ContiTech einigt sich: 1.600 Stellen in Deutschland gestrichen
08.05.2026 - 03:14:08 | boerse-global.deBis zu 1.600 Arbeitsplätze fallen weg – betroffen ist vor allem die Verwaltung.
Der am 7. Mai 2026 geschlossene Interessenausgleich zwischen ContiTech und der IGBCE legt die Bedingungen für den massiven Stellenabbau fest. Noch am selben Tag startete das Unternehmen ein Freiwilligenprogramm, das betroffenen Mitarbeitern den Abschied unter vergünstigten Konditionen ermöglicht. Die Maßnahmen sind Teil einer weltweiten Restrukturierung, die insgesamt rund 3.000 Stellen in der ContiTech-Sparte betreffen soll.
Wenn im Unternehmen einschneidende Veränderungen wie betriebsbedingte Kündigungen drohen, ist die richtige Strategie beim Sozialplan entscheidend. Dieser bewährte Praxis-Leitfaden zeigt, wie Arbeitnehmervertreter ihre Mitbestimmungsrechte optimal nutzen. Kostenlosen Ratgeber für Betriebsräte jetzt herunterladen
Kündigungsschutz bis 2030 vereinbart
Der Sozialplan setzt auf Freiwilligkeit statt Zwang. Betriebsbedingte Kündigungen sind an den betroffenen deutschen Standorten bis Ende 2030 ausgeschlossen – ein zentraler Erfolg der Gewerkschaft in den verhandlungen, die nach der Ankündigung des Sparprogramms im November 2025 begannen.
Der Stellenabbau erfolgt über:
- Abfindungsprogramme
- Vorruhestandsregelungen
- Interne Versetzungen
Zur Unterstützung setzt Continental auf sein hauseigenes Institut für Technologie und Transformation (CITT). Es qualifiziert Mitarbeiter für neue Aufgaben – innerhalb des Konzerns oder bei externen Arbeitgebern.
Der größte Teil der Streichungen trifft Hannover, den Sitz der ContiTech-Verwaltung. Auch andere Standorte sind betroffen, wenn auch in geringerem Umfang. Insgesamt beschäftigt ContiTech in Deutschland rund 7.700 der weltweit über 20.000 Mitarbeiter.
Werksschließungen und Verlagerungen
Bereits im Januar 2025 hatte ContiTech die Schließung von vier Produktionsstandorten angekündigt, die rund 580 Jobs kosteten. Grund war der strukturelle Nachfragerückgang aus dem europäischen Braunkohlebergbau und der Automobilindustrie.
Betroffen sind:
- Bad Blankenburg (Thüringen): Förderbandproduktion wird eingestellt
- Stolzenau (Niedersachsen)
- Moers (Nordrhein-Westfalen)
- Frohburg und Geithain (Sachsen): Werkzeugbau
In Hamburg wird das Geschäft mit Original-Equipment-Lösungen zurückgefahren. Rund die Hälfte der 107 Stellen fällt weg, weil Tests und Prototypenbau in ein Zentrallabor nach Hann. Münden verlagert werden. Eine Produktionslinie für Luftfedern wandert von Hannover-Vahrenwald ins tschechische Ji?ín.
Verkauf von ContiTech bis Ende 2026 geplant
Die Restrukturierung ist Teil einer grundlegenden Neuausrichtung des Continental-Konzerns. Das Unternehmen will sich auf sein Kerngeschäft Reifen und die kürzlich als Omnivio verselbstständigte Autosparte konzentrieren. ContiTech soll bis Ende 2026 verkauft werden.
Philip Nelles, ContiTech-Chef und Continental-Vorstandsmitglied, betont: Die Maßnahmen seien unabhängig vom künftigen Eigentümer notwendig. Der Wettbewerb – vor allem aus China – werde härter, das Wachstum in Kernmärkten schwächer. Ab 2028 sollen die Einsparungen jährlich 150 Millionen Euro betragen.
Der Sozialplan gibt potenziellen Käufern Planungssicherheit. Ein langfristig abgesicherter Arbeitsfrieden macht ContiTech berechenbarer. Zudem sicherte sich die Arbeitnehmerseite ein Mitspracherecht bei der Auswahl des Käufers – ein Hebel, um Investitionszusagen für deutsche Standorte durchzusetzen.
Viele Betriebsräte verschenken wichtige Spielräume bei Verhandlungen zum Interessenausgleich, weil sie ihre exakten Rechte nicht kennen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Experten-Report, wie Sie den Sozialplan aktiv beeinflussen und das Beste für die Kollegen herausholen. Gratis E-Book mit Musterdokumenten sichern
Gewerkschaft: „Respektabler Kompromiss“
Francesco Grioli vom IGBCE-Vorstand und Mitglied im Continental-Aufsichtsrat spricht von einem „respektablen Kompromiss“ in schwierigem Umfeld. Zwar ließen sich die Stellenstreichungen nicht verhindern, doch der Schutz der verbleibenden Belegschaft vor betriebsbedingten Kündigungen sei ein wichtiger Erfolg.
Die IGBCE hebt hervor, dass der Deal Investitionszusagen für deutsche Standorte enthält. Auch die Ausbildung bleibt über dem aktuellen Bedarf – um den Fachkräftenachwuchs zu sichern.
Besonders in Niedersachsen und Thüringen, wo Continental zu den größten Arbeitgebern zählt, soll der Sozialplan die Folgen für den Arbeitsmarkt abfedern.
Ausblick: Der Weg zum Verkauf
Mit dem Start des Freiwilligenprogramms am 8. Mai 2026 beginnt die letzte Phase der mehrjährigen Restrukturierung. Ziel ist es, die Kosten zu senken und ContiTech für den Verkauf fit zu machen.
Die Maßnahmen sollen die bereinigte EBIT-Marge verbessern, die sich trotz geopolitischer Spannungen zuletzt erholt hatte. Continental hält an seiner Prognose für 2026 fest: Konzernumsatz zwischen 17,3 und 18,9 Milliarden Euro.
Die kommenden Monate stehen im Zeichen der Käufersuche. Mit einem schlankeren Kostenapparat und einem stabilisierten Arbeitsumfeld will das Management den Verkauf bis Jahresende abschließen. Für die deutsche Belegschaft beginnt der schrittweise Abschied von der Automobilzulieferung – hin zu stabileren Industriegeschäften.
Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!
Für. Immer. Kostenlos.
