Entwurf: Keine höheren Bafög-SÀtze, aber eine 'Starthilfe'
17.01.2024 - 05:58:11Der Referentenentwurf sieht zwar eine "Starthilfe" von 1000 Euro als einmaligen Zuschuss fĂŒr bedĂŒrftige Studierende sowie die Anhebung von FreibetrĂ€gen vor. Zudem soll es einfacher sein, das Studium zu verlĂ€ngern oder das Studienfach zu wechseln, ohne den Bafög-Anspruch zu gefĂ€hrden. Von einer Erhöhung der Bafög-SĂ€tze ist im Gesetzentwurf von Anfang Januar aber keine Rede.
Koalition soll "deutlich nachlegen"
Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Elke Hannack, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Der Gesetzentwurf fĂŒr die Bafög-Novelle ist viel zu kurz gesprungen. Wir erwarten, dass die Koalition noch einmal deutlich nachlegt, um wirklich die versprochene Trendumkehr beim Bafög zu erreichen."
Die Inflation habe die letzten Erhöhungen der BedarfssĂ€tze und FreibetrĂ€ge weitgehend aufgefressen, sagte Hannack. "Deshalb mĂŒssen die RegelsĂ€tze fĂŒr den Lebensunterhalt und die Wohnkosten jetzt deutlich angehoben werden." FĂŒr eine echte Strukturreform mĂŒsse zudem mindestens ein automatischer Inflationsausgleich ins Gesetz.
Auch SPD sieht noch Verhandlungsbedarf
Der SPD-Bildungspolitiker Oliver Kaczmarek sagte, der Entwurf enthalte viele gute Elemente. "Wenn jetzt noch eine Anpassung der Bafög-Höhe an gestiegene Lebenshaltungskosten und ein Mechanismus zur regelmĂ€Ăigen Anpassung des Bafögs hinzukommen, dann ist das Bild aus Sicht der SPD vollstĂ€ndig. DarĂŒber werden wir verhandeln, wenn wir das Gesetz im FrĂŒhjahr grĂŒndlich im Parlament beraten."
Die Ampel-Koalition hatte zum Wintersemester 2022/23 den Bafög-Satz fĂŒr Studentinnen und Studenten - es geht um den Grundbedarf - von 427 Euro auf 452 Euro im Monat angehoben. Im Koalitionsvertrag hatten sich SPD, GrĂŒne und FDP vorgenommen, das Bafög "grundlegend" zu reformieren und "elternunabhĂ€ngiger" zu machen. Angedacht war etwa eine regelmĂ€Ăigere Anpassung von FreibetrĂ€gen und BedarfssĂ€tzen.
Bildungsministerium verteidigt PlÀne
Eine Sprecherin des FDP-gefĂŒhrten Bildungsministeriums teilte zum Thema Bafög-SĂ€tze mit, dass voll geförderte Studierende mit Kindergeldanspruch monatlich bis zu 1184 Euro an staatlicher UnterstĂŒtzung bekĂ€men. "Studien zufolge gibt ein groĂer Teil der Studierenden im Schnitt lediglich 986 Euro monatlich aus", erklĂ€rte sie. "Noch nicht berĂŒcksichtigt sind dabei weitere Möglichkeiten wie Stipendien, der zinsreduzierte Bildungskredit oder eine geringfĂŒgige NebentĂ€tigkeit, die bis zur Minijobgrenze ebenfalls nicht auf das Bafög angerechnet wird." Bafög-EmpfĂ€nger, die nicht den Höchstsatz erhielten, profitierten zudem von der geplanten weiteren Anhebung der ElternfreibetrĂ€ge, so die Sprecherin.
Das Kabinett soll sich im Februar mit den PlĂ€nen beschĂ€ftigen. SPD-Politiker Kaczmarek erwartet, dass der Bundestag ab April darĂŒber berĂ€t. Die Reform soll zum Wintersemester 2024/25 in Kraft treten. Der Bundestag befasst sich an diesem Donnerstag mit einem Bericht der Bundesregierung zur ĂberprĂŒfung der Bafög-BedarfssĂ€tze, der die Jahre 2021 und 2022 beleuchtet.

