ROUNDUP, Scholz

Scholz will Ukraine keine weitreichenden Waffen geben

24.09.2024 - 06:35:51

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat unmittelbar vor seinem Treffen mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj bekrĂ€ftigt, dass er die Regeln fĂŒr den Einsatz deutscher Waffen im ukrainischen Abwehrkampf gegen Russland nicht weiter lockern will.

Die Bundesregierung habe mit Blick auf die militĂ€rische UnterstĂŒtzung der Ukraine "ein paar Entscheidungen" getroffen, "die fĂŒr mich sehr klar sind", sagte der SPD-Politiker. Dazu gehöre auch, dass Deutschland ReichweitenbeschrĂ€nkungen nicht aufheben werde. "Das ist mit meiner persönlichen Haltung nicht vereinbar. (...) Wir werden das nicht machen. Und dafĂŒr haben wir gute GrĂŒnde."

Selenskyj bittet die VerbĂŒndeten immer wieder um weitreichende Waffen, um russische Logistik und MilitĂ€rflugplĂ€tze der Luftwaffe weit hinter der Frontlinie auch auf russischem Territorium angreifen zu können. Die weitreichendste von Deutschland gelieferte Waffe ist der Raketenwerfer Mars II, der Ziele in 84 Kilometern Entfernung treffen kann. FĂŒr ein begrenztes Gebiet rund um Charkiw hat die Bundesregierung den Einsatz dieser Waffe oder auch der Panzerhaubitze 2000 mit einer Reichweite von 56 Kilometern auch gegen Ziele auf russischem Boden erlaubt.

Scholz befĂŒrchtet "große Eskalationsgefahr"

Die Lieferung weitreichender PrĂ€zisionswaffen an die Ukraine hat Scholz auch fĂŒr die Zukunft und unabhĂ€ngig von Entscheidungen der BĂŒndnispartner ausgeschlossen. Erst kĂŒrzlich bekrĂ€ftigte er sein Nein zur Lieferung der Marschflugkörper Taurus mit einer Reichweite von der Ukraine bis nach Moskau (etwa 500 Kilometer) mit der BegrĂŒndung, dass das "eine große Eskalationsgefahr" mit sich bringen wĂŒrde.

Die Nato-Partner USA, Großbritannien und Frankreich haben Marschflugkörper mit Reichweiten bis zu 300 Kilometern geliefert. Derzeit lĂ€uft eine Diskussion darĂŒber, ob der Einsatz dieser Waffen gegen Ziele auf russischem Territorium grundsĂ€tzlich erlaubt werden soll. Es wird erwartet, dass Selenskyj diese Woche bei seinem Besuch in Washington mit US-PrĂ€sident Joe Biden darĂŒber sprechen wird.

Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin hat erklĂ€rt, dass er den Einsatz weitreichender westlicher PrĂ€zisionswaffen gegen Ziele tief auf russischem Territorium als Kriegsbeteiligung der Nato werten wĂŒrde.

Selenskyj bedankt sich bei Deutschland

Der ukrainische PrĂ€sident stellte das Treffen mit Scholz trotz der Abfuhr bei den Raketen positiv dar. Er danke Deutschland fĂŒr die Hilfe, schrieb er auf seinem Telegramkanal. Dabei nannte er vor allem Berlins Beitrag zur Friedenskonferenz in der Schweiz, der nach dem Wunsch Selenskyjs noch in diesem Herbst eine zweite folgen soll. Auf Scholz' Absage zu den Raketenlieferungen ging er nicht explizit ein, mahnte nur allgemein dazu, Einigkeit zu demonstrieren. "Zusammen haben wir Tausende Leben gerettet und können ganz Europa sicher mehr StĂ€rke und Sicherheit geben", schrieb er nach dem Treffen.

Kiew nennt Lage im Osten der Ukraine angespannt

Trotz des deutschen Nein setzt Kiew weiter auf die Freigabe der Waffen durch andere Partner. Mit diesen Waffen will die Ukraine vor allem russische Flugzeuge noch am Boden bekÀmpfen, ehe sie Verteidigungsstellungen, aber auch StÀdte in der Ukraine bombardieren.

So steht das ukrainische MilitĂ€r nach eigenen Angaben im Osten des Landes weiter unter Druck. "Die Lage im Raum Pokrowsk und Kurachowe bleibt angespannt", teilte der Generalstab in Kiew in seinem abendlichen Lagebericht mit. Von den insgesamt 125 russischen Angriffen entlang der Front seien mehr als 50 in diesem Abschnitt gefĂŒhrt worden. "Die Hauptanstrengungen hat der Feind Richtung Pokrowsk unternommen", prĂ€zisierte die ukrainische MilitĂ€rfĂŒhrung.

WĂ€hrend den Ukrainern selbst von unabhĂ€ngigen Beobachtern bescheinigt wird, den Vormarsch der Russen auf das strategisch wichtige Pokrowsk abgebremst zu haben, bleibt die Lage vor dem weiter sĂŒdlich gelegenen Kurachowe gefĂ€hrlich fĂŒr die Verteidiger. Durch VorstĂ¶ĂŸe russischer Truppen nahe der Bergarbeiterstadt Hirnyk droht dort mehreren Einheiten die Einkesselung.

Eine Ă€hnliche Umgehung der Verteidigungsstellungen deutet sich auch noch weiter sĂŒdlich nahe der Stadt Wuhledar an, die die Russen in der Vergangenheit vergeblich durch frontale Sturmangriffe einzunehmen suchten.

Russische Angriffe aus der Luft

Am Abend und in der Nacht startete Russland zudem weitere Angriffe auf das ukrainische Hinterland. Luftalarm gab es in mehreren ukrainischen Regionen. Im sĂŒdukrainischen Gebiet Saporischschja wurde nach Behördenangaben ein Objekt der kritischen Infrastruktur getroffen. Zudem sei ein Geschoss in einem Wohnhaus eingeschlagen, eine Person sei ums Leben gekommen, zwei weitere seien verletzt worden, schrieb der MilitĂ€rgouverneur von Saporischschja, Iwan Fjodorow.

@ dpa.de