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Venezuelas Opposition erhöht Druck - MilitĂ€r stĂŒtzt Maduro

31.07.2024 - 16:03:38

CARACAS - Nach der umstrittenen PrĂ€sidentenwahl in Venezuela kĂ€mpft die Opposition weiter fĂŒr einen Machtwechsel und einen RĂŒckzug des autoritĂ€ren PrĂ€sidenten NicolĂĄs Maduro.

(neu: Peru, Carter Center, Borrell)

CARACAS (dpa-AFX) - Nach der umstrittenen PrĂ€sidentenwahl in Venezuela kĂ€mpft die Opposition weiter fĂŒr einen Machtwechsel und einen RĂŒckzug des autoritĂ€ren PrĂ€sidenten NicolĂĄs Maduro. Dieser kann unverĂ€ndert auf den RĂŒckhalt des MilitĂ€rs zĂ€hlen, das ihm LoyalitĂ€t zusicherte. Tausende Regierungsgegner gingen am Dienstag (Ortszeit) in der Hauptstadt Caracas auf die Straße und protestierten gegen das aus ihrer Sicht manipulierte offizielle Wahlergebnis, das den seit 2013 regierenden Staatschef als Sieger ausweist.

Die Demonstranten skandierten "Wir haben keine Angst" und bejubelten ihren PrÀsidentschaftskandidaten Edmundo Gonzålez Urrutia. Bei den Protesten kamen nach Angaben von regierungsunabhÀngigen Organisationen landesweit bislang mindestens elf Demonstranten ums Leben. Hunderte wurden nach offiziellen Zahlen festgenommen.

Die StreitkrĂ€fte, die in dem sĂŒdamerikanischen Land ein wichtiger Machtfaktor sind, sicherten Maduro unterdessen ihre UnterstĂŒtzung zu. "Wir bekrĂ€ftigen die absolute LoyalitĂ€t und bedingungslose UnterstĂŒtzung fĂŒr den BĂŒrger NicolĂĄs Maduro Moros, den verfassungsmĂ€ĂŸigen PrĂ€sidenten der Bolivarischen Republik Venezuela, unseren Oberbefehlshaber (...)", sagte Verteidigungsminister Vladimir Padrino LĂłpez. Das MilitĂ€r werde notfalls "schlagkrĂ€ftig" vorgehen, um die Ordnung im Land aufrechtzuerhalten.

OppositionsfĂŒhrerin: Wahlergebnis nicht verhandelbar

"Wir haben es mit einem Staatsstreich zu tun, der von den faschistischen KrĂ€ften der extremen Rechten mit UnterstĂŒtzung der imperialen KrĂ€fte, des US-Imperialismus, angezettelt wurde", sagte Padrino weiter. "Wir werden diesen Staatsstreich vereiteln." Schon bei frĂŒheren Protesten konnte Maduro sich auf das MilitĂ€r verlassen.

In Caracas rief OppositionsfĂŒhrerin MarĂ­a Corina Machado ihren AnhĂ€ngern zu, das wahre Ergebnis der Wahl sei eindeutig und nicht verhandelbar. "Das Einzige, ĂŒber das wir zu verhandeln bereit sind, ist eine friedliche MachtĂŒbergabe." Die Opposition hat nach eigenen Angaben Zugang zu ĂŒber 80 Prozent der detaillierten Wahlergebnisse aus den einzelnen Stimmbezirken, die der Nationale Wahlrat bislang nicht veröffentlicht hat. Demnach soll GonzĂĄlez auf 67 Prozent der Stimmen und Maduro auf 30 Prozent kommen.

Nach der PrĂ€sidentenwahl am Sonntag hatte die regierungstreue Wahlbehörde Maduro offiziell zum Sieger erklĂ€rt. Die Opposition wirft der Regierung WahlfĂ€lschung vor. Auch die USA, die EU und eine Reihe lateinamerikanischer LĂ€nder zweifeln das offizielle Wahlergebnis an. Die Organisation Amerikanischer Staaten erkennt Maduros Wiederwahl nicht an und setzte fĂŒr Mittwoch eine Dringlichkeitssitzung des StĂ€ndigen Rats zur Lage in Venezuela an.

Venezuela brach die diplomatischen Beziehungen zu Peru ab, nachdem das sĂŒdamerikanische Land den Oppositionskandidaten GonzĂĄlez als Wahlsieger anerkannt hatte.

Die Wahlbeobachter des Carter Center stellten Venezuela ein vernichtendes Zeugnis aus. "Die PrĂ€sidentenwahl hat nicht internationalen Standards genĂŒgt und kann nicht als demokratisch angesehen werden", hieß es in einer Mitteilung der Nichtregierungsorganisation.

Mindestens elf Demonstranten getötet

Bei Protesten gegen das Wahlergebnis kamen laut der regierungsunabhÀngigen Organisation Foro Penal bislang mindestens elf Demonstranten ums Leben, darunter zwei Jugendliche. Zudem wurde nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft ein Polizist getötet.

Im ganzen Land seien 749 Demonstranten festgenommen worden, sagte Generalstaatsanwalt Tarek William Saab. Sie hĂ€tten unter anderem Polizeiwachen, BĂŒros des Wahlamtes, RathĂ€user und KrankenhĂ€user angegriffen. Ihnen werde Terrorismus, Aufstachelung zum Hass und die Blockade öffentlicher Straßen vorgeworfen.

Angesichts des harten Vorgehens der SicherheitskrĂ€fte gegen Demonstranten nach der umstrittenen PrĂ€sidentenwahl in Venezuela forderte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell ein Ende der Repression. "Die Regierung in Venezuela sollte die Festnahmen, die UnterdrĂŒckung und die gewalttĂ€tige Rhetorik gegen die Opposition beenden", schrieb der Chefdiplomat der EuropĂ€ischen Union auf X. "Die Behörden und SicherheitskrĂ€fte mĂŒssen den Respekt vor den Menschenrechten garantieren."

Venezuela steckt seit Jahren in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. In dem einstmals wohlhabenden Land mit großen Erdölvorkommen leben mehr als 80 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Immer wieder kommt es zu StromausfĂ€llen, Benzin, Gas und Medikamente sind knapp. Mehr als sieben Millionen Menschen - ein Viertel der Bevölkerung - haben Venezuela in den vergangenen zehn Jahren wegen Armut und Gewalt verlassen.

@ dpa.de