Bürokratie-Krise, Standortproblem

Bürokratie-Krise: 50% der Unternehmen sehen größtes Standortproblem

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine ifo-Umfrage zeigt: Für die Hälfte der Unternehmen ist Bürokratie das größte Standortproblem, während Investitionen und Wachstum gebremst werden.

Bürokratie belastet deutsche Unternehmen und bremst Investitionen
Stapel von unsortierten Papieren und Akten auf einem Schreibtisch als Symbol für bürokratischen Aufwand. Illustration mit AI erstellt.

Die Umsetzung steuerlicher und administrativer Vorgaben stellt Bürger wie Unternehmen regelmäßig vor erhebliche Herausforderungen. Wie schleppend solche Prozesse verlaufen können, zeigte sich exemplarisch bei der bundesweiten Reform der Grundsteuer.

Am 22. Dezember 2022 – rund einen Monat vor dem damaligen Fristende am 31. Januar 2023 – fehlte nach Angaben des Bundesfinanzministeriums und des Bayerischen Landesamts für Steuern noch rund die Hälfte der Grundsteuererklärungen.

Bis zu diesem Stichtag waren knapp 16 Millionen elektronische Erklärungen eingegangen, was einem Anteil von gut 44 Prozent entsprach. Die damaligen Verzögerungen spiegeln ein strukturelles Problem wider, das die deutsche Wirtschaft im September 2026 weiterhin intensiv beschäftigt: den hohen bürokratischen Aufwand.

Wirtschaft sieht in Regulierungen das größte Standortproblem

Die Belastungen durch administrative Auflagen und Regulierungsunsicherheiten belasten die Stimmung in den Unternehmen spürbar. Eine Konjunkturumfrage des ifo-Instituts ergab, dass 50 Prozent der Unternehmen die Bürokratie als größtes Standortproblem betrachten.

Erst mit deutlichem Abstand folgen Belastungen wie Energiekosten mit 27 Prozent und Arbeitskosten mit 22 Prozent. Nach weiteren Ergebnissen der ifo-Umfrage nannten 17 Prozent den Fachkräftemangel, 16 Prozent die politischen Rahmenbedingungen sowie jeweils 13 Prozent Steuern und Abgaben oder fehlende Planungssicherheit.

Bei Selbstständigen zeigte sich ein differenziertes Bild: Für diese Gruppe stellen neben anderen Aspekten die Unsicherheit und fehlende Planbarkeit mit 21 Prozent sowie Steuern und Abgaben mit 17 Prozent maßgebliche Faktoren dar. Klaus Wohlrabe vom ifo-Institut betonte, dass der bürokratische Aufwand wertvolles Personal binde und Investitionen verhindere.

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Die Belastung durch regulatorische Vorgaben nimmt laut der ifo-Erhebung mit der Unternehmensgröße zu. Während bei den Solo-Selbstständigen 33 Prozent Bürokratie als Hemmnis angaben, waren es bei den Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern 41 Prozent. Bei kleinen Betrieben lag der Wert bei 50 Prozent, bei mittleren Unternehmen bei 58 Prozent und bei großen Unternehmen schließlich bei 59 Prozent.

Branchenspezifisch klagt vor allem die Industrie: 55 Prozent der Industrieunternehmen sehen in der Bürokratie ein Standortproblem. Bei Dienstleistern sind es 46 Prozent, im Baugewerbe 45 Prozent. Zudem bereiten der Industrie die Energiekosten mit 39 Prozent Sorgen, verglichen mit lediglich 17 Prozent bei Dienstleistungen.

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Im Baugewerbe belasten darüber hinaus fehlende Fachkräfte mit 29 Prozent sowie langwierige Genehmigungen mit 13 Prozent das Geschäft. Im Handel wurde vor allem eine schwache Nachfrage von 25 Prozent der Betriebe genannt.

Alarmsignal aus der Elektro- und Digitalindustrie

Ähnlich deutliche Rückmeldungen lieferte das ZVEI-Entscheider-Panel der Elektro- und Digitalindustrie, das auf 101 Rückmeldungen basiert. Darin bezeichneten 85 Prozent der Befragten Bürokratie, Regulierungsunsicherheit und lange Genehmigungsverfahren als konkretes Investitionshemmnis.

Zudem stuften 75 Prozent Arbeitsmarktrestriktionen wie starre Arbeitszeiten und einen restriktiven Kündigungsschutz als Hemmnis ein. Hohe Lohnkosten nannten 57 Prozent, während Strom- und Energiekosten sowie Steuern und Abgaben von jeweils 53 Prozent als Hindernis aufgeführt wurden. ZVEI-Präsident Daniel Hager bezeichnete die Ergebnisse der Umfrage als Alarmsignal.

Zugleich sprachen sich 98 Prozent der im Panel befragten Entscheider für die heimische Entwicklung und Produktion von Schlüsseltechnologien wie Halbleitern und Batterien aus. Dabei befürworteten 51 Prozent diesen Schritt auch bei wirtschaftlichen Belastungen, während 46 Prozent dies bei überschaubaren Belastungen unterstützen würden. Auf europäischer Ebene forderten 60 Prozent der Befragten zudem schnellere EU-Anti-Dumping- und Anti-Subventionsverfahren.

Gedämpfte Dynamik im Gesamtwirtschaftsbild

Die Klagen über bürokratische Blockaden fallen in eine phase verhaltener gesamtwirtschaftlicher Entwicklung. In ihrem Monatsbericht stellte die Deutsche Bundesbank fest, dass das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2026 saisonbereinigt nur leicht expandiert. Unter anderem bremse das Niedrigwasser am Rhein die wirtschaftliche Aktivität. Für das vierte Quartal 2026 stellte die Notenbank hingegen ein stärkeres Wachstum in Aussicht.

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