Scholz will bei USA-Reise 'klares Signal an Putin' senden
08.02.2024 - 14:50:53Was die amerikanischen und europĂ€ischen VerbĂŒndeten bisher zugesagt hĂ€tten, sei nicht genug, mahnte er am Donnerstag unmittelbar vor seinem Abflug nach Washington. Dort wird er am Freitag US-PrĂ€sident Joe Biden treffen. "Wir mĂŒssen also einen Weg erreichen, wie wir alle zusammen mehr tun."
Es sei notwendig, jetzt ein "sehr klares Signal" an den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin zu senden betonte Scholz. "Das Signal nĂ€mlich, dass er nicht darauf rechnen kann, dass unsere UnterstĂŒtzung nachlĂ€sst." Er fĂŒgte hinzu: "Sie wird lange genug andauern, und sie wird groĂ genug sein."
"Air Force One" nicht verfĂŒgbar - Tankstopp in Island
Scholz startete unmittelbar nach diesen Worten Richtung Washington. FĂŒr die Anreise war diesmal deutlich mehr Zeit angesetzt als sonst, weil die einzige funktionstĂŒchtige "Air Force One" vom Typ A350 gerade mit dem BundesprĂ€sidenten in der Mongolei unterwegs ist. Mit der kleineren, Ă€lteren und leistungsschwĂ€cheren A321 wurde ein Zwischenstopp in Island nötig.
DĂ€mpfer vor dem Abflug: US-Senat lehnt Hilfspaket ab
Es ist der dritte Besuch des Kanzlers in der US-Hauptstadt seit seinem Amtsantritt vor gut zwei Jahren. Die unverminderte Fortsetzung der MilitĂ€rhilfe fĂŒr die Ukraine wird dabei das Hauptthema sein. Kurz vor seinem Abflug gab es dafĂŒr einen deutlichen DĂ€mpfer. Der US-Senat lehnte ein Paket mit Milliarden fĂŒr den Grenzschutz, aber auch fĂŒr die UnterstĂŒtzung Israels im Gaza-Krieg und der Ukraine im Kampf gegen Russland ab. Darin waren rund 60 Milliarden US-Dollar (knapp 56 Milliarden Euro) zusĂ€tzliche Hilfen vorgesehen, die jetzt auf Eis liegen.
Es zeichnete sich bereits zuvor ab, dass das parteiĂŒbergreifend ausgehandelte Gesetzespaket keine Mehrheit findet. Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump hatte zuvor Stimmung gegen die Einigung gemacht.
Die bisher genehmigte US-UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine ist Ende vergangenen Jahres ausgelaufen. Ende Dezember kĂŒndigte das Pentagon das vorerst letzte MilitĂ€rhilfepaket fĂŒr die Ukraine an.
PrĂ€sident Biden beantragte schon vor Monaten neues Geld fĂŒr Kiew beim Parlament, doch die Republikaner von Trump blockieren. Ein Ende der HĂ€ngepartie ist weiterhin nicht in Sicht. Die bisher bewilligten Mittel sind inzwischen weitgehend aufgebraucht, und alle Appelle des PrĂ€sidenten, wie sehr Kiew auf US-Hilfen angewiesen sei, liefen bisher ins Leere.
Scholz warnt vor gröĂerer Bedrohung als im Kalten Krieg
Scholz hat seinerseits Probleme, die EU-Partner dazu zu bringen, mehr fĂŒr die Ukraine zu tun. Deutschland ist in der EuropĂ€ischen Union der mit Abstand wichtigste Waffenlieferant der Ukraine. Scholz beziffert die bisher geleistete und bereits zugesagte MilitĂ€rhilfe auf mehr als 30 Milliarden Euro. Damit liegt Deutschland aber noch weit hinter den USA, das den Umfang seiner geleisteten und zugesagten Hilfe mit 44 Milliarden US-Dollar (rund 41 Milliarden Euro) angibt.
In einem Gastbeitrag fĂŒr das "Wall Street Journal" beschrieb Scholz die Situation mit deutlichen Worten. "Wir mĂŒssen unser Möglichstes tun, um zu verhindern, dass Russland siegt", schrieb er. "Wenn wir das nicht tun, könnten wir bald in einer Welt aufwachen, die noch instabiler, bedrohlicher und unberechenbarer ist als wĂ€hrend des Kalten Krieges."
Ein russischer Sieg in der Ukraine wĂŒrde auch das Gesicht Europas dramatisch verĂ€ndern und wĂ€re ein schwerer Schlag fĂŒr die liberale Weltordnung. "Russlands brutaler Versuch, sich mit Gewalt ein Gebiet anzueignen, könnte anderen Autokraten rund um den Globus als Vorbild dienen. Weitere LĂ€nder wĂŒrden Gefahr laufen, einem nahen Raubtier zum Opfer zu fallen", schrieb Scholz.
Nahost: Gaza-Krieg, Rotes Meer und Iran
Es gibt aber auch noch andere Themen beim Scholz-Besuch in Washington als den Ukraine-Krieg. Zwei Stunden vor dem Abflug des Kanzlers nach Washington stach am Donnerstag die Bundeswehr-Fregatte "Hessen" von Wilhelmshaven aus in See, um sich im Roten Meer am Schutz von Handelsschiffen gegen Angriffe der vom Iran unterstĂŒtzten Huthi-Miliz zu beteiligen. Um diese Mission wird es in dem GesprĂ€ch mit Biden ebenso gehen, wie um die Gefahr eines FlĂ€chenbrands im Nahen Osten insgesamt. Die Angst davor hat durch die Drohnen- und Raketenattacken auf US-Stellungen in der Region und durch die Gegenangriffe der Amerikaner auf proiranische Milizen zuletzt deutlich zugenommen.
Biden hat dabei einen schwierigen Balanceakt zu bewĂ€ltigen: Er muss die von Teheran unterstĂŒtzten KrĂ€fte in der Region abschrecken, ohne dabei noch hĂ€rtere Reaktionen zu provozieren. Er muss StĂ€rke zu zeigen, ohne die Lage im Nahen Osten komplett zu eskalieren und einen Krieg mit dem Iran zu riskieren. Noch muss sich zeigen, wie der Iran und dessen verbĂŒndeten Milizen auf die jĂŒngsten US-Luftangriffe reagieren. Klar ist bislang nur, dass von amerikanischer Seite weitere MilitĂ€raktionen kommen werden.
Scholz und Biden dĂŒrften bei ihrem GesprĂ€ch den Blick auch in die Zukunft richten: Wie geht es nach dem Gaza-Krieg weiter mit Israel und den PalĂ€stinensern? Beide befĂŒrworten eine Zwei-Staaten-Lösung. Aber welcher Weg dahin fĂŒhren könnte, steht in den Sternen.
Nato: Vorbereitung des JubilÀumsgipfels
Und dann gibt es da noch den Nato-JubilĂ€umsgipfel, zu dem Scholz im Juli in die US-Hauptstadt zurĂŒckkehren wird. Das BĂŒndnis wird 75 Jahre alt und will seine Verteidigungsbereitschaft auch fĂŒr die Zukunft sicherstellen. Scholz möchte da selbstbewusst auftreten: Erstmals seit mehr als 30 Jahren will Deutschland in diesem Jahr mehr als zwei Prozent seiner Wirtschaftskraft fĂŒr Verteidigung ausgeben. Man sei "da jetzt ja vorne dabei", sagte er vor dem Abflug. AuĂerdem gelten die Kampfbrigade in Litauen, die Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gerade aufstellt, und das von Deutschland initiierte europĂ€ische Raketenschild als Vorzeigeprojekte in der Nato.
Dass die MilitĂ€r-Allianz ausgerechnet vier Monate vor der nĂ€chsten US-PrĂ€sidentenwahl in der amerikanischen Hauptstadt ihr JubilĂ€um begeht, entbehrt nicht einer gewissen Dramatik. Denn bislang deutet alles darauf hin, dass Ex-PrĂ€sident Trump den Amtsinhaber Biden bei der Wahl herausfordern dĂŒrfte. Und ebendieser Donald Trump stellte wĂ€hrend seiner Amtszeit die Zukunft der gesamten Nato infrage.
Trump: Der Elefant im Raum
Seine mögliche RĂŒckkehr an die Macht ist ein Thema, das zwar nicht auf der offiziellen Agenda der Reise des Kanzlers steht, Scholz aber trotzdem begleiten wird: Was ist, wenn Trump nach der Wahl am 5. November tatsĂ€chlich wieder ins WeiĂe Haus einziehen sollte? Der Kanzler wird Trump zwar nicht treffen. Das wurde auch gar nicht erst erwogen. Scholz wollte aber versuchen, sich bei einem Dinner mit Kongressabgeordneten am Donnerstagabend ein Bild davon zu machen, wie die Stimmung in Trumps Partei ist. Zu dem Essen sind Vertreter der Republikaner ebenso eingeladen wie Abgeordnete der Demokratischen Partei von Biden.
Auch wenn der Vorwahlkampf in den USA nicht vorbei ist, stellt sich Bidens Wahlkampfteam bereits fest darauf ein, dass Trump PrĂ€sidentschaftskandidat der Republikaner wird. Biden warnt vor seinem erwarteten Herausforderer, wo er kann - und davor, was dem Land und der Welt in einer zweiten Trump-Amtszeit blĂŒhen wĂŒrde. Die Beliebtheitswerte des Ă€ltesten PrĂ€sidenten aller Zeiten sind allerdings wenig erbaulich, und Umfragen sagen ein knappes Rennen zwischen Biden und Trump voraus - falls es dazu kommt.

