SPD kritisiert Linnemanns harten BĂŒrgergeld-Kurs
08.06.2025 - 17:13:06 | dpa.de"Die Attacken auf den Sozialstaat werden jeden Tag mehr. Dabei ist er kein Kostenfaktor, den man einfach nach Kassenlage zusammenstreicht", sagte die fĂŒr Arbeit und Soziales zustĂ€ndige stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dagmar Schmidt der Deutschen Presse-Agentur. Die Sozialsysteme im Land seien das solidarische Fundament des Zusammenhalts in der Gesellschaft.
Linnemann: MĂŒssen an Substanz des Systems gehen
Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, das BĂŒrgergeld zu einer neuen "Grundsicherung fĂŒr Arbeitssuchende" umzubauen. Linnemann drĂ€ngt darauf, dabei "wirklich an die Substanz des Systems" zu gehen, wie er sagte. Ein Punkt ist seiner Meinung nach besonders wichtig: "Wenn jemand nachweislich wiederholt einen zumutbaren Job nicht annimmt, obwohl er offenkundig arbeiten kann, dann muss der Staat davon ausgehen, dass derjenige nicht bedĂŒrftig ist. Und dann bekommt er auch kein BĂŒrgergeld mehr."
SPD: Hohe Einkommen und Vermögen stÀrker beteiligen
Schmidt entgegnete: "Statt immer wieder die Gerechtigkeitsfrage allein bei denen zu stellen, die kleine, kleinste oder gar keine eigenen Einkommen haben, gilt es diejenigen stĂ€rker an der Finanzierung unseres Gemeinwesens zu beteiligen, die höchste Einkommen und Vermögen haben." Sie fĂŒgte hinzu: "Und statt die RealitĂ€ten vieler Menschen zu ignorieren, die aufgrund von schwierigen Lebenslagen, Krankheit, Arbeitslosigkeit oder anderer HĂŒrden diese UnterstĂŒtzung brauchen, könnte man sich auch Gedanken darĂŒber machen, wie man die HĂŒrden abbaut und zielgerichtet und nachhaltig auf dem Weg in Arbeit unterstĂŒtzt."
Wiederauflage der Debatte - aber jetzt in gemeinsamer Regierung
Die Debatte ist nicht neu, steht jetzt aber unter anderem Vorzeichen, weil Union und SPD gemeinsam regieren. Im vergangenen Sommer hatte Linnemann in der Diskussion ĂŒber einen Anstieg der Zahl der BĂŒrgergeldempfĂ€nger und die stark gestiegenen Kosten fĂŒr die Leistung schon einmal den Vorschlag in die Diskussion gebracht, mutmaĂlich arbeitsunwilligen BĂŒrgergeldempfĂ€ngern die Grundsicherung komplett zu streichen.
Gegenwind bekam er damals unter anderem von SPD, aber auch vom SozialflĂŒgel der eigenen Partei. "Wer fĂŒr die Jobcenter nicht erreichbar ist, hat hĂ€ufig psychisch Probleme", hatte der Vize-Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian BĂ€umler, gesagt. Menschen in Deutschland dem Hunger auszusetzen, sei jedenfalls mit dem christlichen Menschenbild nicht vereinbar.
Aktuell Streichung bis zwei Monate möglich
Die aktuelle Rechtslage hatte das Bundesarbeitsministerium kĂŒrzlich in einer Antwort auf eine Anfrage im Bundestag so beschrieben: "Sogenannten Arbeitsverweigerern, die sich bewusst und grundlos weigern, eine konkret angebotene, zumutbare Arbeit aufzunehmen und die vorher (innerhalb des letzten Jahres) bereits gegen eine Pflicht zur Aufnahme einer Arbeit verstoĂen oder ihr ArbeitsverhĂ€ltnis grundlos gekĂŒndigt haben, kann fĂŒr bis zu zwei Monate der Regelbedarf im BĂŒrgergeld komplett entzogen werden."
Ausgaben fĂŒr BĂŒrgergeld bei fast 47 Milliarden im vergangenen Jahr
Die Ausgaben fĂŒr BĂŒrgergeld sind im vergangenen Jahr laut der Statistik der Bundesagentur fĂŒr Arbeit (BA) auf fast 47 Milliarden Euro angestiegen. Im Jahr davor waren es rund 43 und ein Jahr davor rund 37 Milliarden Euro. Die BA fasst dies unter dem Begriff "ZahlungsansprĂŒche" zusammen. Der Zahlungsanspruch sei der Betrag, welcher den Personen zustehe und der tatsĂ€chlich gewĂ€hrt werde. Die Zahl der sogenannten Bedarfsgemeinschaften, also der Haushalte, in denen BĂŒrgergeld bezogen wird, liegt aktuell bei rund 2,9 Millionen.
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