Cyberangriffe DACH: +124% Anstieg zeigt Verwundbarkeit kritischer Infrastrukturen
22.06.2026 - 00:24:42 | boerse-global.de
Eine technische Panne bei der Schweizer Flugsicherung Skyguide hat am heutigen Sonntag den europäischen Luftverkehr massiv beeinträchtigt. Der Luftraum östlich von Bern musste für mehrere Stunden gesperrt werden. Der Flughafen Zürich fuhr seine Kapazitäten drastisch zurück. Erst im Laufe des Vormittags normalisierte sich der Betrieb langsam. Die Ursachenforschung läuft.
Alarmierende Zahlen aus der DACH-Region
Der Vorfall ist kein Einzelfall. Er zeigt, wie verwundbar kritische Infrastrukturen sind. Ein aktueller Bedrohungsbericht von Check Point aus dem Mai 2026 belegt das Ausmaß: Die Zahl der Cyberangriffe in der DACH-Region stieg 2025 um 124 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Deutschland trägt dabei 82 Prozent aller regionalen Vorfälle.
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Besonders Ransomware-Attacken machen Angst. Sie machen rund 30 Prozent der Angriffe aus. Die häufigsten Einfallstore: gestohlene Zugangsdaten und fehlende Mehrfaktor-Authentifizierung. Der Branchenverband Bitkom beziffert die Gesamtschäden für die deutsche Wirtschaft auf rund 289,2 Milliarden Euro.
United Airlines sucht Spezialisten für Flugzeugsicherheit
Die Luftfahrtbranche reagiert. United Airlines hat im Juni mehrere Schlüsselpositionen ausgeschrieben. Das Unternehmen sucht Ingenieure für „Aircraft Cybersecurity Operations“ und Führungskräfte für Produktsicherheit und digitales Risikomanagement.
Die Jobprofile zeigen, wie komplex das Feld geworden ist. Gesucht werden Experten, die Cybersicherheit direkt an der Schnittstelle zur Flugzeugtechnik koordinieren. Sie arbeiten mit Avionik-Ingenieuren und Regulierungsbehörden wie der FAA zusammen. Es geht nicht mehr nur um den Schutz interner IT – sondern um die Absicherung der Hardware und Software an Bord der Flugzeuge.
Auch andere Unternehmen ziehen nach. Redwire Space, ein Anbieter aus der Luft- und Raumfahrt, schrieb im Juni Stellen für Sicherheitsarchitekten aus. Ziel: Zertifizierungen für staatliche Sicherheitsstandards zu erreichen.
Der Fachkräftemangel wird zum Sicherheitsrisiko
Das Problem: Es gibt viel zu wenige Spezialisten. In Deutschland fehlen rund 109.000 IT-Fachkräfte. Prognosen zeigen, dass diese Lücke bis 2040 auf bis zu 663.000 unbesetzte Stellen anwachsen könnte. Jährlich werden nur etwa 15.000 Fachkräfte ausgebildet. Die Nachfrage übersteigt das Angebot um ein Vielfaches.
Die Belastung der vorhandenen Belegschaft ist hoch. Laut Branchenstudien geben 61 Prozent der IT-Beschäftigten an, überlastet zu sein. Strukturelle Hindernisse kommen dazu: langwierige Visumsprozesse für ausländische Experten und das Fehlen von Informatik als Pflichtfach in mehreren Bundesländern.
KI als Chance und Risiko zugleich
Die Integration Künstlicher Intelligenz bringt zusätzliche Dynamik. Die ISC2 Cybersecurity Workforce Study 2025 zeigt ein gespaltenes Bild: 41 Prozent der befragten Experten sehen KI als Chance für die Verteidigung. 52 Prozent bewerten sie als Risikofaktor. Besonders KI-gestütztes Social Engineering gilt als wachsende Bedrohung.
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Bundeswehr setzt auf „Gefechtswolke“
Staatliche Akteure investieren massiv in die Vernetzung ihrer Systeme. Die Bundeswehr treibt derzeit ihr größtes IT-Projekt voran: die sogenannte „Gefechtswolke“ (Combat Cloud). Sie soll Daten aus Satelliten, Drohnen und Panzern in Echtzeit vernetzen – für Multi-Domain-Operationen.
Parallel dazu rückt die physische Sicherheit in den Fokus. Die Polizei eines Bundeslandes implementierte im Juni neue C-UAS-Lösungen des Anbieters Sentrycs. Grund: Die Zahl verdächtiger Drohnenflüge steigt rasant. 2025 überschritt sie bundesweit die Marke von 1.000 registrierten Vorfällen.
