CO2-Handel: EU erhöht Reserve auf 700 Millionen Zertifikate
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 14:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWS700 Millionen Zertifikate als neue Obergrenze
- Unterhändler von EU-Staaten und Europaparlament einigten sich am Dienstag auf eine größere Marktstabilitätsreserve.
- Die Reserve soll künftig bis zu 700 Millionen Emissionszertifikate aufnehmen können.
- Rat und Parlament müssen die vorläufige Einigung noch billigen und formell annehmen.
EU erhöht Spielraum für Emissionszertifikate
Die EU will Preissprünge für die Industrie im Emissionshandel begrenzen und dafür die Reserve für Treibhausgas-Zertifikate vergrößern. Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments einigten sich darauf, künftig bis zu 700 Millionen Zertifikate in der Marktstabilitätsreserve zu halten.
Handel soll Einsparungen fördern
Bestimmte Unternehmen in Europa müssen Zertifikate für den Ausstoß klimaschädlicher Gase wie Kohlendioxid vorweisen und können diese nach Bedarf handeln. Das System soll vor allem in energieintensiven Branchen einen Anreiz schaffen, Treibhausgase einzusparen.
In den vergangenen Jahren waren mehr Zertifikate verfügbar, als Unternehmen nutzten. Nicht benötigte Mengen werden deshalb in der Marktstabilitätsreserve gesammelt. Bei einem Überangebot werden Zertifikate aus dem Markt genommen, bei einem Mangel oder stark steigenden Preisen kann die Reserve zusätzliche Mengen freigeben.
Börse verstehen statt raten: live zur US-Eröffnung
Jeden Mittwoch um 15:15 Uhr zeigt die trading-house Börsenakademie live, wie erfahrene Trader Chartmuster, Einstieg und Absicherung zur US-Eröffnung einordnen. 45 Minuten, kein Vorwissen nötig - Börsenwissen seit 1998.
Kostenlosen Platz für Mittwoch sichern
Anzeige | trading-house Börsenakademie
Obergrenze steigt auf 700 Millionen
Bislang durften höchstens 400 Millionen Zertifikate in der Reserve gehalten werden. Darüber hinausgehende Zertifikate wurden für ungültig erklärt.
Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, die Obergrenze vollständig abzuschaffen. Rat und Parlament einigten sich stattdessen darauf, sie auf 700 Millionen Zertifikate anzuheben. Die größere Reserve soll einen Puffer gegen Marktschwankungen schaffen und zugleich vor einem Überangebot schützen.
Formelle Zustimmung steht noch aus
Die vorläufige Einigung muss noch von Rat und Parlament gebilligt und anschließend jeweils formell angenommen werden. Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten in der vergangenen Woche bei einem Treffen in Brüssel gefordert, das Gesetzgebungsverfahren zur Marktstabilitätsreserve schneller voranzutreiben, um übermäßige Preisschwankungen zu dämpfen.
Der für die EU-Staaten zuständige irische Minister Darragh O'Brien verwies auf diesen Wunsch und sprach von einer ausgewogenen Lösung. Parallel arbeiten Parlament und Rat an einem umfassenderen Kommissionsvorschlag zur Überarbeitung des Emissionshandelssystems.
Das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) soll klimaschädliche Emissionen verteuern und Unternehmen dadurch zu Investitionen in sauberere Technologien bewegen. Zugleich können stark schwankende Zertifikatpreise die Kosten für energieintensive Branchen erhöhen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen belasten.
Reserve als Preispuffer
Die Marktstabilitätsreserve reagiert auf ein früher entstandenes Überangebot an Zertifikaten. Sie entzieht dem Markt Zertifikate, wenn zu viele verfügbar sind, und kann bei Engpässen oder stark steigenden Preisen zusätzliche Mengen freigeben. Die nun vereinbarte Anhebung der Obergrenze von 400 auf 700 Millionen Zertifikate vergrößert diesen Spielraum.
Damit wird der Reformkurs nicht grundsätzlich aufgegeben: Das System soll weiterhin Knappheit erzeugen und Emissionen senken. Die größere Reserve dient vielmehr dazu, Preisspitzen abzufedern, ohne ein dauerhaftes Überangebot zu schaffen. Für Unternehmen bedeutet die Regelung mehr Schutz vor kurzfristigen Kostenschocks, aber keine Garantie für niedrige Zertifikatpreise.
Formelle Beschlüsse stehen aus
Die vorläufige Einigung muss noch von Rat und Parlament gebilligt und formal angenommen werden. Parallel beraten die EU-Institutionen über eine umfassendere Überarbeitung des Emissionshandels. Für Stromerzeuger und Industrie bleibt daher entscheidend, wie die Reserve künftig mit weiteren Klimaschutzinstrumenten und den langfristigen Emissionszielen der EU zusammenspielt.
