Selenskyj wirbt bei EU-Gipfel fĂŒr 'Frieden durch Drohungen'
17.10.2024 - 13:45:57(neu: Details und Hintergrund.)
BRĂSSEL (dpa-AFX) - Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat bei einem Treffen mit den Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten um die UnterstĂŒtzung seines Plans fĂŒr einen Sieg gegen Russland geworben. Selenskyj sagte in BrĂŒssel, der Ansatz sei, "Frieden durch Drohungen" zu schaffen. Dazu sollten Deutschland, Frankreich, Italien, GroĂbritannien und die USA dafĂŒr sorgen, dass in der Ukraine ein passendes Raketen-Paket stationiert werden könne.
Dieses könnte Russland dann entweder in echte Friedensverhandlungen zwingen oder die Zerstörung militĂ€rischer Ziele ermöglichen, erklĂ€rte Selenskyj. Es gehe darum, die Ukraine zu stĂ€rken, um dann bereit fĂŒr Diplomatie zu sein. Dabei hĂ€nge es vom Willen der Partner ab, ob sein Plan umgesetzt werden könne.
Siegesplan erfordert Kurswechsel von Partnern
Selenskyj spielte damit darauf an, dass Kernpunkte seines "Siegesplans" einen politischen Kurswechsel von LĂ€ndern wie Deutschland erfordern wĂŒrden. So lehnt es Bundeskanzler Olaf Scholz bislang ab, der Ukraine weitreichende Waffensysteme fĂŒr Angriffe auf Ziele im russischen Hinterland zu liefern. Ebenfalls keine deutsche UnterstĂŒtzung gibt es fĂŒr den ukrainischen Wunsch nach einer schnellen und bedingungslosen Einladung in die Nato.
Scholz machte am Rande des Treffens mit den Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten deutlich, dass er trotz der schwierigen militĂ€rischen Lage der Ukraine nicht von seinen bisherigen Positionen abzurĂŒcken gedenkt. "Sie kennen die Haltung Deutschlands in den Fragen, die da berĂŒhrt sind. Daran wird sich auch nichts Ă€ndern", sagte er am Rande des EU-Treffens mit Selenskyj auf eine Frage zum "Siegesplan".
Deutschland und USA bremsen
Scholz stellte sich dabei abermals auf die Seite der USA, die aus Sorge vor einer weiteren Eskalation des Ukraine-Kriegs ebenfalls zentrale WĂŒnsche Selenskyjs derzeit nicht erfĂŒllen wollen. Auf der anderen Seite stehen vor allem nordische und osteuropĂ€ische EU- und Nato-Staaten. Sie argumentieren, dass im Umgang mit Russland nur gröĂtmöglicher Druck zielfĂŒhrend sei.
In nicht öffentlichen Diskussionen wird zudem darauf verwiesen, dass die Einladung zur Nato-Mitgliedschaft fĂŒr die Ukraine auch eine Art Trumpfkarte in spĂ€teren Verhandlungen mit Russland sein könnte. So könnte die Regierung in Kiew Moskau zum Beispiel anbieten, auf die Nato-Mitgliedschaft zu verzichten, wenn sich Russland aus ukrainischem Gebieten zurĂŒckzieht. Eines der erklĂ€rten Kriegsziele Russlands ist es nĂ€mlich, einen neutralen Status der Ukraine zu erzwingen.
Russland wirft Ukraine Eskalation vor
Aus Russland hieĂ es bereits am Mittwoch zu Selenskyjs Plan, dieser erklĂ€re in keinem seiner Punkte, wie er den Konflikt lösen wolle, sondern versuche, die westlichen VerbĂŒndeten noch tiefer in den Krieg hineinzuziehen. Selenskyj hatte den Plan bereits vergangene Woche in Rom, Paris und London hinter verschlossenen TĂŒren vorgestellt. In Berlin weihte er Kanzler Scholz ein.
Beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs der 27 EU-LĂ€nder waren die Beratungen ĂŒber den Ukraine-Krieg nur ein Thema neben Fragen der Migrationspolitik und der Lage in Nahost. Selenskyj wollte nach seinem Besuch beim EU-Gipfel in BrĂŒssel auch die Verteidigungsminister der Nato-LĂ€nder treffen. Diese sind derzeit fĂŒr eine zweitĂ€gige Herbsttagung in der belgischen Hauptstadt, bei der es auch um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gehen soll.

