ROUNDUP, Handelskrieg

EU wappnet sich fĂŒr möglichen Handelskrieg mit den USA

03.02.2025 - 19:24:01

BRÜSSEL - Die EU bereitet sich auf einen möglichen Handelskrieg mit den USA vor.

(neu: Mexiko)

BRÜSSEL (dpa-AFX) - Die EU bereitet sich auf einen möglichen Handelskrieg mit den USA vor. Nach der AnkĂŒndigung von US-PrĂ€sident Donald Trump zu neuen Zöllen auf Importe aus Mexiko, Kanada und China zeigten sich europĂ€ische Staats- und Regierungschefs bei einem Gipfeltreffen in BrĂŒssel entschlossen, vergleichbare Entscheidungen gegen die EU nicht einfach hinzunehmen.

Als starker Wirtschaftsraum könne man auf Zollpolitik mit Zollpolitiken reagieren, warnte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). "Das mĂŒssen und werden wir dann auch tun." Unter anderem Luxemburgs Regierungschef Luc Frieden und Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron Ă€ußerten sich Ă€hnlich: "Wir sind nicht schwĂ€cher als die Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn jemand einen Handelskrieg will, dann kriegt er ihn", sagte Frieden. Macron betonte, wenn Europa bei Handelsthemen angegriffen werde, mĂŒsse man sich Respekt verschaffen.

Trump: Das wird definitiv passieren

Trump hatte kurz zuvor deutlich gemacht, dass er zweifellos auch Zölle auf Importe aus der EU verhĂ€ngen will. "Das wird definitiv fĂŒr die EuropĂ€ische Union passieren", sagte Trump am spĂ€ten Sonntagabend (Ortszeit) in der NĂ€he von Washington. Zur Höhe der Zölle und zu möglicherweise betroffenen Produktgruppen machte Trump aber keine konkreten Angaben. Es gebe keinen Zeitplan, aber es werde "ziemlich bald" geschehen.

Von Diplomaten hieß es, die EuropĂ€ische Kommission unter der Leitung von Ursula von der Leyen habe bereits vor lĂ€ngerer Zeit eine Liste mit US-Produkten vorbereitet, auf die im Fall von neuen US-Zöllen gegen die EU ebenfalls höhere Zölle erhoben werden könnten. In der ersten Amtszeit von Trump hatte die EU unter anderem mit Sonderzöllen auf Bourbon-Whiskey, Harley-Davidson-MotorrĂ€der und Jeans auf neue Abgaben auf Stahl- und Aluminiumprodukte reagiert.

EU betont Verhandlungsbereitschaft

Nun steht die Drohung Trumps im Raum, auf alle Einfuhren aus der EU Zusatzzölle in zweistelliger Höhe zu verhÀngen. Damit will der Republikaner den Produktionsstandort USA stÀrken und das Handelsdefizit abbauen. Es ist Trump ein Dorn im Auge, dass europÀische Unternehmen deutlich mehr Waren in den USA verkaufen als amerikanische Unternehmen in der EU.

Aus Ă€hnlichen GrĂŒnden ließ der US-PrĂ€sident am Wochenende auf Importe aus den NachbarlĂ€ndern Mexiko und Kanada Zölle in Höhe von 25 Prozent einfĂŒhren - ausgenommen sind nur Energie-Einfuhren aus Kanada, auf die nur AufschlĂ€ge in Höhe von 10 Prozent fĂ€llig werden. Auf alle Einfuhren aus China werden zusĂ€tzlich 10 Prozent fĂ€llig.

Nach einem Telefonat zwischen Trump und Mexikos PrĂ€sidentin Claudia Sheinbaum teilten beide mit, die angekĂŒndigten Zölle auf alle mexikanischen Produkte wĂŒrden einen Monat lang ausgesetzt. Mexiko habe zugesagt, seine Nordgrenze mit 10.000 Soldaten der Nationalgarde zu verstĂ€rken, um Drogenhandel und Migration einzudĂ€mmen, erklĂ€rte Trump.

EU-Spitzenvertreter betonten neben den Vergeltungszolldrohungen auch noch einmal die Verhandlungsbereitschaft der EU und wiesen auf die Risiken eines möglichen Handelskriegs auch fĂŒr die USA hin. So warnte der österreichische Bundeskanzler Alexander Schallenberg, bei einem Handelskrieg zwischen der EU und den USA wĂŒrde China zum "lachenden Dritten" werden.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, der transatlantische Handel und die Investitionen sicherten mehr als 16 Millionen ArbeitsplĂ€tze auf beiden Seiten des Atlantiks und machten 42 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung aus. "Wir brauchen Amerika, und Amerika braucht uns", sagte sie.

In der EU wird deswegen auch bereits seit lĂ€ngerem diskutiert, welche Angebote Trump gemacht werden könnten. Als denkbar gilt beispielsweise, dass die EU mehr FlĂŒssigerdgas (LNG), MilitĂ€rtechnik und AgrargĂŒter aus den USA importieren könnte, um das Handelsdefizit zu reduzieren. Zudem wĂ€re es möglich, die Importzölle fĂŒr US-Autos zu senken.

Handelskrieg-Gefahr ĂŒberschattet andere Themen beim Gipfel

Eigentliches Hauptthema bei dem informellen Gipfeltreffen in BrĂŒssel waren mögliche gemeinsame Initiativen zum Ausbau der VerteidigungsfĂ€higkeiten und die Frage, wie notwendige Investitionen finanziert werden sollten. Etliche Staaten sind angesichts der Bedrohungen durch Russland offen fĂŒr die Aufnahme neuer gemeinsamer Schulden. Insbesondere Deutschland, die Niederlande und Österreich lehnen dies aber ab.

Bundeskanzler Scholz machte deutlich, dass aus seiner Sicht zum Beispiel strenge Wettbewerbsregeln gelockert werden könnten, um die Leistung der europĂ€ischen RĂŒstungsindustrie zu steigern. "Die Unternehmen mĂŒssen von all den rechtlichen Regeln befreit werden, die ihre Zusammenarbeit beeintrĂ€chtigen. Die Staaten mĂŒssen in Einkaufsprozesse anderer Staaten ohne neues Einkaufsverfahren einsteigen können", sagte er. Es brauche weniger BĂŒrokratie und mehr Entschlossenheit.

Frankreichs PrĂ€sident Macron betonte, dass bei allen kĂŒnftigen Investitionen vorrangig die europĂ€ische Industrie profitieren sollte, um die EU im Bereich der Verteidigung strategisch unabhĂ€ngig zu machen.

Streit um Verteidigungsfinanzierung

Als ein möglicher Kompromiss in der AufrĂŒstungsdebatte wird auch der Ausbau der RĂŒstungsfinanzierung durch die EuropĂ€ische Investitionsbank (EIB) gesehen. Zudem ist auch ein Programm im GesprĂ€ch, bei dem die EU-Kommission fĂŒr Mitgliedstaaten Darlehen zu gĂŒnstigen Bedingungen organisiert. Mit einem solchen Programm hatte die Kommission in der Corona-Krise auch nationale Kurzarbeitsregelungen unterstĂŒtzt.

Um was fĂŒr Dimensionen es geht, zeigen SchĂ€tzungen der EU-Kommission. Sie ging bereits im vergangenen Sommer davon aus, dass in den nĂ€chsten zehn Jahren zusĂ€tzliche Verteidigungsinvestitionen in Höhe von rund 500 Milliarden Euro erforderlich sind. Als mögliche EU-Projekte gelten dabei zum Beispiel ein europĂ€isches Luftverteidigungssystem und eine verstĂ€rkte Sicherung der östlichen Landgrenze der Union.

@ dpa.de