Agrarminister, Deutschland

Agrarminister appellieren an Berlin: Mittel nicht kĂŒrzen

22.09.2023 - 17:33:18

Das Grundgesetz gibt das Ziel gleichwertiger LebensverhĂ€ltnisse in allen Teilen Deutschlands vor. Doch der lĂ€ndliche Raum droht zurĂŒckzubleiben. Die Agrarminister von Bund und LĂ€ndern kĂ€mpfen um Geld.

Geplante KĂŒrzungen im Bundeshaushalt bei der Förderung des lĂ€ndlichen Raums stoßen auf Widerstand der Agrarminister von Bund und LĂ€ndern. Sie richteten zum Abschluss ihrer Herbstkonferenz am Freitag in Kiel einen deutlichen Appell an die Bundespolitik, keine KĂŒrzungen bei den Mitteln fĂŒr die Gemeinschaftsaufgabe «Verbesserung der Agrarstruktur und des KĂŒstenschutzes» (GAK) vorzunehmen.

«Wir waren uns einig, dass die veranschlagten Mittel grundsĂ€tzlich nicht gekĂŒrzt werden dĂŒrfen», sagte der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU), der den Vorsitz der Konferenz fĂŒhrte.

Die GAK sei das wichtigste Instrument zur Förderung der Landwirtschaft und des lĂ€ndlichen Raums, betonte Schwarz. «Wir haben hier eine echte Betroffenheit.» Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (GrĂŒne) sprach von schmerzhaften KĂŒrzungen. Er setze aber noch auf Änderungen bei den Haushaltsberatungen.

Im Entwurf des Bundeshaushalts 2024 sind fĂŒr die GAK 840 Millionen Euro vorgesehen - nach 1,1 Milliarden Euro 2023.

Das Wolfs-Problem

Die Agrarminister befassten sich auch mit der Frage, wie mit den wachsenden WolfsbestĂ€nden im Land umgegangen werden soll. Es bestehe inzwischen ein immenses Konfliktpotenzial, sagte Özdemir. Die Landwirte erwarteten zu recht neben schönklingenden Worten der SolidaritĂ€t auch konkrete Lösungen. Damit sichere Weidehaltung noch möglich ist, mĂŒssen einzelne Wölfe abgeschossen werden können, sagte Özdemir. «DafĂŒr mĂŒssen auch, wo notwendig, ganze Rudel entnommen werden können.» Dazu mĂŒssten schnell die Grundlagen geschaffen werden.

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sagte: «Wir brauchen eine bundeseinheitliche Verordnung unter dem Dach des Bundesnaturschutzgesetzes zur rechtssicheren Entnahme von auffĂ€lligen Wölfen.» Seine bayerische Kollegin Michaela Kaniber (CSU) ging in ihrer Forderung weiter. «Wir erwarten uns die schadensunabhĂ€ngige Entnahmemöglichkeit.» Als Vorbild nannte sie Schweden. Sie habe hier eine Erwartungshaltung an die Bundesumweltministerin Steffi Lemke (GrĂŒne).

Geteiltes Meinungsbild zu Glyphosat

Uneinigkeit wurde bei der Beurteilung einer möglichen Weiterverwendung des Totalherbizids Glyphosat deutlich, ĂŒber die in der EU gesprochen wird. Backhaus zeigte sich aufgeschlossen, Özdemir verwies auf den Koalitionsvertrag und ungeklĂ€rte Fragen zu negativen Wirkungen auf die BiodiversitĂ€t. «Wir sind fĂŒr nein.»

Wind-Geld fĂŒr die Fischerei

Einig waren sich die Minister von Bund und LĂ€ndern dagegen beim Ziel, das Tierwohl weiter zu verbessern und die Fischerei zu unterstĂŒtzen. Es sei ein Riesenerfolg, dass es gelungen sei, aus der Versteigerung der WindkapazitĂ€ten auf See 670 Millionen Euro fĂŒr die Fischerei zu gewinnen, sagte Backhaus.

Demonstationen begleiten das Treffen

Begleitet wurde die Konferenz von Protesten. Viele Bauern waren zum Teil mit ihren Traktoren zu Demonstrationen nach Kiel gekommen, um ihre Forderung nach mehr UnterstĂŒtzung zu unterstreichen. Umweltschutzorganisationen forderten vor allem mehr Einsatz fĂŒr das Tierwohl.

@ dpa.de