Gasspeicher, Bundesregierung

Bundesregierung verfehlt vor Winter eigene Ziele bei Gasspeichern

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 20:16 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Mehrere deutsche Gasspeicher erreichen vor Beginn der Heizsaison nicht die von der Bundesregierung vorgegebenen FĂŒllstĂ€nde. GrĂŒnen-Politiker Michael Kellner wirft Wirtschaftsministerin Katherina Reiche schwere VersĂ€umnisse und eine riskante AbhĂ€ngigkeit von US-FlĂŒssiggas vor.

Bundesregierung verfehlt Gasspeicher-Ziele vor dem Winter
Gasspeicher (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Bundesregierung verfehlt vor dem kommenden Winter ihre eigenen Vorgaben fĂŒr die BefĂŒllung mehrerer deutscher Gasspeicher. Nach einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der GrĂŒnen-Bundestagsfraktion ist bei mehreren Speichern das Erreichen der vorgeschriebenen FĂŒllstĂ€nde aufgrund des niedrigen FĂŒllstands „technisch nicht mehr möglich“.

Porenspeicher bleiben hinter Zielmarken zurĂŒck

Besonders betroffen sind nach Regierungsangaben Porenspeicher, die nur langsam befĂŒllt werden können. Genannt werden dabei die Speicher Wolfersberg, Frankenthal, Inzenham-West und Breitbrunn. FĂŒr diese Anlagen rĂ€umt die Bundesregierung ein, dass die vorgegebenen ZielstĂ€nde vor Beginn der Heizperiode nicht mehr erreicht werden können.

Die EinschĂ€tzung des Ministeriums geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der GrĂŒnen hervor, ĂŒber die das Portal T-Online berichtet. Damit wird erstmals offiziell bestĂ€tigt, dass die vor der Heizsaison gesetzten Speicherziele im Gasbereich in Teilen unterschritten werden.

Kellner spricht von „schweren VersĂ€umnissen“

Der GrĂŒnen-Energiepolitiker Michael Kellner kritisiert Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) scharf. „Die Bundesregierung verfehlt ihre eigenen Speicherziele, das gibt sie jetzt erstmals zu. Sie hat viel zu lange gezögert“, sagte er T-Online. Nun mĂŒsse man sich „durch den Winter zittern“ und darauf hoffen, dass dieser nicht zu kalt werde.

Kellner warnt vor weitreichenden wirtschaftlichen Folgen der niedrigen SpeicherstĂ€nde. Es gehe nicht um eine einfache Zielmarke, sondern um die „Grundfesten unserer Volkswirtschaft“. Hohe Gaspreise könnten die Industrie treffen, die Produktion drosseln und mit Verzögerung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen. Volle Speicher seien der notwendige Sicherheitspuffer, der nun fehle.

Vorwurf des riskanten Spiels mit US-LNG

Zugleich nimmt Kellner Reiche persönlich in die Verantwortung und verweist auf ihren Amtseid. Mit Blick auf die Gasspeicher spricht er von einem „fahrlĂ€ssigen“ Umgang mit Risiken fĂŒr das Land. Die Ministerin „zocke“ darauf, dass der Winter mild bleibe, die Preise nicht weiter steigen und die USA beziehungsweise Donald Trump weiterhin liefern.

Besonders kritisch bewertet der GrĂŒnen-Politiker die stark gestiegene Bedeutung von FlĂŒssiggas aus den USA. Nahezu sĂ€mtliche LNG-Importe nach Deutschland stammen seinen Angaben zufolge aus den Vereinigten Staaten. Dadurch habe sich Deutschland in eine „enorme AbhĂ€ngigkeit“ begeben. Kellner sagt: „Wir sind von Donald Trump erpressbar.“ Nach der AbhĂ€ngigkeit von Russland drohe nun die nĂ€chste AbhĂ€ngigkeit.

Forderung nach Gaskrisengipfel und Einspeicherpflicht

Angesichts der Lage verlangt Kellner einen „Gaskrisengipfel“ mit Speicherbetreibern, GashĂ€ndlern und weiteren Marktakteuren. Die Bundesregierung mĂŒsse diese Akteure an einen Tisch bringen, um sicherzustellen, dass tatsĂ€chlich Gas eingespeichert werde und SpeicherkapazitĂ€ten nicht nur auf dem Papier gebucht blieben.

DarĂŒber hinaus fordert der GrĂŒnen-Politiker eine Einspeicherverpflichtung. Bei den Speicherregeln mĂŒsse die Regierung nachsteuern, so Kellner. Wer GasspeicherkapazitĂ€ten buche, solle kĂŒnftig verpflichtet werden, diese auch mit physischem Gas zu fĂŒllen, damit die Speicherziele im Vorfeld der Heizsaison verlĂ€sslich erreicht werden.

Die dts-Meldung macht deutlich, dass die Bundesregierung ihre eigenen Zielvorgaben fĂŒr die FĂŒllstĂ€nde mehrerer Gasspeicher vor Beginn der Heizperiode nicht erreichen wird. Das ist besonders heikel, weil Gasspeicher eine zentrale Rolle fĂŒr die Versorgungssicherheit und stabile Preise im Winter spielen. Je niedriger die FĂŒllstĂ€nde, desto anfĂ€lliger ist das System fĂŒr KĂ€ltewellen, Lieferunterbrechungen oder PreissprĂŒnge an den GroßhandelsmĂ€rkten.

Versorgungssicherheit und Preisrisiken

Porenspeicher wie Wolfersberg, Frankenthal, Inzenham-West und Breitbrunn sind technisch auf langsame BefĂŒllung ausgelegt. Wenn hier, wie von der Bundesregierung eingerĂ€umt, das Erreichen der ZielstĂ€nde „technisch nicht mehr möglich“ ist, reduziert das den Gesamtpuffer im System. Ein knapper Puffer erhöht das Risiko, dass bei kalten Perioden kurzfristig auf teurere Spotmarkt-Mengen zurĂŒckgegriffen werden muss. Das kann sich schrittweise auf die Industrieproduktion und die Endkundenpreise auswirken.

Politische Verantwortung und US-AbhÀngigkeit

Politisch brisant ist die persönliche Verantwortung, die der GrĂŒnen-Politiker Michael Kellner der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche zuschreibt. Seine Kritik zielt auf ein zu spĂ€tes Handeln und das Vertrauen auf einen milden Winter statt auf strukturelle Vorsorge. Hinzu kommt die starke AbhĂ€ngigkeit von US-FlĂŒssiggas. Wenn nahezu alle LNG-Importe aus den USA stammen, sind deutsche SpeicherstĂ€nde und Gaspreise mittelbar von politischen Entscheidungen in Washington abhĂ€ngig. Gerade mit Blick auf mögliche Kurswechsel in der US-Politik warnt Kellner vor einer neuen Form der Verwundbarkeit.

Regelwerk und mögliche Gegenmaßnahmen

Mit der Forderung nach einem „Gaskrisengipfel“ und einer Einspeicherverpflichtung fĂŒr Unternehmen adressiert Kellner eine zentrale Systemfrage: Reicht es, KapazitĂ€ten zu buchen, oder mĂŒssen diese buchbaren KapazitĂ€ten auch verbindlich mit physischem Gas hinterlegt werden? Eine Einspeicherpflicht wĂŒrde Marktakteure stĂ€rker in die Verantwortung nehmen, könnte aber zugleich Eingriffe in bestehende GeschĂ€ftsmodelle und Marktmechanismen bedeuten. FĂŒr Verbraucherinnen und Verbraucher steht im Kern die Frage, ob Politik und Branche den Puffer rechtzeitig stĂ€rken, um sprunghafte Preissteigerungen und Versorgungsrisiken im Winter zu begrenzen.

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