China hebt Sanktionen gegen deutschen GrĂŒnen-Politiker auf
16.07.2025 - 10:56:22 | dpa.de(Neu: Reaktion Pekings)
BRĂSSEL (dpa-AFX) - China hebt nach Angaben aus dem EuropĂ€ischen Parlament die vor vier Jahren verhĂ€ngten Sanktionen gegen den deutschen GrĂŒnen-Politiker Reinhard BĂŒtikofer auf. Wie die Deutsche Presse-Agentur in BrĂŒssel erfuhr, wurde das BĂŒro von ParlamentsprĂ€sidentin Roberta Metsola Anfang der Woche ĂŒber den Schritt informiert. Er ist demnach Teil von BemĂŒhungen Pekings zur Wiederaufnahme des Dialogs mit dem Parlament.
China und das EuropĂ€ische Parlament hĂ€tten beschlossen, sĂ€mtliche BeschrĂ€nkungen fĂŒr den gegenseitigen Austausch gleichzeitig aufzuheben, sagte ein Sprecher des Pekinger AuĂenministeriums. Man hoffe, mit der vollstĂ€ndigen Wiederaufnahme des legislativen Austauschs "die gegenseitigen Kontakte und das VerstĂ€ndnis zu vertiefen" und den Beziehungen "neue Impulse zu verleihen".
Mit den StrafmaĂnahmen gegen BĂŒtikofer und weitere Personen und Organisationen hatte China 2021 auf EU-Sanktionen wegen der UnterdrĂŒckung der muslimischen Minderheit der Uiguren in der chinesischen Region Xinjiang reagiert. Den betroffenen Personen und ihren Familien war danach die Einreise nach Festlandchina, Hongkong und Macau untersagt. Zudem durften sie sowie mit ihnen verbundene Unternehmen und Einrichtungen keine GeschĂ€fte mit China tĂ€tigen. In der EU wurde als Reaktion unter anderem der Prozess zum Abschluss eines bereits ausgehandelten Investitionsabkommens auf Eis gelegt.
Parlament hatte zunĂ€chst nicht fĂŒr BĂŒtikofer verhandelt
In einem ersten Schritt von DeeskalationsbemĂŒhungen hatte China bereits im April die Sanktionen gegen amtierende Europaabgeordnete wieder aufgehoben. Gegen den 72-jĂ€hrigen BĂŒtikofer blieben sie allerdings zunĂ€chst bestehen, weil er 2024 nach rund 15 Jahren aus dem Parlament ausgeschieden war und die Parlamentsspitze zunĂ€chst nur fĂŒr derzeitige Abgeordnete verhandelt hatte.
Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bestĂ€tigte BĂŒtikofer, dass er und seine Familie nicht mehr von StrafmaĂnahmen betroffen sind. Zugleich Ă€uĂerte er allerdings UnverstĂ€ndnis darĂŒber, dass zum Beispiel das in Berlin ansĂ€ssige Mercator-Institut fĂŒr China-Studien (Merics) weiterhin betroffen ist. "Pekings Umgang mit seinen 2021 willkĂŒrlich verhĂ€ngten Sanktionen ist ein orientierungsloses Gestolper", kritisierte der frĂŒhere Bundesvorsitzende der GrĂŒnen. Offenbar fehle dort die politische Kraft, die "absurde Peinlichkeit" einfach insgesamt zu beenden.
Peking richtet EU-China-Gipfel aus
Aus dem BĂŒro von ParlamentsprĂ€sidentin Metsola hieĂ es diplomatisch, man wolle den noch immer bestehenden Herausforderungen im VerhĂ€ltnis mit China mit Dialog und Engagement begegnen. Insbesondere betreffe dies unfaire Handelspraktiken, EinschrĂ€nkungen fĂŒr europĂ€ische Unternehmen und Fragen der Menschenrechte.
Unklar blieb zunĂ€chst, ob die jĂŒngsten Sanktionsaufhebungen möglicherweise auch in Verbindung mit einem EU-China-Gipfel stehen, der am Donnerstag kommender Woche in Peking ausgerichtet werden soll. Bei ihm will Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa treffen. Xi muss derzeit fĂŒrchten, dass die EU versucht, in wichtigen Wirtschaftsbereichen deutlich unabhĂ€ngiger von seinem Land zu werden. Grund ist unter anderem der Vorwurf, dass China Russlands Krieg gegen die Ukraine unterstĂŒtzt und unfaire Subventions- und Handelspraktiken nutzt.
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