparenz bei der Sperrung von Nutzerkonten durch die Apps. Oftmals wĂŒrden Profile ohne klare BegrĂŒndung deaktiviert, was fĂŒr die Betroffenen einen unmittelbaren Verdienstausfall bedeutet.
VorwĂŒrfe wegen antisindikaler Praktiken in SĂŁo Paulo
WÀhrend des Streiks in São Paulo am 1. September 2026 gerieten die Anbieter Keeta und 99Food in den Fokus der Behörden. Beide Unternehmen zahlten wÀhrend der Proteste Boni in Höhe von R$ 3 bis R$ 9 pro Lieferung aus. Kritiker sehen darin den Versuch, die Streikbeteiligung zu senken und die Protestbewegung gezielt zu schwÀchen.
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Das brasilianische Arbeitsministerium (MPT) hat aufgrund dieser Zahlungen Ermittlungen aufgenommen, um zu prĂŒfen, ob es sich um eine unzulĂ€ssige antisindikale Praxis handelt. Das Unternehmen Keeta bestritt unterdessen einen Zusammenhang zwischen den ausgezahlten Boni und den StreikaktivitĂ€ten.
Regionale Ausweitung und politische Forderungen
Der Protest am 1. September 2026 zeigte eine starke regionale PrÀsenz. In Goiùnia schlossen sich zahlreiche Lieferfahrer dem nationalen Aufruf an. Dabei kam es zu Spannungen zwischen den Streikenden und Fahrern, die den Betrieb aufrechterhielten.
Auch in Salvador traten die Kuriere in den Ausstand. Der Interessenvertreter JosĂ© Sousa betonte die Notwendigkeit politischer Einflussnahme. Er forderte das Arbeitsministerium auf, auf die Regierung einzuwirken, um die Rahmenbedingungen fĂŒr die Branche neu zu verhandeln.
Internationale Parallelen in der Plattformökonomie
Die Konflikte in der brasilianischen Lieferbranche spiegeln globale Herausforderungen wider. Bereits im Mai dieses Jahres wurden Ă€hnliche Problematiken in Deutschland thematisiert. Samee Ullah vom Lieferando-Betriebsrat kĂ€mpft fĂŒr die Einhaltung des Mindestlohns, insbesondere bei Subunternehmen.
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Bei einer demonstration in Berlin wurde fĂŒr ein Verbot von Subunternehmerketten und ein Gebot der Direktanstellung plĂ€diert. Berichten zufolge zahlen Subunternehmer ihren Fahrern oft nur 70 bis 80 Euro fĂŒr 12-Stunden-Schichten, was deutlich unter den gesetzlichen Standards liegt.
Sowohl in Brasilien als auch in Deutschland fordern Arbeitnehmervertreter daher eine stÀrkere Regulierung, um die AbhÀngigkeit von Plattform-Algorithmen und prekÀre BeschÀftigungsverhÀltnisse zu beenden.
