Cybercrime-Welle: SMS-Betrug springt um 146 Prozent in die Höhe
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 19:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die erste Jahreshälfte 2026 beschert den Sicherheitsbehörden düstere Rekorde. SMS-Betrug legte um 146 Prozent zu, Online-Betrug um 134 Prozent. Besonders alarmierend: Fernzugriffstrojaner verzeichneten ein Plus von 69 Prozent.
Kriminelle setzen zunehmend auf Methoden, die klassische Sicherheitssoftware austricksen. Statt fertiger Schadsoftware bauen sie den Code direkt auf den Geräten der Opfer zusammen oder missbrauchen legitime Administrationswerkzeuge für ihre Angriffe.
SourTrade: Malware entsteht im Browser
Eine Kampagne namens SourTrade zeigt, wie raffiniert die Angreifer inzwischen vorgehen. Seit Ende 2024 aktiv, nutzt die Malvertising-Operation die Bun-Runtime. Statt Schadsoftware übers Netzwerk zu übertragen, setzt sie die Malware erst im Browser des Opfers aus legitimen Komponenten zusammen.
Die Verteilung läuft über manipulierte Werbeanzeigen. Die locken Nutzer auf gefälschte Krypto-Plattformen wie Solana, Luno oder TradingView. Ein ServiceWorker lädt eine Konfigurationsdatei, der Browser erstellt eine ausführbare Windows-Datei direkt im Arbeitsspeicher. Jede Sitzung generiert einen einzigartigen Hash-Wert – signaturbasierte Virenscanner erkennen nichts.
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Die Kampagne läuft in 25 Sprachen und 12 Ländern. Ziel: Zugangsdaten für Krypto-Wallets stehlen. Experten fordern Überwachung der gesamten Kette – vom Ad-Referral bis zum Runtime-Download.
Operation BlueDash: Fakesoftware als Einfallstor
Seit Februar 2026 läuft die „Operation BlueDash“. Die nigerianische Gruppe ZeroBEC steckt dahinter. Im Juli gab es einen deutlichen Aktivitätsschub. Die Angreifer nutzen gefälschte Microsoft-Teams-Dokumente und Software-Updates, um Opfer auf bösartige Domains zu locken.
Per PowerShell installieren sie legitime Fernwartungstools wie Level RMM oder ConnectWise ScreenConnect. Da es sich um offiziell zugelassene Administrationswerkzeuge handelt, schlagen Sicherheitslösungen selten Alarm. Ähnlich geht die Gruppe BlueNoroff vor – ein Ableger der Lazarus-Organisation. Sie greift gezielt Führungskräfte im Krypto-Sektor über gefälschte Videokonferenz-Einladungen an.
Hotels und Unternehmen im Visier
Auch die Infrastruktur für Geschäftsreisende gerät unter Beschuss. Seit Juni 2026 mehren sich Phishing-Angriffe in Hotel-WLANs. Mittels DNS-Poisoning werden Nutzer auf gefälschte Login-Seiten für Microsoft 365 umgeleitet.
Bei Unternehmenssoftware sorgte eine kritische SharePoint-Lücke (CVE-2026-50522) für Druck. Mit 9,8 von 10 Punkten auf der CVSS-Skala galt eine Patch-Frist bis zum 25. Juli. Auch die Gaming-Branche ist betroffen: Workshop-Karten der Unreal Engine verbreiteten per PowerShell Fernzugriffstrojaner – ein Update im Juli stoppte die Angriffe.
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Behörden schlagen zurück
Trotz der Eskalation gibt es Erfolgsmeldungen. BKA und FBI zerschlugen den Phishing-Dienst „Kratos“. Er stellte über 200 Server für monatlich rund 15.000 kriminelle Kampagnen bereit. Gleichzeitig identifizierten Forscher neue Trojaner wie „Dolphin X“ – er extrahiert Daten aus über 300 Anwendungen und 160 Krypto-Wallets.
Die Europäische Zentralbank erhöht den Druck auf den Finanzsektor. Institute müssen bis Oktober 2026 detaillierte Aktionspläne zur Abwehr der neuen Betrugsszenarien vorlegen. Sicherheitsexperten empfehlen phishing-resistente Multifaktor-Authentifizierung wie FIDO2 und engmaschige Verhaltensüberwachung der Netzwerke.
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