Bürokratie, Personal

Bürokratie in Unternehmen: Drei von zehn stellen dafür neues Personal ein

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Viele Betriebe schaffen Stellen für Auflagen; bislang sparte die Bundesregierung rund 232 Millionen Euro Bürokratiekosten ein.
Eine leere, weitläufige Industriehalle mit Betonboden und hohen Fenstern, die lange Schatten wirft. Illustration mit AI erstellt.

Zunehmende bürokratische Auflagen belasten die deutsche Metall- und Elektro-Industrie erheblich. Wie Berichte und eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft verdeutlichen, führen die administrativen Anforderungen bei zahlreichen Betrieben zu operativen Engpässen und zwingen sie dazu, zusätzliches Personal allein für die Erfüllung staatlicher Vorgaben einzustellen.

Hoher Personalaufwand für Dokumentationspflichten

Laut einer M+E-Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft klagen 57 Prozent der befragten Betriebe über eine deutliche Zunahme der Bürokratie in den vergangenen drei Jahren.

Um die Auflagen bewältigen zu können, stellten drei von zehn Unternehmen zusätzliches Personal ein. Dies deckt sich mit früheren Erhebungen des Instituts: Bereits im IW-Zukunftspanel aus dem Herbst 2025 gaben 55 Prozent der Unternehmen an, dass der Bürokratieaufwand spürbar gestiegen sei, während fast jedes fünfte Unternehmen eigens dafür neue Stellen schuf.

Nach Berechnungen des IW umfassen die Berichts- und Dokumentationspflichten mittlerweile rund 100.000 Einzelbestimmungen. Die daraus resultierenden laufenden Kosten belaufen sich auf etwa 64 Milliarden Euro jährlich.

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Auch branchenübergreifende Untersuchungen bestätigen den wachsenden Druck auf die Wirtschaft. In einer Sonderumfrage des Ifo-Instituts unter rund 4.500 Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen bezeichnete die Hälfte der Befragten Regulierung und Bürokratie als größte Belastung am Standort Deutschland – noch vor den Energie- und den Arbeitskosten.

Breiter Unmut in der mittelständischen Wirtschaft

Eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, durchgeführt zwischen dem 28. August und dem 29. September 2026 unter 1.006 Privatunternehmen mit mindestens 10 Mitarbeitern, zeichnet ein ähnliches Bild.

Demnach gaben 53 Prozent der befragten Betriebe an, dass die Belastungen durch Vorschriften und Bürokratie größer geworden seien. 45 Prozent nahmen keine Veränderung wahr, während 98 Prozent erklärten, keine Entlastung zu spüren.

Auf die Frage nach den größten Risiken für den wirtschaftlichen Erfolg nannten 83 Prozent der Unternehmen zu viele Vorschriften und Regulierungen. Dahinter folgten hohe Arbeitskosten mit 79 Prozent sowie hohe Energiepreise mit 72 Prozent.

Den Fachkräftemangel sahen 60 Prozent als Risiko, zu hohe Unternehmenssteuern 58 Prozent, eine unsichere Nachfrage 52 Prozent, eine veraltete Infrastruktur 46 Prozent und die fehlende Digitalisierung der Verwaltung 36 Prozent.

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Forderungen der Verbände und Zwischenstand der Politik

Vor diesem Hintergrund fordern Branchenvertreter deutliche Entlastungen. BDA-Präsident Dulger sprach sich für die Abschaffung des Lieferkettengesetzes für Firmen mit weniger als 5.000 Mitarbeitern sowie für die Streichung überflüssiger steuerlicher Meldepflichten aus.

Der Maschinenbauverband VDMA warnte zudem davor, dass die Ausweitung europäischer Berichtspflichten und die heimische Bürokratie mittelständische Exporteure überproportional belasten. Der Verband forderte einen sofortigen Stopp neuer regulatorischer Pflichten.

Die Bundesregierung hat sich ihrerseits ambitionierte Ziele gesetzt: Sie beabsichtigt, Berichtspflichten um 30 Prozent zu senken, den Erfüllungsaufwand bis zum Ende der Legislaturperiode um mindestens 10 Milliarden Euro zu reduzieren und die Bürokratiekosten der Wirtschaft um 25 Prozent beziehungsweise 16 Milliarden Euro zu verringern.

Die bisherige Zwischenbilanz bleibt jedoch deutlich hinter den Plänen zurück. Wie aus dem Regierungsbericht zur Staatsmodernisierung 2026 vom 7. Oktober 2026 hervorgeht, konnten bislang lediglich rund 232 Millionen Euro an Einsparungen bei den Bürokratiekosten realisiert werden.

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