Commerzbank erzielt 859 Millionen Euro Quartalsgewinn
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 07:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWSCommerzbank zwischen Gewinn und Eigentümerstreit
- Die Bank erzielte von Juli bis September 859 Millionen Euro Überschuss.
- Der Gewinn der ersten neun Monate stieg auf rund 2,7 Milliarden Euro.
- Der Bund hält gut 13 Prozent und pocht auf die Rolle als Mittelstandsfinanzierer.
Commerzbank steigert Gewinn trotz Übernahmekampf
Die Commerzbank hat im dritten Quartal 2026 einen Überschuss von 859 Millionen Euro erzielt und bleibt damit auf Kurs zu einem Rekordgewinn. Zugleich steht die Zukunft des Dax-Konzerns wegen des Zugriffs der italienischen Unicredit auf knapp die Hälfte der Anteile im Mittelpunkt.
Neunmonatsgewinn steigt deutlich
Das Ergebnis von Juli bis September lag gut 45 Prozent über dem Vorjahreswert. In den ersten neun Monaten erhöhte die Bank ihren Überschuss um mehr als 40 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro – das beste Ergebnis für diesen Zeitraum in der Konzerngeschichte.
Der Vorstand um Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hält an seinem Ziel fest, im Gesamtjahr mindestens 3,4 Milliarden Euro zu verdienen. Orlopp erklärte, die starke Geschäftsentwicklung zeige das Potenzial der Bank.
Unicredit plant weitere Schritte
Unicredit-Chef Andrea Orcel will die italienische Großbank mit der Commerzbank zusammenführen und sieht ein Einsparpotenzial in Milliardenhöhe. Dazu gehört nach seinen Plänen unter anderem eine Beschneidung des Auslandsnetzes der Commerzbank.
Orlopp bekräftigte, beide Häuser sollten gemeinsam über den richtigen Weg nach vorn nachdenken. In den kommenden Wochen erwartet Unicredit weitere Genehmigungen für ihren Plan, die Commerzbank zu übernehmen.
Bund fordert Schutz des Mittelstands
Der Bund hält gut 13 Prozent der Commerzbank-Anteile. Er verlangt, dass die Bank ein wichtiger Finanzierer mittelständischer Unternehmen bleibt.
Orcel warb um Vertrauen und erklärte, die Stärken beider Banken würden nicht gebündelt, um deutschen Unternehmen weniger Leistungen anzubieten. Offen bleibt, wie sich eine mögliche Übernahme auf den Vorstand, das Auslandsnetz und die Mittelstandsfinanzierung auswirken würde.
Die Commerzbank verbindet ein starkes operatives Ergebnis mit einer strategisch offenen Zukunft. Der Überschuss von rund 2,7 Milliarden Euro nach neun Monaten liegt bereits nahe an der Jahresplanung von mindestens 3,4 Milliarden Euro. Für Aktionäre erhöht das den Druck, die Eigenständigkeit der Bank und den Wert des Geschäftsmodells gegenüber einem Übernahmeangebot zu begründen.
Im Zentrum steht der Zugriff der italienischen Unicredit auf knapp die Hälfte der Commerzbank-Anteile. Unicredit ist in Deutschland bereits mit der Hypovereinsbank vertreten und verweist auf mögliche Einsparungen durch eine Zusammenlegung. Besonders sensibel ist die Frage, welche Standorte, Geschäftsbereiche und Arbeitsplätze betroffen wären. Die von Andrea Orcel angestrebte Beschneidung des Auslandsnetzes deutet auf einen Umbau hin, der über eine reine Kapitalbeteiligung hinausgehen könnte.
Bankenfusion mit Folgen für den Mittelstand
Für Deutschland ist die Commerzbank wegen ihrer Rolle bei der Finanzierung mittelständischer Unternehmen von besonderer Bedeutung. Der Bund hält gut 13 Prozent der Anteile und fordert, dass diese Funktion erhalten bleibt. Eine Übernahme müsste deshalb nicht nur wirtschaftlich, sondern auch industrie- und beschäftigungspolitisch bewertet werden.
In den kommenden Wochen werden weitere Genehmigungen für Unicredits Plan erwartet. Zugleich dürfte die Zusammensetzung des Commerzbank-Vorstands zum Thema werden. Für Kunden und Beschäftigte bleiben damit vor allem die künftige Markenstruktur, das Filial- und Auslandsnetz sowie die Kreditversorgung des Mittelstands entscheidend.
Stern: „Zwischenbilanz: Steigende Gewinne - aber wohin steuert die Commerzbank?“ (05.11.2026)
Der Artikel ordnet das erwartete Quartalsergebnis in die laufende Übernahmesituation ein und stellt die Zukunft des Vorstands um Bettina Orlopp in den Mittelpunkt. Er bestätigt den Fokus auf Unicredits Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile und nennt als möglichen nächsten politischen Termin eine außerordentliche Hauptversammlung Anfang 2027.
