Spahn, Visier

Spahn im Visier - Lauterbach will teure Masken-Beschaffung aufklÀren

12.07.2024 - 16:23:24

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will die teuren MaskenkÀufe zu Beginn der Corona-Krise aufklÀren.

Er habe die ehemalige StaatssekretĂ€rin im Justiz- und im Verteidigungsministerium, Margaretha Sudhof (SPD), zur AufklĂ€rungsbeauftragten fĂŒr die MaskenvorgĂ€nge berufen, sagte Lauterbach der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Frau Sudhof soll die VersĂ€umnisse aus der letzten Legislatur grundlegend aufarbeiten und transparent machen", kĂŒndigte Lauterbach an. "Sie mistet jetzt aus, dabei geht sie in jeden Winkel." Innerhalb weniger Monate werde ihm die Juristin einen Bericht vorlegen, der auch personelle Konsequenzen nach sich ziehen könne.

Spahn rechtfertigt sich mit Notlage

In einer Aktuellen Stunde des Bundestags Ende Juni hatte der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das Vorgehen von 2020 gerechtfertigt: "Wir mussten in der Not entscheiden." Nachfolger Lauterbach sagte: "Wenn Fehler gemacht wurden, dann muss das auf den Tisch, und das scheint klar der Fall gewesen zu sein." So sei die Dokumentation zur Maskenbeschaffung hochproblematisch. Auch mĂŒsse geklĂ€rt werde, warum noch nach dem Beschaffungsstopp im sogenannten Open-House-Verfahren aufgrund zu hoher Lieferzusagen trotzdem weitere DirektvertrĂ€ge abgeschlossen wurden. In einem Open-House-Verfahren schließt ein öffentlicher Auftraggeber mit allen Bietern einen Vertrag ab.

Lauterbach sagte, den hohen Einkaufspreis von 4,50 Euro je Maske habe nach jetziger Erkenntnis sein VorgĂ€nger Spahn festgelegt. Er kĂŒndigte an, diesen Verdacht gegen Spahn aufzuklĂ€ren: "Dazu werden die Akten jetzt ebenfalls gesichert, archiviert und ausgewertet." Spahn habe auch den mĂŒnsterlĂ€ndischen Logistiker Fiege empfohlen. Der Sitz dieses Unternehmens liegt in dessen Wahlkreis. "Es wirft natĂŒrlich Fragen auf, wenn ein Unternehmen aus der Region des Ministers ausgewĂ€hlt wird, das nicht gerade ein Weltkonzern ist."

Streit um 2,3 Milliarden Euro

Lauterbach lehnte einen Vergleich mit klagenden Maskenlieferanten ab, die dem Ministerium vorwerfen, nicht gezahlt und die VertrĂ€ge gebrochen zu haben. Man prĂŒfe, vor den Bundesgerichtshof zu ziehen, sagte er. Aus schwelenden StreitfĂ€llen um Masken-Lieferungen sind noch in etwa 100 FĂ€llen Klagen mit einem Streitwert von insgesamt 2,3 Milliarden Euro anhĂ€ngig.

In der Aktuellen Stunde hatten etwa die GrĂŒnen eine Aufarbeitung des Einsatzes von Steuergeldern in Milliardenhöhe "fĂŒr windige VertrĂ€ge" gefordert. Der FDP-Haushaltspolitiker Karsten Klein sagte, es gehe jetzt darum, Risiken aus einer Überbeschaffung zu minimieren, die in Verantwortung der CDU entstanden seien. Die FDP fordert eine Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Corona-Politik. Spahn sagte, man habe nach der Devise gehandelt: "Haben ist besser als brauchen." Der heutige Kanzler Olaf Scholz (SPD) sei als Finanzminister auch eingebunden gewesen und habe zu Recht das Geld zur VerfĂŒgung gestellt.

@ dpa.de