China, Anti-Dumping-Untersuchung

China leitet Anti-Dumping-Untersuchung gegen Chemikalien aus EU ein

19.05.2024 - 14:12:26

China droht im Handelskonflikt mit den USA und der EU mit Zöllen auf bestimmte Chemikalien, die teils auch in Autos verwendet werden.

Das Handelsministerium in Peking hat eine Anti-Dumping-Untersuchung eingeleitet gegen solche Chemikalien aus der EU, den USA, Japan und Taiwan. Wie das Ministerium am Sonntag weiter mitteilte, handelt es sich bei den betroffenen Chemikalien um "copolymerisiertes Paraformaldehyd", das Kupfer, Zink, Zinn, Blei und andere metallische Werkstoffe teilweise ersetzen könne und unter anderem in Automobilteilen, elektrischen GerĂ€ten und Industriemaschinen verwendet werde. Unter Dumping versteht man im Außenhandel, dass ein Produkt unter dem Herstellungspreis verĂ€ußert wird, was gegen Handelsregeln verstĂ¶ĂŸt.

Die Untersuchung soll innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein, könne jedoch "unter besonderen UmstĂ€nden" um weitere sechs Monate verlĂ€ngert werden, hieß es.

Die Maßnahme der chinesischen Regierung wird von Experten als Gegenreaktion auf die jĂŒngsten Handelsstreitigkeiten mit dem Westen gewertet. So hat US-PrĂ€sident Joe Biden unter anderem Sonderzölle von 100 Prozent gegen Elektroauto-Importe aus China verhĂ€ngt. Die EU untersucht derzeit selbst, inwiefern China den Markt fĂŒr E-Autos verzerrt. Eine Entscheidung, ob die EU etwa Strafzölle erhebt, steht noch aus. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die deutsche Wirtschaft hatten sich gegen solche Zölle ausgesprochen.

Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange (SPD), rechnet damit, dass auch die EU bald Zölle auf chinesische Elektroautos erheben wird. "Ich gehe davon aus, dass die Untersuchungen unfairer Handelspraktiken bei einigen Produkten zu Ausgleichszöllen fĂŒhren werden", sagte Lange dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Der SPD-Politiker kritisierte den Vorstoß der Amerikaner: "Die USA haben ihre Haltung in Handelsfragen fundamental geĂ€ndert." Amerikanische Interessen hĂ€tten Vorrang, internationale Regeln zĂ€hlten immer weniger. FĂŒr Europa sieht Lange ein großes Risiko, dass nun noch mehr chinesische Exporte in den europĂ€ischen Markt drĂ€ngten.

Aus Sicht von CDU-Chef Friedrich Merz sollte die EuropĂ€ische Union mit der möglichen VerschĂ€rfung von Importzöllen sehr zurĂŒckhaltend umgehen. "Die USA und China werden sonst ihrerseits reagieren und Zölle erheben und vorhandene Zölle noch weiter anheben", warnte Merz in einer Rundmail an seine UnterstĂŒtzer. Auch wenn die jetzige Phase der Handelspolitik in die andere Richtung zeige, sollte die EU grundsĂ€tzlich festhalten an ihrer Überzeugung, dass offene MĂ€rkte und ein freier Welthandel am ehesten geeignet seien, Wohlstand und Wachstum zu ermöglichen.

Scholz hatte jĂŒngst vor einer Abschottung der MĂ€rkte gewarnt. "Protektionismus macht am Ende alles nur teurer", sagte er kĂŒrzlich in Berlin. "Was wir brauchen, ist ein fairer und ein freier Welthandel." Offene MĂ€rkte dĂŒrften nicht "unter die RĂ€der geraten". Der Industrieverband BDI hatte gewarnt, Deutschland und die EU sollten jetzt sorgfĂ€ltig darauf achten, dass der EU-Binnenmarkt nicht zum Puffer fĂŒr chinesische ÜberkapazitĂ€ten werde, die auf dem US-Markt ausgebremst werden.

@ dpa.de