Bundesrechnungshof sieht bis 2030 Haushaltslücke von 108 Milliarden
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBundestag soll Haushaltslücke prüfen
- Der Bundesrechnungshof verschickte ein 58-seitiges Gutachten unter anderem an den Haushaltsausschuss.
- Für 2027 prognostizieren die Prüfer eine Lücke von 28,9 Prozent.
- Bis 2030 soll das Defizit in den Planungen auf 31,2 Prozent steigen.
- Der Bundestag soll die Bundesregierung beim Abbau des Konsolidierungsdrucks in die Pflicht nehmen.
Bundesrechnungshof sieht Haushaltslücke von 108 Milliarden Euro
Der Bundesrechnungshof kritisiert in einem neuen Gutachten die Haushaltspolitik der Bundesregierung und wirft Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) eine fahrlässige Schuldenpolitik vor. Nach dem 58-seitigen Papier wächst die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben bis 2030 auf 31,2 Prozent.
Ausgaben steigen schneller als Einnahmen
Das Gutachten wurde unter anderem an den Haushaltsausschuss des Bundestags verschickt. Darin warnen die Prüfer, dass das Loch zwischen Einnahmen und Ausgaben weiter wächst.
Für 2027 veranschlagen sie einen Anstieg der Lücke um 2,7 auf 28,9 Prozent. Bis 2030 soll das Loch auf 31,2 Prozent steigen, weil die Ausgaben deutlich schneller zunehmen als die Einnahmen.
Bundestag soll Bundesregierung in die Pflicht nehmen
Die Prüfer beziffern die Lücke in den Haushaltsplanungen bis 2030 derzeit auf 108 Milliarden Euro. Sie sehen deshalb einen bleibenden Konsolidierungsdruck.
Der Deutsche Bundestag sollte die Bundesregierung hierzu in die Pflicht nehmen, heißt es in dem Gutachten.
Das Gutachten trifft auf eine Haushaltsplanung, in der der Bund zugleich hohe Ausgaben finanzieren und die Einnahmeseite stabilisieren muss. Eine wachsende Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben erhöht den Druck, Prioritäten zu setzen, Ausgaben zu begrenzen oder zusätzliche Einnahmen zu erschließen.
Die vom Bundesrechnungshof genannte Lücke von 108 Milliarden Euro bis 2030 beschreibt dabei keinen einzelnen Fehlbetrag in einem Haushaltsjahr, sondern den bestehenden Konsolidierungsbedarf in den Planungen. Steigen die Ausgaben dauerhaft schneller als die Einnahmen, werden finanzpolitische Spielräume kleiner. Das kann Investitionen, Sozialleistungen und andere staatliche Vorhaben gleichermaßen betreffen.
Haushaltsstreit mit Folgen
Für den Bundestag verschiebt sich damit die Aufgabe von der jährlichen Haushaltsberatung hin zu einer mehrjährigen Kontrolle der Finanzplanung. Besonders relevant ist, ob die Bundesregierung die Lücke durch Einsparungen, Umschichtungen, höhere Einnahmen oder zusätzliche Verschuldung schließen will. Jede dieser Optionen hat wirtschaftliche und politische Nebenwirkungen.
Die Debatte fällt zudem in eine Phase, in der Klingbeil öffentlich auf Wachstumsimpulse für Deutschland setzt. Wachstum kann die Einnahmen verbessern, ersetzt aber keine belastbare Konsolidierungsstrategie, wenn die Ausgaben strukturell schneller steigen. Für Bürger und Unternehmen bleibt entscheidend, welche Maßnahmen letztlich beschlossen werden und ob sie Steuern, staatliche Leistungen oder öffentliche Investitionen verändern.
