Chemieindustrie 2026: VCI korrigiert Prognose auf -1,5% Produktion
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 22:25 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Daten von BranchenverbÀnden und Wirtschaftsforschern zeigen: Hohe Energiekosten, anhaltende Inflation und schwache Investitionen belasten die Unternehmen massiv.
Chemieindustrie rutscht in den RĂŒckgang
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat seine Prognose fĂŒr 2026 nach unten korrigiert. Statt einer Stagnation rechnet der Verband nun mit einem ProduktionsrĂŒckgang von 1,5 Prozent. In der ersten JahreshĂ€lfte sank die Produktion bereits um 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz fiel um ein Prozent auf 106 Milliarden Euro.
Besonders alarmierend: Die Investitionen liegen 15 Prozent unter dem Niveau von 2023. âDas ist nur eine Atempause, keine Trendwendeâ, warnt VCI-PrĂ€sident Markus Steilemann. Eine Umfrage zeigt: 86 Prozent der Unternehmen sehen die hohen Kosten als gröĂtes Hindernis. Die Folge: 45 Prozent der Betriebe fahren ihre Inlandsinvestitionen zurĂŒck, 40 Prozent investieren verstĂ€rkt im Ausland. Die Nettoinvestitionsquote in Deutschland liegt bei mageren 0,2 Prozent des BIP.
Einzelhandel: Umsatzplus tÀuscht
Die Stimmung im Einzelhandel ist schlecht. Eine Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter 600 Unternehmen ergab: 42 Prozent der HÀndler bewerten ihre Lage als schlecht. 69 Prozent melden gesunkene Gewinne, 65 Prozent erwarten UmsÀtze unter Vorjahresniveau.
Trotzdem prognostiziert der HDE ein nominales Umsatzplus von 2 Prozent auf 697,4 Milliarden Euro. Doch das ist reine Inflation. âDas Plus ist preisbedingt, nicht mengenmĂ€Ăigâ, stellt HDE-PrĂ€sident Alexander von Preen klar. Er warnt vor der Abschaffung von Minijobs und fordert eine Deckelung der Lohnnebenkosten bei 40 Prozent. Vom Gesamtumsatz entfallen 601,1 Milliarden auf den stationĂ€ren Handel, 96,3 Milliarden auf den Online-Handel.
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Industrie und Handwerk: Schleichender Niedergang
Die Probleme sind flĂ€chendeckend. In Bayern meldet der Verband der Metall- und Elektro-Industrie (bayme vbm) ein Abrutschen der GeschĂ€ftslage. Besonders das AuslandsgeschĂ€ft leidet: Der Saldo fiel auf minus 19,4 Punkte. âDas industrielle Herz Bayerns zehrt ausâ, warnt HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Bertram Brossardt. Er fordert flexiblere Arbeitszeiten und niedrigere Arbeitskosten.
Im Handwerk zeigt sich ein gespaltenes Bild. Die Handwerkskammer Schwaben meldet 82 Prozent Zufriedenheit. Ganz anders die Handwerkskammer Reutlingen: Dort klagen 78 Prozent der Betriebe ĂŒber gestiegene Einkaufspreise, die sie nur teilweise weitergeben können.
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Ăsterreich: Schwaches Wachstum, steigende LiquiditĂ€tsprobleme
Auch Ăsterreich kĂ€mpft. Das Institut fĂŒr Höhere Studien (IHS) prognostiziert bis 2030 ein durchschnittliches Wachstum von nur einem Prozent pro Jahr. Das Potenzialwachstum liegt sogar bei mageren 0,8 Prozent. Die Inflation soll 2026 bei 3 Prozent liegen â das Ziel von 2 Prozent wird wohl erst 2028 erreicht. Eine McKinsey-Studie zeigt: Die Nettoinvestitionen in Ăsterreich sind seit 2008 um 60 Prozent eingebrochen.
VerschĂ€rfend kommt die schlechtere Zahlungsmoral hinzu. Laut Allianz Trade steigt die durchschnittliche Dauer bis zum Zahlungseingang in Deutschland 2026 auf 83 Tage. âUnternehmen erhalten ihr Geld immer spĂ€ter, mĂŒssen aber ihre Lieferanten weiter schnell bezahlenâ, erklĂ€rt CEO Milo Bogaerts. Das erhöht den LiquiditĂ€tsdruck enorm.
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