ROUNDUP, Russland-Geld

EU will eingefrorenes Russland-Geld fĂŒr AufrĂŒstung der Ukraine nutzen

08.05.2024 - 18:05:52

BRÜSSEL - Die EU will milliardenschwere ZinsertrĂ€ge aus eingefrorenem Vermögen der russischen Zentralbank zur Finanzierung von MilitĂ€rhilfen fĂŒr die Ukraine nutzen.

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BRÜSSEL (dpa-AFX) - Die EU will milliardenschwere ZinsertrĂ€ge aus eingefrorenem Vermögen der russischen Zentralbank zur Finanzierung von MilitĂ€rhilfen fĂŒr die Ukraine nutzen. Vertreter der Mitgliedstaaten verstĂ€ndigten sich am Mittwoch in BrĂŒssel nach wochenlangen Verhandlungen auf einen Plan dafĂŒr, wie die derzeitige belgische EU-RatsprĂ€sidentschaft mitteilte. Allein dieses Jahr sollen bis zu drei Milliarden Euro zusammenkommen.

Nach Kommissionsangaben sind rund 210 Milliarden Euro der russischen Zentralbank in der EU eingefroren. Das in BrĂŒssel ansĂ€ssige Finanzinstitut Euroclear hatte zuletzt mitgeteilt, 2023 rund 4,4 Milliarden Euro an Zinsen eingenommen zu haben.

Der Kompromiss mit den neutralen Staaten

Den Vorschlag zur indirekten Verwendung russischer Gelder fĂŒr die Ukraine hatten EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und der EU-Außenbeauftragte den Regierungen der EU-Staaten im MĂ€rz ĂŒbermittelt. Er sieht vor, dass 90 Prozent der nutzbaren ZinsertrĂ€ge aus der Verwahrung russischer Zentralbank-Gelder in den EU-Fonds fĂŒr die Finanzierung militĂ€rischer AusrĂŒstung und Ausbildung geleitet werden sollen. Die restlichen 10 Prozent sollen fĂŒr direkte Finanzhilfen fĂŒr die Ukraine genutzt werden.

Schwierig waren die Verhandlungen unter anderem, weil neutrale Staaten wie Österreich sich nicht direkt an der Lieferung von Waffen und Munition beteiligen wollen - fĂŒr sie wurde nun vereinbart, dass die ZinsertrĂ€ge zum Teil auch fĂŒr andere Finanzhilfen verwendet werden. Zudem gab es Diskussionen darĂŒber, wie viel Geld Euroclear fĂŒr seinen Aufwand einbehalten darf. Der Betrag reduzierte sich im Lauf der Verhandlungen von 3 Prozent auf 0,3 Prozent. Es ist in der EU das mit Abstand wichtigste Institut, das Vermögenswerte der russischen Zentralbank verwahrt.

Das Risiko der direkten Nutzung der Zentralbank-Gelder

Die russischen Zentralbank-Gelder durch einen Enteignungsbeschluss direkt zu nutzen, ist bislang nicht geplant. Als ein Grund dafĂŒr gelten rechtliche Bedenken und wahrscheinliche Vergeltungsmaßnahmen. Moskau hatte die EU bereits im vergangenen Jahr davor gewarnt, das Eigentum des russischen Staates oder russischer BĂŒrger zu konfiszieren. Denkbar wĂ€re es beispielsweise, dass dann auch in Russland tĂ€tige Unternehmen aus EU-LĂ€ndern zwangsenteignet werden. Zudem könnte eine direkte Nutzung der russischen Vermögenswerte auch dazu fĂŒhren, dass andere Staaten und Anleger das Vertrauen in den europĂ€ischen Finanzplatz verlieren und Vermögen aus der EU abziehen.

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hatte die EU zuletzt mehrfach aufgefordert, die Risiken in Kauf zu nehmen. Es sei angemessen, sowohl die Gewinne als auch die Vermögenswerte selbst zu nutzen, um den russischen Terror zu stoppen, sagte er zuletzt in einer Videoansprache beim EU-Gipfel im MĂ€rz. Russland mĂŒsse sich der tatsĂ€chlichen Kosten des Krieges und der Notwendigkeit eines gerechten Friedens bewusst sein.

Die Kosten des Krieges

Der stellvertretende ukrainische Regierungschef Olexander Kubrakow hatte die von Russland verursachten KriegsschÀden zuletzt auf 500 Milliarden Euro beziffert und sich dabei auf Zahlen der Weltbank, der EuropÀischen Union und der Vereinten Nationen berufen.

Bevor der aktuelle Plan der EU umgesetzt werden kann, muss die Vereinbarung vom Mittwoch noch einmal vom Rat der EU-Mitgliedstaaten bestĂ€tigt werden. Dies gilt allerdings als Formalie. Die belgische RatsprĂ€sidentschaft betonte am Mittwoch noch einmal, dass bereits seit LĂ€ngerem auch die gesetzlichen nationalen Steuern auf die außerordentlichen Euroclear-Gewinne der Ukraine zur VerfĂŒgung gestellt werden. Konkret werde es fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2024 um einen Betrag von schĂ€tzungsweise 1,7 Milliarden Euro gehen, teilte ein Sprecher mit.

@ dpa.de