GrĂŒnes Licht fĂŒr Euro-EinfĂŒhrung in Bulgarien
04.06.2025 - 13:15:38Das EU-Mitgliedsland erfĂŒlle die dafĂŒr notwendigen Kriterien, teilte die BrĂŒsseler Behörde mit. Bulgarien will seine LandeswĂ€hrung Lew (Deutsch: Löwe) zum 1. Januar 2026 mit dem Euro ersetzen.
Das Balkanland ist seit 2007 Mitglied der EuropÀischen Union und wÀre das 21. Land mit der GemeinschaftswÀhrung. Als bislang letztes Land war zum 1. Januar 2023 Kroatien in den Kreis der Eurostaaten aufgenommen worden.
EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den Euro als "ein greifbares Symbol der europĂ€ischen StĂ€rke und Einheit". Dank des Euro werde die bulgarische Wirtschaft stĂ€rker werden - mit mehr Handel mit den Partnern im Euroraum, auslĂ€ndischen Direktinvestitionen, Zugang zu Finanzmitteln, hochwertigen ArbeitsplĂ€tzen und Realeinkommen. In Bulgarien gibt es teils heftige Proteste gegen die EinfĂŒhrung des Euro.
EinfĂŒhrung bereits verschoben
Bulgarien gehört zu den Àrmeren EU-LÀndern und ist beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf der Bevölkerung auch 2024 EU-Schlusslicht - obwohl die Wachstumsraten höher waren als anderswo. VorlÀufigen Angaben von Eurostat zufolge lag die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung in Bulgarien im vergangenen Jahr um 34 Prozent unter dem EU-Durchschnitt.
Ein weiteres Land im gemeinsamen WĂ€hrungsraum erleichtert Handel und Reisen. Wer GeschĂ€fte macht oder investieren will, muss sich dann keine Sorgen mehr um Wechselkurse machen. Auch Touristen wĂŒrden profitieren, weil sie sich nach einem Euro-Beitritt Bulgariens keine LandeswĂ€hrung mehr besorgen mĂŒssen, was in der Regel mit Kosten verbunden ist.
UrsprĂŒnglich war die Euro-EinfĂŒhrung in Bulgarien fĂŒr Anfang 2024 geplant. Unter anderem wegen der damals vergleichsweise hohen Inflationsrate von 9,5 Prozent wurde der Beitritt verschoben. Aus Sicht der EU-Kommission war das Kriterium der PreisstabilitĂ€t nicht erfĂŒllt.
Alle EU-Mitgliedstaaten mit Ausnahme DĂ€nemarks sind nach den EU-VertrĂ€gen verpflichtet, dem Euro-WĂ€hrungsgebiet beizutreten, sobald sie die Voraussetzungen erfĂŒllen. AuĂer in Bulgarien steht die EinfĂŒhrung der GemeinschaftswĂ€hrung noch in Polen, RumĂ€nien, Schweden, Tschechien und Ungarn aus.
Bestimmte Kriterien mĂŒssen erfĂŒllt werden
FĂŒr den Euro-Beitritt mĂŒssen bestimmte Kriterien erfĂŒllt werden. Dazu gehören PreisstabilitĂ€t, solide öffentliche Finanzen und stabile Wechselkurse. Die Inflation zum Beispiel darf nicht aus dem Ruder laufen, damit der Wert des Geldes gewahrt und seine Kaufkraft erhalten bleibt.
Die Euro-Beitrittskandidaten mĂŒssen zudem nachweisen, dass sie ihre Staatsverschuldung im Griff haben. Und sie mĂŒssen dafĂŒr sorgen, dass der Wechselkurs ihrer LandeswĂ€hrung stabil bleibt, damit zum Beispiel Unternehmen vorausschauend planen können.
Die Fortschritte der Euro-Beitrittskandidaten bei diesen sogenannten Konvergenzkriterien werden regelmĂ€Ăig von der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) und der EU-Kommission ĂŒberprĂŒft. Ob ein Land bereit ist fĂŒr den Euro, entscheidet letztlich der Rat der EuropĂ€ischen Union. Vertreter aus allen EU-LĂ€ndern treffen diese Entscheidung auf Grundlage eines Vorschlags der EU-Kommission und nach Anhörung des EuropĂ€ischen Parlaments.
Auch grĂŒnes Licht von der EZB
Auch nach EinschĂ€tzung der EZB ist Bulgarien fit fĂŒr den Euro. Das Land habe seit 2024 gute Fortschritte bei den entscheidenden wirtschaftlichen Kennzahlen gemacht, die fĂŒr einen Beitritt zum WĂ€hrungsraum erfĂŒllt werden mĂŒssen. "Diese positive Bewertung der Konvergenz ebnet den Weg dafĂŒr, dass Bulgarien am 1. Januar 2026 den Euro einfĂŒhren und als 21. EU-Mitgliedstaat dem Euroraum beitreten kann", sagt EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane.
Um die wirtschaftliche Lage in dem Balkanland zu stabilisieren, halten die Euro-WĂ€hrungshĂŒter allerdings weitreichende Strukturreformen fĂŒr erforderlich. Dazu gehöre die Verpflichtung Bulgariens, Korruption weiter einzudĂ€mmen, ein unabhĂ€ngiges und effizientes Justizsystem zu gewĂ€hrleisten und das Bildungssystem zu verbessern. Wichtig sei auch, dass das Land seine Infrastruktur modernisiere, um das Produktionspotenzial zu steigern.
Proteste in Bulgarien
In Bulgarien wird die Debatte um die EinfĂŒhrung des Euro von heftigen Protesten begleitet. Erst am vergangenen Samstag demonstrierten AnhĂ€nger prorussischer und nationalistischer Parteien in der Hauptstadt Sofia und in anderen StĂ€dten. Sie fordern, dass die LandeswĂ€hrung Lew erhalten bleibt, da sie befĂŒrchten, dass der Euro die Preise in die Höhe treiben wird.
Im Februar entzĂŒndeten Nationalisten vor dem Eingang der EU-Vertretung in Sofia ein Feuer. Zudem gossen sie rote Farbe auf die glĂ€serne Fassade des GebĂ€udes, es flogen Molotow-Cocktails und Eier.
Die prorussische nationalistische Oppositionspartei Wasraschdane (Wiedergeburt) wirft den Behörden vor, Daten zu fĂ€lschen, um die EinfĂŒhrung des Euro zu ermöglichen. Mit der EinfĂŒhrung des Euro wĂŒrde Bulgarien seine nationale SouverĂ€nitĂ€t verlieren, beklagt die Partei.
Euro-Gegner fordern Referendum
Wasraschdane-Chef Kostadin Kostadinow verlangte eine Volksabstimmung ĂŒber den Erhalt der bulgarischen NationalwĂ€hrung Lew. 604.000 Unterschriften fĂŒr ein Referendum wurden gesammelt, doch das bulgarische Parlament lehnte zweimal eine Volksabstimmung zur WĂ€hrungsfrage ab - 2023 und im Mai 2025.
Bulgariens Bevölkerung ist Umfragen zufolge in der Euro-Frage in zwei Lager gespalten. Laut einer Meinungsumfrage des bulgarischen Instituts Mjara von 10. bis 13. Mai ist mehr als die HĂ€lfte der VolljĂ€hrigen (54,9 Prozent) gegen eine EinfĂŒhrung des Euro 2026. Gut ein Drittel (34,4 Prozent) befĂŒrwortet einen Beitritt zur Eurozone im kommenden Jahr.
Einer Umfrage des Instituts Gallup International Balkan in der zweiten Mai-HĂ€lfte zufolge sehen 33,4 Prozent "eher Nutzen" in einer EinfĂŒhrung des Euro. Dagegen befĂŒrchten 32,9 Prozent "eher Nachteile". 22,6 Prozent erwarten weder Vor- noch Nachteile.

