Commerzbank erzielt 2,7 Milliarden Euro vor Unicredit-Übernahme
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 10:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWSStellenabbau und Führungswechsel im Blick
- Die Commerzbank beschäftigt zum 30. September weltweit 40.390 Vollzeitkräfte.
- Bis 2030 sollen konzernweit zusätzlich etwa 3.000 Vollzeitstellen entfallen.
- Eine außerordentliche Hauptversammlung wird für Ende Januar oder Anfang Februar 2027 erwartet.
Commerzbank meldet Rekordgewinn vor Unicredit-Übernahme
Die Commerzbank hat in den ersten neun Monaten 2026 mehr Gewinn erzielt als im gesamten Vorjahr und bleibt auf Kurs zu einem Rekordjahr. Während das Institut seine Geschäftsentwicklung hervorhebt, bereitet es sich zugleich auf die nächste Phase der von Unicredit betriebenen Übernahme vor.
Gewinn steigt im dritten Quartal deutlich
Im dritten Quartal erwirtschaftete die zweitgrößte börsennotierte Bank Deutschlands 859 Millionen Euro Gewinn, 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In den ersten neun Monaten stieg der Überschuss um mehr als 40 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro.
Nach Angaben der Commerzbank ist das das beste Ergebnis für diesen Zeitraum in der Konzerngeschichte. Für das Gesamtjahr hält der Vorstand an einem Rekordgewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro fest.
Unicredit sichert sich fast die Hälfte
Unicredit hat sich Zugriff auf knapp die Hälfte der Commerzbank-Anteile gesichert und strebt die Übernahme des Frankfurter Dax-Konzerns an. Die Vorbereitungsarbeiten für die Konsolidierung haben nach einer Präsentation der Commerzbank begonnen.
Die italienische Großbank sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen. Unicredit-Chef Andrea Orcel will unter anderem das Auslandsnetz der Commerzbank beschneiden.
Bank baut bereits Stellen ab
Die Commerzbank hatte im Februar 2025 den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 angekündigt. Im Mai 2026 folgte ein weiteres Sparprogramm: Bis 2030 sollen konzernweit etwa 3.000 zusätzliche Vollzeitstellen wegfallen.
Nach Angaben des Instituts haben rund 1.800 Beschäftigte individuelle Vereinbarungen für einen geordneten Übergang getroffen. Mehr als 1.100 Mitarbeitende entschieden sich demnach für ein neues Altersteilzeitprogramm.
Freigaben bis Anfang 2027 erwartet
Der Bund hält gut 13 Prozent und pocht darauf, dass die Commerzbank ihre wichtige Rolle bei der Finanzierung des Mittelstands behält. Unicredit-Chef Orcel warb seinerseits um Vertrauen und betonte, die Zusammenführung solle nicht zu schlechteren Leistungen für deutsche Unternehmen führen.
Die Commerzbank rechnet damit, dass die ausstehenden Genehmigungen im Verlauf des vierten Quartals oder spätestens Anfang 2027 vorliegen. Orcel hat angekündigt, die Führung der Commerzbank neu besetzen zu wollen; spekuliert wird über eine außerordentliche Hauptversammlung Ende Januar oder Anfang Februar 2027.
Die Commerzbank erreicht ihr starkes Ergebnis in einer Phase, in der sich die Eigentümerfrage dem entscheidenden Abschnitt nähert. Der Gewinn von rund 2,7 Milliarden Euro nach neun Monaten übertrifft bereits das Gesamtjahresergebnis 2025. Damit geht die Bank aus einer Position hoher operativer Ertragskraft in die geplante Konsolidierung mit Unicredit.
Für Unicredit erhöht das die wirtschaftliche Attraktivität einer Übernahme, zugleich steigen die Erwartungen an den künftigen Kurs. Das italienische Institut sieht Einsparpotenzial vor allem bei überschneidenden Strukturen, im Auslandsnetz und bei gemeinsamen Dienstleistungen. Für die Commerzbank-Beschäftigten trifft dieser Integrationsdruck auf bereits laufende Sparprogramme: Bis 2027 und 2030 sind zusammen rund 6.900 Stellenstreichungen angekündigt.
Eigentümerfrage und Mittelstand
Politisch besonders relevant ist die Rolle der Commerzbank bei der Finanzierung deutscher Unternehmen. Der Bund hält gut 13 Prozent und verbindet seine Beteiligung mit dem Anspruch, dass das Institut diese Funktion auch unter neuer Kontrolle erfüllt. Für Kundinnen und Kunden soll sich im täglichen Bankgeschäft zunächst nichts ändern; mögliche Folgen liegen eher in der späteren Zusammenlegung von IT, Einkauf, Vertrieb und Produktplattformen.
Die nächsten behördlichen Freigaben werden nach den Erwartungen der beteiligten Institute bis spätestens Anfang 2027 erteilt. Danach dürfte die Frage der Führungsstruktur in den Mittelpunkt rücken. Für Orlopp bedeutet das: Sie führt die Bank durch ein Rekordjahr, während zugleich offen ist, welche Rolle sie nach einer Kontrollübernahme durch Unicredit ausüben wird.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
stern: „Zwischenbilanz: Commerzbank mit Rekordgewinn in die Arme der Italiener“ (05.11.2026)
Der Artikel bestätigt den Rekordkurs und stellt die bevorstehende Unicredit-Übernahme sowie mögliche Veränderungen an der Commerzbank-Spitze in den Mittelpunkt. Anders als die stärker auf Kennzahlen konzentrierte Darstellung von n-tv.de betont er die Eigentümer- und Personalfrage.
n-tv.de: „Commerzbank ist kurz vor Unicredit-Übernahme auf Rekordkurs“ (05.11.2026)
n-tv.de hebt neben dem Nettoergebnis von 859 Millionen Euro auch operative Kennzahlen, den Provisionsüberschuss und die geplante Ausschüttung hervor. Der Beitrag ordnet die Übernahme zeitlich über die erwarteten weiteren Genehmigungen ein.
Beide Beiträge stellen die starke Geschäftsentwicklung und die fortschreitende Annäherung an eine Unicredit-Übernahme heraus. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung von Finanzkennzahlen gegenüber Führungs- und Integrationsfragen.
