Christian Sewing, Reformen

Christian Sewing fordert Bundesregierung zu Reformtempo auf

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 12:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Deutsche-Bank-Chef verlangt von der schwarz-roten Bundesregierung schnellere und konsequentere Entscheidungen. Besonders beim Kündigungsschutz, bei der Rente und beim Umgang mit dem Tankrabatt sieht er Handlungsbedarf.

Die Regierung müsse die «Bürokratie substanziell zurückfahren», fordert Sewing. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa
Die Regierung müsse die «Bürokratie substanziell zurückfahren», fordert Sewing. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa

Reformforderungen des Deutsche-Bank-Chefs

  • Christian Sewing kritisiert das Reformtempo der schwarz-roten Bundesregierung.
  • Er fordert, den Kündigungsschutz für Beschäftigte mit mehr als 180.000 Euro Jahresverdienst weiter einzuschränken.
  • Das zum Jahreswechsel geplante Altersvorsorgedepot begrüßt Sewing, einen dauerhaften Tankrabatt lehnt er ab.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing fordert von der Bundesregierung mehr Tempo und Konsequenz bei der Umsetzung ihrer Reformvorhaben.

Sewing verlangt weniger Bürokratie

Die Regierung habe zwar erkannt, was zu tun sei, sagte Sewing der „Bild am Sonntag“. Bei der Umsetzungsgeschwindigkeit und bei der Konsequenz müsse sie jedoch besser werden. Zudem dürfe sie sich nicht immer auf Kompromisse einlassen.

Nach Sewings Worten muss die Bürokratie substanziell zurückgefahren werden. Dafür müsse die Politik auch Regelungen überprüfen, die vielen Menschen lieb geworden seien. Als Beispiel nannte er den Kündigungsschutz.

Kündigungsschutz als Reformfeld

Ein erster Schritt sei bereits gemacht worden: Für Beschäftigte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 180.000 Euro sei der Kündigungsschutz eingeschränkt worden. Diese Grenze müsse weiter nach unten gezogen werden, forderte Sewing.

Warnung vor politischen Entwicklungen

Die politischen Entwicklungen bezeichnete Sewing als „brandgefährlich“. AfD-Wahlerfolge, etwa in Sachsen-Anhalt, sowie Vorgänge in Berlin seien nicht wirtschafts- und investitionsfreundlich.

Reformen aus der demokratischen Mitte seien die einzige Antwort auf Rechts- und Linksextreme im Land, sagte der Bankchef.

Lob für Altersvorsorgedepot

Das zum Jahreswechsel geplante Altersvorsorgedepot begrüßte Sewing. Auch die Rentenreform müsse so umgesetzt werden, wie sie vorgeschlagen worden sei. Jede Verwässerung sei schwierig und dürfe nicht passieren.

Ablehnung des Tankrabatts

Vom Tankrabatt hält Sewing nach eigener Aussage wenig. Er bezweifelt, dass sich die Lage im Nahen Osten kurzfristig erledigen werde, und warnt vor dauerhaften Kosten für den Staat.

Angesichts der Staatsschulden könne die Politik nicht immer weitere Ausgaben auf die bestehenden Belastungen aufschlagen, sagte Sewing.

Reformdruck trifft auf Koalitionskonflikte

Christian Sewings Forderung nach schnellerem Regierungshandeln fällt in eine Phase, in der mehrere große Vorhaben gleichzeitig beraten werden. Dazu zählen Änderungen bei Rente, Arbeitsmarkt, Gesundheit und Pflege sowie steuerpolitische Maßnahmen. Die Reformen berühren damit sowohl die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen als auch die finanzielle Belastung von Beschäftigten und Haushalten.

Besonders konfliktträchtig ist die Verbindung von Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik. Vorschläge für flexiblere Arbeitszeiten stehen Forderungen nach höheren Belastungen für Spitzenverdiener gegenüber. Beim Kündigungsschutz geht es um einen grundlegenden Zielkonflikt: Unternehmen verlangen mehr Anpassungsfähigkeit, während Beschäftigte vor einem Verlust von Sicherheit und Planbarkeit geschützt werden sollen.

Rente und Standort als nächste Prüfsteine

Auch bei der Altersvorsorge ist das von Sewing gelobte Altersvorsorgedepot Teil einer größeren Reformdebatte. Die Bundesregierung muss dabei kapitalgedeckte Elemente, die Zukunft der gesetzlichen Rente und die Finanzierung miteinander verbinden. Ein längerer Gesetzgebungsprozess kann die politische Abstimmung verlangsamen, erhöht aber zugleich den Druck, die Vorhaben belastbar auszugestalten.

Für Unternehmen und private Haushalte sind vor allem die konkreten Folgen entscheidend: veränderte Arbeitsregeln, mögliche Steuer- und Beitragsbelastungen sowie die Entwicklung der Energie- und Mobilitätskosten. Sewings Intervention macht deutlich, dass die Reformdebatte nicht nur sozialpolitisch, sondern auch als Standortfrage geführt wird.

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