CO?-Grenzausgleich: DIHK kritisiert massive Lasten für KMU
30.06.2026 - 16:09:57 | boerse-global.de
Das seit Januar 2026 vollständig in Kraft befindliche System gefährde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, so der Verband Ende Juni. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stünden vor erheblichen bürokratischen Hürden.
Massive Kritik an bürokratischen Lasten
Viele Betriebe kämpfen mit hohen Kosten und mangelnder Planungssicherheit. Ein zentraler Kritikpunkt: Die Standardwerte für Emissionen aus Ländern wie China und Indonesien seien zu hoch angesetzt. Das führe zu einer künstlichen Verteuerung von Vorprodukten.
Hinzu kommt ein Engpass bei den benötigten Zertifizierern. Die ohnehin kurzen Fristen seien kaum einzuhalten. „Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit können nur gemeinsam funktionieren“, sagt Melanie Vogelbach vom DIHK. Die aktuelle Umsetzung drohe jedoch zum Standortnachteil zu werden.
Zwar befreit die 50-Tonnen-Schwelle rund 90 Prozent der Importeure von den Berichtspflichten. Doch für die verbleibenden Unternehmen ist der Aufwand für den Nachweis der Lieferketten kaum zu bewältigen.
Forderung nach Exportlösungen und Fristverlängerungen
Um eine Abwanderung von Industriezweigen (Carbon Leakage) zu verhindern, fordert die Wirtschaft gezielte Korrekturen. Dazu gehört eine Exportlösung. Bisher belastet der Grenzausgleich Importe, entlastet aber keine europäischen Produkte für den Weltmarkt.
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Der Forderungskatalog der DIHK umfasst zudem:
- Realitätsnahe Standardwerte für die Emissionsberechnung
- Vorübergehendes Aussetzen der Zertifizierungsfristen
- Deutliche Vereinfachung der Nachweisketten
Spannungen über EU-Finanzierung und Klimaziele
Die Debatte um den CO?-Grenzausgleich ist Teil einer größeren Diskussion über die EU-Finanzierung. Frankreichs Präsident Macron will den CBAM sowie Klimaauflagen für den Flugverkehr und eine Digitalabgabe als neue EU-Steuereinnahmen nutzen – für einen Haushalt von rund zwei Billionen Euro.
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Bundeskanzler Merz hält dieses Volumen für nicht gerechtfertigt. Er plädiert für einen Rahmen zwischen 1,6 und 1,7 Billionen Euro.
Die Krise in der Automobilindustrie setzt die bestehenden Klimavorgaben zusätzlich unter Druck. Drohende Werksschließungen und Stellenabbau bei Volkswagen haben die Diskussion über das Verbrenner-Verbot ab 2035 neu entfacht. Branchenexperten warnen: Hohe Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge – aktuell bis zu 45,3 Prozent – könnten kontraproduktiv wirken.
Derweil zeigt das Umweltbundesamt: Deutschland könnte seine Klimaziele für 2030 erreichen, die ambitionierteren Ziele für 2040 aber deutlich verfehlen. Bundesumweltminister Carsten Schneider mahnt, dass Länder und Kommunen beim Hitzeschutz stärker in die Pflicht genommen werden müssten. Dafür steht ein Infrastruktur-Sondervermögen von 100 Milliarden Euro bereit.
