China CO2-Emissionen, Kohleverstromung

China senkt CO2-Ausstoß im dritten Quartal um 3,1 Prozent

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 01:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine Analyse des Zentrums für Forschung zu Energie und sauberer Luft führt den Rückgang unter anderem auf weniger Kohleverstromung, eine schwächere Bauwirtschaft und mehr Elektrofahrzeuge zurück. Die Entwicklung kommt kurz vor der Weltklimakonferenz COP31 in Antalya.

Chinas Energieverbrauch verändert sich

  • Die Analyse schätzt den Rückgang der chinesischen CO2-Emissionen im dritten Quartal auf 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
  • Im bisherigen Jahresverlauf lagen die Emissionen demnach 0,5 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert.
  • In der ersten Jahreshälfte sank der Kohleanteil an der chinesischen Stromerzeugung erstmals unter 50 Prozent.
China gehört zu den größten Treibhausgas-Emittenten der Welt. (Symbolbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa

China senkt CO2-Ausstoß im dritten Quartal

China hat im dritten Quartal dieses Jahres einer Analyse zufolge deutlich weniger CO2 ausgestoßen als ein Jahr zuvor. Der Rückgang wurde auf 3,1 Prozent geschätzt und war damit so hoch wie seit 2022 nicht mehr.

Im bisherigen Jahresverlauf lagen die chinesischen CO2-Emissionen demnach 0,5 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Weniger Kohle und Öl verbraucht

Der Crea-Chefanalyst Lauri Myllyvirta wertete nach eigenen Angaben offizielle und kommerzielle Daten aus. Als Gründe nannte er einen Rückgang der Kohleverstromung um 3,3 Prozent sowie ein langsameres Wachstum der Kohlechemie-Industrie.

Auch der Ölverbrauch im Verkehr ging deutlich zurück. Dazu trugen nach der Analyse der wachsende Anteil von Elektrofahrzeugen und der Druck auf die Ölnachfrage durch die Krise in der Straße von Hormus bei.

Bausektor belastet Stahl und Zement

Zusätzlich sanken die Emissionen der Zement- und Stahlindustrie. Als möglicher Hintergrund gilt die Krise im chinesischen Bausektor.

Auch Chinas Energiebehörde meldete für das dritte Quartal Rückgänge bei Kohleverstromung und Kohleverbrauch. In der ersten Jahreshälfte fiel der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung nach ihren Angaben erstmals unter 50 Prozent.

Trend seit März 2024

Nach Einschätzung Myllyvirtas setzt sich damit ein seit März 2024 erkennbarer Trend fort, wonach Chinas CO2-Ausstoß stagniert oder sinkt. China baut zwar weiterhin Kohlekraftwerkskapazitäten aus, doch die rückläufige Stromerzeugung aus Kohle deutet auf kürzere durchschnittliche Laufzeiten der Kraftwerke hin.

Mehr erneuerbare Energie vor COP31

Ende Oktober verwies die chinesische Energiebehörde auf eine steigende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Nach der Analyse könnte deren Wachstum in diesem Jahr über dem Wachstum der gesamten Energienachfrage liegen, wodurch fossile Energieträger strukturell zurückgedrängt würden.

Voraussetzung ist demnach, dass Anschlussprobleme für Wind- und Solarparks gelöst werden und weniger erneuerbarer Strom ungenutzt bleibt. Der globale CO2-Ausstoß wird in knapp einer Woche Thema der Weltklimakonferenz COP31 im türkischen Antalya sein.

China ist der größte Emittent von Treibhausgasen. Peking zählt sich in Klimafragen zu den Entwicklungs- und Schwellenländern und will bei der Konferenz unter anderem unzureichende Emissionsminderungen der Industrieländer sowie fehlende Klimafinanzierung thematisieren.

Der geschätzte Rückgang fällt in eine Phase, in der China sein Energiesystem zugleich stark ausbaut und umbaut. Das Land bleibt der weltweit größte Emittent von Treibhausgasen, investiert aber massiv in Solar- und Windkraft sowie in Elektrofahrzeuge. Entscheidend für die Klimabilanz ist deshalb nicht allein, wie viele neue Kohlekraftwerke genehmigt oder gebaut werden, sondern wie häufig bestehende Anlagen tatsächlich laufen.

Die Entwicklung im dritten Quartal deutet auf mehrere miteinander verbundene Faktoren hin: Eine schwächere Nachfrage in energieintensiven Branchen, Probleme im Immobiliensektor und Veränderungen im Verkehr drücken den Verbrauch fossiler Energieträger. Wenn erneuerbare Energien schneller wachsen als die gesamte Stromnachfrage, können sie Kohle im Strommix verdrängen. Dafür müssen Netze ausgebaut und Anschlussprobleme für Wind- und Solarparks gelöst werden.

Bedeutung für die Klimapolitik

Ein anhaltendes Plateau oder ein Rückgang der chinesischen Emissionen würde die globale Klimabilanz deutlich beeinflussen, weil China einen sehr großen Anteil am weltweiten Ausstoß hat. Die Zahlen sind jedoch eine Schätzung für ein Quartal und keine vollständige Trendwende. Für die internationale Klimapolitik kommt es daher auf mehrere aufeinanderfolgende Jahre, den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien und eine dauerhafte Verringerung der Kohlenutzung an.

Bei der bevorstehenden COP31 dürfte China zugleich mit Erwartungen an stärkere Emissionsminderungen und mit seinem Anspruch auftreten, als Entwicklungs- und Schwellenland besondere Verantwortung der Industriestaaten bei der Klimafinanzierung einzufordern. Der Rückgang stärkt Pekings Argument, dass sich sein Energiesystem verändert; er beseitigt aber nicht die Kontroverse über den weiteren Ausbau fossiler Kapazitäten.

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